Autoimmunerkrankungen – Fehler im System

Unsere Immunabwehr ist intelligent. Doch manchmal schießt sie übers Ziel hinaus und bekämpft den eigenen Körper. Wie kommt es dazu und warum treffen Autoimmunerkrankungen hauptsächlich Frauen?
Die Deutsche Autoimmun-Stiftung schätzt: Über 5 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum leiden an einer von rund 100 bekannten Autoimmunerkrankungen.
Die geläufigsten sind:

Autoimmunerkrankungen verlaufen häufig in Schüben und sind nicht ansteckend.

 

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Ein Artikel von Saskia Fechte

 

Begegnen unsere Abwehrzellen unbekannten Strukturen, die ihnen verdächtig erscheinen, fackeln sie nicht lange. Blutkörperchen und Killerzellen machen Eindringlinge unschädlich oder eliminieren sie aus dem Körper. Zur Spezialeinheit des Immunsystems gehören T- und B-Lymphozyten, eine Unterart der weißen Blutkörperchen. Sie bilden das Gehirn des Immunsystems, markieren Feinde mit Antikörpern und merken sich vergangene Abwehrprozesse. So wissen sie bei erneuten Angriffen durch alte Bekannte, was zu tun ist, und senden entsprechende Signale an ihre Kollegen in der Abwehrtruppe. Gleichzeitig müssen die Lymphozyten ein gutes Maß an Gelassenheit beweisen, um nicht jedem fremden Molekül oder harmlosen Mutationen mit Aggression zu begegnen. Versagt diese Toleranz, starten die übersensiblen Aufpasser falsche Abwehrreaktionen gegen körpereigene Stoffe. Die Folgen: chronische Entzündungen und Zerstörung von gesundem Gewebe.

 

Der Blick aufs Ganze hilft

Autoimmunerkrankungen können einzelne Organe oder den gesamten Körper beeinträchtigen. Genauso vielfältig wie die Ausprägungen sind auch die Symptome. Viele Menschen erhalten falsche Diagnosen und leiden jahrelang an Gesundheitsproblemen, bevor sie Gewissheit erhalten. Eine ganzheitliche medizinische Sicht und die Zusammenarbeit verschiedener Fachärztehelfen bei der Einordnung. Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung sind wiederkehrende unspezifische Beschwerden wie Fieber und Entzündungen sowie Funktionsstörungen verschiedener Organe. Eine Blutprobeoffenbart allgemeine Anzeichen einer chronischen Entzündungsreaktion: erhöhte Entzündungsmarker, eine starke Vermehrung von T- und B-Lymphozyten sowie große Mengen Antikörper. Für einige Autoimmunkrankheiten sind typische Antikörper bekannt, sie liefern wichtige Indizien. Je nach Erkrankung, kommen Ärzte außerdem mit Gewebeproben, Schmerzprotokollen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Ursache auf die Spur.

 

Gene, Infekte und Stress

Autoimmunkrankheiten sind in manchen Familien häufiger. Eine gewisse Veranlagung liefern also unsere Gene. Zumindest für einzelne Erkrankungen sind außerdem Viren und mikrobielle Erreger als Auslöser bekannt. Nach schweren Infektionen treten verdächtige Symptome vermehrt auf. Weiterhin fördern Umweltfaktoren wie Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch und UV-B-Strahlung, aber auch Stress den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen. Durch solche Einflüsse entstehen Schäden an den Zelloberflächen, die Abwehrzellen dann mit bedrohlichen Strukturen verwechseln. Je mehr dieser Risikofaktoren zusammenkommen, desto eher treten Irritationen im Immunsystem auf. Wie und warum Autoimmunerkrankungen letztendlich genau entstehen, ist bisher nicht ausreichend erforscht.

 

Frauen bevorzugt

75 Prozent der Autoimmunerkrankungen treffen Frauen. Das ist den Geschlechtshormonen geschuldet: Das weibliche Östrogen fördert selbstzerstörerische Immunreaktionen, während das männliche Testosteron diese bremst. Entsprechend lösen Phasen hormoneller Veränderungen wie Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre bei vielen Frauen erste Symptome für Autoimmunerkrankungen aus. Eine weitere mögliche Erklärung liegt im Darm: Frauen und Männer weisen eine unterschiedliche Bakterienflora auf, beherbergen also verschiedene Arten und Mengenverteilungen in diesem wichtigen Teil des Immunsystems. Die Darmbakterien bestimmen die Abwehraktionen entscheidend mit, somit auch die Toleranz des Immunsystems und die Wahrscheinlichkeit einer Autoimmunreaktion.

 

Ziel: Beschwerden lindern

Autoimmunerkrankungen sind nicht heilbar. Eine frühzeitige und kontinuierliche Behandlung kann jedoch Symptome lindern, Entzündungen eindämmen und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Um die Zerstörung von gesundem Gewebe aufzuhalten, setzen Fachärzte häufig Medikamente ein. Sogenannte Immunsuppressiva wie Kortison sollen das überaktive Immunsystem dämpfen. Weil Krankheitsprozesse bei jedem Patienten anders aussehen, sind individuelle Therapiestrategien ratsam. Methoden aus Schulmedizin, Naturheilkunde und Psychotherapie können dabei gut miteinander kombiniert werden. Die Forschung arbeitet an Therapien, die die Toleranz der Lymphozyten neu programmieren können. Eine Art Impfung gegen Autoimmunerkrankungen oder eine Desensibilisierung wie bei Allergien sind in Zukunft ebenfalls denkbar.

 

Fibromyalgie, der Ganzkörperschmerz

Chronische Muskel- und Gelenkschmerzen, die überall am Körper auftreten, scheinen aus dem Nichts zu kommen und können mehrere Monate anhalten. Bei vielen Patienten findet sich keine Ursache für die ständigen Schmerzattacken. Eventuell sind beeinträchtigte Nervenenden im betroffenen Gewebe oder eine gestörte Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem ausschlaggebend. Als eine der bekanntesten Persönlichkeiten leidet Pop-Ikone Lady Gaga an Fibromyalgie. Schmerztherapie ist der Schlüssel zur Linderung: Medikamente, Krankengymnastik sowie homöopathische Präparate aus Indianischem Wurmkraut (Spigelie) und dem Kürbisgewächs Koloquinte können die Beschwerden eindämmen.

 

Weitere Informationen

Besuchen Sie die Website der „Deutsche Autoimmun-Stiftung“: www.autoimmun.org
oder sprechen Sie auch uns an, wir beraten Sie gern.

 

 

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