Baden im See – Mögliche Gefahren

Wenn die Temperaturen steigen, springen wir gern ins kühlende und erfrischende Nass. Nicht immer ist ein Schwimmbad in der Nähe, zudem meiden manche diese bewusst, da sie ihnen zu weit entfernt, zu teuer, zu voll, zu laut oder zu verchlort sind, bzw. aus anderen Gründen nicht besuchenswert erscheinen.

Aber es gibt ja auch noch die sogenannten Oberflächengewässer, also Badeseen, Flüsse, Bäche sowie Nord- und Ostseeküste. Jedoch birgt der heimische Badespaß auch ein paar potentielle Gefahren, denen man sich bewusst sein sollte. Beim Planschen im Auslandsurlaub gibt es noch weitere Punkte, die zu beachten sind, um ein ungetrübten Badespaß erleben zu können.

Eigentlich logisch, aber zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass Schwimmen an Plätzen ohne Rettungsschwimmer insbesondere für Nichtschwimmer eine Gefahr darstellen kann. Auch ein Kopfsprung in unbekannte, eventuell zu flache Gewässer, ist nicht empfehlenswert und selbst leichte Unterkühlungen können zu Schwimmversagen führen, von einem Kälteschock ganz abgesehen. Wenn man im Urlaub Badeplätze mit „Fressfeinden“ (Krokodile, Haie etc.) meidet, ist das eine durchaus gute Idee, um das eigene Leben zu verlängern. Der hierzulande gefährlichste Giftfisch ist übrigens das harmlos klingende „Petermännchen“ (Trachinus draco und Trachinus vipera), der selten auch im flachen Wasser von Nord- und Ostsee zu finden ist. Er hat einige giftige Stacheln, in die man als Badegast leicht hineintreten kann, da sich der Fisch einzubuddeln pflegt zum eigenen Schutz bzw. auf Beutejagd. Auf diese und ähnliche Gefahren wollen wir hier jedoch gar nicht weiter eingehen, hier sollte man sich selbst vor Urlaubsantritt aus eigenem Gesundheitsinteresse z.B. im Internet, beim Reiseanbieter oder direkt durch das gebuchte Hotel über diese Art von Risiken informieren; wir schauen hier auf kleinere Problemverursacher, zumindest was deren Größe angeht: Parasiten und Bakterien. Die davon ausgehenden Gefahren können jedoch schwerwiegenden Einfluss auf die Gesundheit haben.

 

Badegewässer / Wasserqualität

Hierzulande und europaweit gibt es viele offiziell zum Baden ausgeschriebene Oberflächengewässer, die regelmäßig gemäß der europäischen Bade­gewässer-Richtlinie (hier als PDF-Dokument) und bundeslandspezifisch umgesetzter Verordnungen überwacht werden, deren Badewasserqualität durch eine einheitliche Kennzeichnung kommuniziert wird. Auf der Website vom deutschen Umweltbundesamt findet man eine Karte aller dieser überwachten Badeplätze mit entsprechenden Hinweisen, exemplarisch hier der Link zum Steckbrief vom Schwimmbad an Hannovers Maschsee.

Die Gewässerqualität wird eingeteilt in die Kategorien „ausgezeichnet“, „gut“ und „ausreichend“. Zwei Indikator-Bakterien (mikrobiologische Parameter als Indikatoren für Krankheitserreger) zeigen, wie sauber es ist: zum einen Bakterien der Art „Escherichia coli“ (E-coli) und zum anderen die Gruppe der „Intestinalen Enterokokken“, sprich wie belastet das Gewässer mit Fäkalien ist. Badegewässer dürfen für eine ausreichende Qualität eine festgeschriebene Maximalkonzentration dieser Bakterien nicht überschreiten. Tun sie dies doch (Kategorie „mangelhaft“), werden sie für das Baden gesperrt. Im Jahr 2016 erreichten knapp 91 Prozent aller deutschen Badegewässer eine ausgezeichnete und 5,7 weitere Prozent eine gute Qualität. Nur bei 5 Badegewässern wurde die Qualität als mangelhaft eingestuft (Quelle: Umweltbundesamt).

 

Verschmutzungen

Verschmutzungsrisiken entstehen hauptsächlich nach Starkregen durch Mischwasserüberläufe aus Kläranlagen oder durch Abschwemmungen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die überhöhte Einleitung von Nährstoffen (wie Phosphor- Nitrat und Stickstoffverbindungen) und insbesondere auch der Eintrag durch die Ausscheidungen von Tieren (z.B. Wasservögel, Nutztieren etc.) können zu Problemen führen.

Abschwemmungen / Mischwasserüberläufe

Im Steckbrief vom Maschseebad in Hannover zum Beispiel findet sich auch der Hinweis auf mögliche Blaualgenbelastungen durch besagte Abschwemmungen, da das Algenwachstum durch die eingetragenen Nährstoffe massiv gefördert wird: „Die Maschseequelle im Südwesten des Sees versorgt den Maschsee mit Wasser aus den Ricklinger Kiesteichen. Die Ricklinger Kiesteiche liegen im Überschwemmungsgebiet der Leine, wo es außerhalb der Badesaison bei Hochwasser zu Überschwemmungen kommen kann. Über diesen Weg gelangen viele Nährstoffe in den See, die das Wachstum von Cyanobakterien (Blaualgen) begünstigen. Manche Arten von ‚Blaualgen‘ scheiden Stoffwechselprodukte aus, die zu allergischen oder giftig bedingten Gesundheitsstörungen bei Mensch und Tier führen können, generell sorgen Sie für ein Absinken des Sauerstoffgehaltes, der ohnehin im Sommer geringer ist und somit für ein die Gesundheit der Wasserorganismen und Gastbader weiter gefährdendes Gammel- und Gärmilieu, was sich auch am Geruch bemerkbar machen kann. Massenhafte Ansammlungen von Blaualgen, sogenannte Algenblüten, sind an einer bläulich-grünlichen Trübung des Wassers bis hin zu Schlieren, Schaumbergen oder rahmartigen Schichten auf dem Wasser erkennbar.“

Die Schilöderung zeigt, dass eine Überwachung absolut Sinn macht. Es zeigt aber auch, dass es sinnvoll ist, sich über seine Badeplätze grundsätzlich zu informieren und die Augen zusätzlich vor Betreten des Gewässers offen zu halten sowie die Nase eingeschaltet zu lassen. In unserem Beispiel werden optisch wahrnehmbare Veränderungen als Indikator genannt, auf die man selbst achten kann.

Bezüglich der Problematik um Mischwasserzuläufe empfehlen wir z.B. den Artikel Vom Regen in die Jauche (Spiegel Online).

 

Verschmutzung durch Wasservögel

Auch Wasservögel müssen auf Toilette, dabei landet ein nicht unerheblicher Anteil in Gewässern, in denen wir schwimmen. Eine Ente  scheidet täglich etwa 336g Kot aus (besonders, wenn sie mit alten Brotresten zugefüttert wird!), der naturgemäß die überwachten Krankheitserreger Escherichia coli sowie Enterokokken enthält. Ganz nebenbei, ein durchschnittlicher Mensch scheidet nur 150g Stuhl pro Tag aus und der ist zudem weniger kontaminiert mit gesundheitsgefährdenden Keimen.

Bedenkt man dann, dass wir beim Schwimmen zwischen 30 (Nichtschwimmer, solange Sie nicht wirklich untergehen) und 50ml Wasser schlucken, ist das keine schöne Vorstellung. Plantschende Kinder dürften sogar noch deutlich mehr Wasser schlucken. Hinzu kommt dass Die Kinder zumeist in Ufernähe spielen, wo sich eben auch die Wasservögel aufhalten, so dass die Konzentration der Belastung erwartungsgemäß höher sein wird.

 

Badedermatitis durch Würmer im Wasser

Hierzulande vorkommende Zerkarien (­Larvenform der zu den Saugwürmern, Trematoden, zählenden Pärchenegel, Schistosoma, S.) kommen zumeist durch Vogelkot ins Wasser und schwimmen mit. Eigentlich befallen sie nur Wasservögel, dennoch irren sie sich manchmal und bohren sich in die Haut von Menschen. Zwar können sie in diesem „Fehlwirt“ nicht reifen, eine Hautreizung verursachen sie aber meist dennoch. Bei Erstbefall findet man etwa 2mm große gerötete, leicht juckende Flecken. Bei wiederholtem Kontakt wird es jedoch heftiger. Es entstehen größere, mitunter stark juckende Quaddeln, die bekannte Badedermatitis.

Als Tipps zur Vermeidung des Kontakts werden genannt:

  • Meiden Sie flache und wasserpflanzenreiche Uferzonen
  • Trocknen Sie sich direkt nach dem Baden kräftig mit einem Handtuch ab
  • Wechseln Sie nach dem Bad zügig die Badebekleidung
  • Vermeiden Sie, die juckenden Stellen aufzukratzen, um Sekundärinfektionen vorzubeugen
  • Suchen Sie kühlere, tiefere, leicht strömende Bereiche anstelle (wärmerer) Uferzonen auf

Hierzulande ist eine Infektion zwar unangenehm, letztendlich jedoch eher harmlos, ganz anders kann es sich bei Infektionen aufgrund Schistosoma-Zerkarien in anderen Ländern verhalten, die Blasenbilharziose sei nur als Beispiel erwähnt.

 

Blutegel

Die größeren Brüder, die zumindest dem Namen nach deutlich bekannteren Blutegel (Hirudo medicinalis), spielen heutzutage kaum noch eine Rolle, da diese nur noch sehr vereinzelt in den heute zum Baden genutzten Gewässern anzutreffen sind. Wer jedoch meint, in verzweigten Flussläufen oder in Tropengebieten baden zu wollen, kann durchaus zu einem ungeplanten Aderlass gebeten werden. In der Regel fällt der Egel nach etwa 20 min von selbst „vollgetankt“ ab. Wem das zu gruselig ist, kann den Egel auch selbst entfernen, dabei ist die folgende Technik empfehlenswert, da ansonsten lange blutende Wunden aufgrund des injizierten, heparinartigen Blutverdünnungsmittels Hirudin  entstehen können oder der Sauger in der Wunde verbleibt, was zu Entzündungsreaktionen führen kann.

Dazu zunächst den Kopf identifizieren (der schmalere Teil des Blutegels, wo sich der Sauger befindet und sich der Egel an der Haut festsetzt). Dann einen Fingernagel unter den Sauger platzieren (nicht versuchen, den ganzen Egel anzuheben, da es zu Hautverletzungen führen kann), indem mit der anderen Hand die Haut um den Sauger herum vorsichtig straff gehalten wird. Dann den Fingernagel in Kopfnähe von der Seite her unter den Sauger schieben. Da sich der Egel quasi im Blutrausch befindet und sich sofort wieder festsaugen möchte, sollte er nun schnell mit den anderen Fingern weggehoben oder gleich weggeschnippt werden.
Sollte eine einfache Entfernung nicht möglich sein, ist es zumeist besser, ihn von selbst abfallen zu lassen. Ist jedoch z.B. die Atmung aufgrund es anschwellenden Tieres gefährdet kann der Egel im Notfall z.B. mit einer Nadel angestochen werden.
Bitte benutzen Sie keine Hausmittelchen, wie Salz aufstreuen oder mit Alkohol begießen, da der Egel Magen- oder Darminhalt vor Schreck in die Wunde erbrechen könnte, welche mit Keimen belastet sein können, u.a. auch die folgenden EHEC.

 

EHEC in heimischen Gewässern

Enterohämorrhagische E. coli-Bakterien (EHEC) gelangen über den Kot von Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege etc.) und folgender Abschwemmung biologisch gedüngter Felder ins Badewasser. Sie haben mehrere Besonderheiten, die ihre pathogene Potenz erhöhen. Eine Infektion äußert sich zumeist durch wässrigen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Jedoch können die Symptome auch heftiger ausfallen. In schweren Fällen kann es vor allem bei Kindern zum hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), kommen, es äußert sich durch hämolytische Anämie, Thrombozytopenie und akutem Nierenversagen.

Falls Sie aufgrund der Symptome eine Stuhlfloratestung vornehmen wollen, achten Sie bitte, um diesem Keim auf die Schliche kommen zu können, darauf, dass die E. Coli Fraktion differenziert ausgewiesen wird, da ansonsten keine Unterscheidung zu physiologisch wichtigen E. Coli möglich ist. Weitere Informationen zu dem physiologischen Mikrobiom des Darms und zur Therapie von Darmstörungen finden Sie in unserem Blogartikel zur Darmgesundheit.

 

Leptospirose

Leptospiren sind stark bewegliche spiralförmige Bakterien. Sie werden von Tieren (insbesondere Nagetieren aber auch Hunden) auf uns übertragen (Zoonose). Das Tier scheidet die Erreger über den Urin aus, die im Wasser über teilweise Monate infektiös bleiben. Sie gelangen über kleine Hautverletzungen oder über die Schleimhäute in den ­Körper. Infektionen sind meldepflichtig und glücklicherweise sehr selten (gem. RKI 100 Fälle in 2015). Für Hunde gibt es eine Impfung (muss regelmäßig aufgefrischt werden).
Wir haben dieser Infektion bereits einen eigenen Artikel mit Bezug auf Hunde gewidmet: Leptospirose

 

Legionellen / Legionärskrankheit

Legionellen kommen in geringer Zahl ganz natürlich in Oberflächengewässern vor. Für die starke und kritische Vermehrung brauchen sie Wassertemperaturen zwischen 25 und 45°C. Sie gelangen über eingeatmete Aerosole in den menschlichen Körper. Bedingungen, wie sie eher im häuslichen Bereich unter der Dusche oder in Saunen sowie beheizten Schwimmbädern zu finden sind. Daher besteht in Schwimmbädern und bei Betreibern größerer Wassersysteme die Pflicht zur regelmäßigen Überprüfung. Die Legionellen vermehren sich in Makrophagen in der Lunge.

Das Risiko einer Infektion hängt zudem ab von der Legionellen-Art (zumeist ist Legionella pneumophila für Infektionen verantwortlich), der persönlichen Anfälligkeit sowie dem Vorhandensein von Amöben.

Die Legionellose kann ohne das Auftreten von Symptomen verlaufen oder aber mit heftigeren Symptomen bis hin zur Pneumonie. Unterschieden werden zwei Krankheitsbilder: die Legionärskrankheit, eine schwere, atypisch verlaufende Lungenentzündung mit hoher Letalität (Legionellen-Pneumonie), und das Pontiac-Fieber, das deutlich leichter und ohne Lungenentzündung abläuft.

 

Nun wollen wir Ihnen den Badespaß nicht weiter verderben. Im Gengenteil, wir möchten nur potentielle Probleme aufzeigen und Ihnen ans Herz legen, aufmerksam möglichst in überwachten Gewässern zu baden (als Nichtschwimmer auch nur unter Rettungsschwimmeraufsicht). Und vergessen Sie nicht, sich vor einer Urlaubsreise über Gefahren am Urlausort (z.B. giftige Tiere) zu informieren. Lassen Sie den gesunden Menschenverstand nicht am Ufer zurück, dann steht einem planschfreudigen Sommer nichts mehr im Weg.

Schauen Sie im Internet einmal nach Ihrem bevorzugten Badeparadies: Karte.

 

Heute in Hannover: Drei Naturbäder gesperrt

Gerade haben wir den Artikel fertig geschrieben, da finden wir in der heutigen HAZ (14.06.2017) einen Artikel im Hannover-Lokalteil: „Probleme mit Wasser in Naturbädern“. Aktuell sind drei Bäder für das Schwimmen gesperrt. Dauer-Problemfall Naturbad Hainholz (zu kleine Wasseraufbereitungsanlage) ist wohl aufgrund von Vogelkot und toten Tiren verunreinigt, Im Wasserpark Wennigsen wurden die Kolibakteriengrenzwerte überschritten und auch der Badeteich des Aqualaatzium hat nach dem Ausfall einer Pumpe die Grenzwerte (es wurde nicht mitgeteilt, um welche Werte es sich handelt) überschritten. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig Probleme für Seen, da die Grenzwerte für Naturbäder deutlich höher liegen als die für Seen (500 Bakterien auf 100ml sind z.B. beim Maschsee noch gute Qualität, wohingegen bereits 100 Bakterien im Naturbad die Obergrenze sind).
Es zeigt sich, dass die regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität tatsächlich sinnvoll ist und dass Grenzwerte auch immer mal wieder überschritten werden. Nutzen Sie die Informationsquellen im Web und stellen Sie Ihre Badeplätze auf den Prüfstand.

Sprechen Sie uns gern zum Thema Sonnenbaden, Schwimmen, Allergien, Insektenstiche etc. an, wir beraten Sie gern und helfen, die sonnige Zeit des Jahres richtig genießen zu können.

 

Quellen: