Blei – ein unterschätztes Umweltgift?

Blei ist ein Metall, genauer gesagt ist es ein giftiges Schwermetall, das in der Erdkruste im Verhältnis zu anderen Schwermetallen relativ häufig vorkommt. Das Elementsymbol von Blei lautet Pb und hat die Ordnungszahl 82 in der 4. Hauptgruppe der Schwermetalle des Periodensystems. Der Name stammt vermutlich vom lateinischen Wort Plumbum ab, könnte jedoch auch mit dem indogermanischen ‚bhlei‘ (und Stamm für das Wort Blech) verwandt sein, was soviel wie „schimmern“ oder „glänzen“ bedeutet.

Blei ist recht leicht verformbar (somit als Metall einfach zu bearbeiten) und hat sowohl einen niedrigen Schmelzpunkt, als auch eine hohe Wärmeaufnahmekapazität. Daraus resultiert eine niedrige spezifische Verdampfungsenthalpie, was auch die Tradition des Bleigießens zum Jahreswechsel überhaupt ermöglicht sowie den Einsatz von Blei als Verbundwerkstoff beim Löten.

Ein alter Werkstoff

Wahrscheinlich aufgrund der relativ einfachen Verarbeitung wurde Blei schon etwa 6500 v.Chr. verwendet. In der Bronzezeit wurde es mit Kupfer in Legierungen verwendet. Die Römer bauten Blei nachweislich in großen Mengen ab und benutzten es u.a. zum Bau von Wasserleitungen, Gefäßen, Schleudergeschossen und Plomben (das stammt vom lateinische Name Plumbum).

Dass Blei aber auch zu irreversiblen Schäden durch Vergiftungen beiträgt, ist seit gut 2000 Jahren bekannt. Aus der Zeit der Römer liest man über Symptome von Bleivergiftungen, die allerdings noch nicht assoziiert werden konnten. In den archäologisch untersuchten Gebeinen fanden sich entsprechende Bleibelastungen.

Eine akute oder chronische Bleivergiftung (auch als Saturnismus bezeichnet – PS: das alchemistische Symbol für Blei ist die stilisierte Sichel, die für den Gott sowie den Planeten Saturn steht) entsteht durch die übermäßige Aufnahme von metallischem Blei oder Bleiverbindungen

Einige Beispiele von Bleivergiftungen aufgrund von Unwissenheit um seine Giftigkeit:

  • Ganz schlimm stand es um die Arbeiter in den Bleiminen (auch heute noch eine Risikogruppe)
  • Die Römer bauten Wasserleitungen und Gefäße, was zu erhöhten Bleikonzentrationen in Nahrung und Trinkwasser führte.
    • Wasserleitungen: Seit Dezember 2013 ist es in Deutschland Vorschrift, alte Bleirohre durch neuere, unbedenklichere Materialien sanierend ersetzt zu haben. Zwar war das alte Blei in den Rohren durch Bildung einer Oxyd- und Calciumschlammschicht relativ reaktionsarm, jedoch wurde durch die Teilsanierung mit angrenzenden Kupferverrohrungen ein galvanisches Element erzeugt, wobei das unedlere Blei ständig in kleinen Mengen in Lösung gebracht und damit verfügbar wurde. Mehr dazu folgt weiter unten.
  • Gefäße aus Blei bzw. mit keramischen Glasuren mit Bleipigmenten: Bei Getränken mit saurem Milieu wie z.B. Fruchtsäften oder Wein können Blei-Ionen aus dem Gefäß herausgelöst werden und zur Anreicherung im Körper führen. Dies wurde nach neuzeitlichen Haaranalysen z.B. dem bekannten Komponisten Ludwig van Beethoven zum Verhängnis, der nicht nur seinen Wein gern aus Kristallgläsern trank, sondern diesem, wie damals üblich, auch noch mit Bleisalzen gesüßt hatte. Umso fataler war die leberbelastende Bleizufur in Verbindung mit dem Alkohol, was schließlich zu einer Leberzirrhose führte (vermutet wird hier auch eine Beteiligung von Hepatitis Viren).
  • Wie eben angedeutet, wurde Bleiacetat eine Zeitlang aufgrund seines süßlichen Geschmacks zum Süßen von Wein verwendet, aus heutiger Sicht ein fataler Fehler.
  • Maler, die Bleifarben verwendeten, zeigten Symptome
  • Seit den 1920ern wurde Tetraethylblei dem Benzin zugesetzt, als sog. Antiklopfmittel zur Leistungssteigerung. Ab den 70ern stieg die Produktionsmenge nochmals. Die Kontamination der Atmosphäre lässt sich heutzutage in Eisbohrkernen aus der Arktis nachweisen. In diesen Bohrungen lässt sich auch belegen, dass schon vor 2000 Jahren Blei in die Atmosphäre gelangte. Zwar ist das Blei mittlerweile aus den Treibstoffen verbannt, allerdings gibt es auch hier durch die Einführung des Katalysators Belastungen durch die Freisetzung von Platin in Form von hochtoxischen und krebserregenden organisch gebundenen Platinverbindungen (Cis-Platin oder Carboplatin). Diese Stoffe werden zum Teil auch in der Chemotherapie eingesetzt. Ggf. ist dies als Bestandteil von Feinstaub in der Atemluft mitverantwortlich an der steigenden Zahl von Lungenkrebsfällen.

Welche Beschwerden und Symptome weisen auf eine Bleivergiftung hin?

Hier zitieren wir die Giftinformationszentrale Erfurt

Akute Bleivergiftungen (Bleispiegel 1000 µg/l Vollblut) gehen mit Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und heftigen krampfartigen Bauchschmerzen („Bleikolik“), psychischen Störungen (Schlaflosigkeit, Apathie, aggressives oder antriebsloses Verhalten) und motorischen Ausfallerscheinungen (Lähmungen im Bereich der Arme und Beine) einher. Bei der akuten Vergiftung kann es zu einer toxischen Hirnschädigung (Bleienzephalopathie) kommen.
Chronische Bleivergiftungen (Saturnismus), die bereits durch die tägliche Aufnahme von 1000 µg (= 1 mg = 0,001 g) ausgelöst werden, machen sich oft schleichend und unspezifisch mit Schwäche, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Magenschmerzen bemerkbar. Häufig besteht dann schon eine Anämie. Das Zahnfleisch kann grauschwärzlich verfärbt sein („Bleisaum“). Bei plötzlicher Freisetzung größerer Mengen des gespeicherten Bleis aus dem Knochen (Stress, Stoffwechselstörungen, Infekte) kommt es zu Symptomen wie bei der akuten Vergiftung („Bleikrise“). Zu Unterscheiden gilt es hier (nicht minder bedenkliche) Verfärbungen durch Quecksilber aus Amalgamfüllungen.
Quelle: https://www.ggiz-erfurt.de/aktuelles-detail/bleivergiftung.html

Übrigens haben wir auf unserer Website eine Liste der deutschen Giftinformationszentren zusammengestellt, damit Sie im Notfall das für Sie zuständige direkt kontaktieren können: http://www.flora-pharm.de/vergiftung.htm

Wo wird Blei heutzutage verwendet?

Blei kommt in vielen Bereichen unseres Alltags zum Einsatz. Hier nur ein paar ausgewählte Beispiele:

  • Über die Hälfte des Weltbedarfs wird in Akkumulatoren (Akkus) verarbeitet.
  • Noch immer fahren nicht alle Autos „bleifrei“.
  • Im Bereich der Strahlenabschirmung (z.B. auch als „Bleiweste“ beim Arzt oder Zahnarzt) spielt das Schwermetall zudem eine wichtige Rolle. Aufgrund des abschirmenden Effektes wird das Bleiglas auch in Röhrenmonitoren eingesetzt. Zudem fand Bleiglas aufgrund des hohen Brechungsindexes, also eines optischen Effekts, seinen Weg in das sog. Bleikristall. Durch seine hohe Dichte wurde und wird es gern als Gewicht eingesetzt. So finden sich beispielsweise in alten Gardinenkanten Bleiketten zur Beschwerung. Bei Gardienen, die sich direkt vor Heizkörpern befinden, entsteht somit vermehrt eine Bleibelastung in der Zimmerluft durch den Abrieb, der sich durch die Heizungsaktivität noch besser in der Raumluft verteilt. Ebenso stellt es ein Risiko für damit spielende Kinder dar. Aber auch Fischer haben ihre Haken damit beschwert, weil es sich einfach um den Haken mit einer Zange formen ließ.
  • Viele Kugeln (Munition) für Gewehre und Pistolen bestehen auch heute noch aus Blei. Jäger können sich damit ihr geschossenes Wild und den folgenden Festbraten durchaus mit Blei kontaminieren. Daher sollte penibel darauf geachtet werden, dass das geschossene Geflügel oder Wild vor der Zubereitung von Schrotresten befreit wurde.
  • Leider werden vereinzelt Bleifarben in Billigstproduktionen von Spielzeugen nachgewiesen.
  • Blei befindet sich auch, genau so wie giftiges Arsen, in Schiffsanstrichlacken zum Schutz vor Algenbesatz und Korrosion und belastet somit die Meere und die darin lebenden Organismen, an deren Spitze der Nahrungskette wiederum der Mensch steht.
  • Blei kommt ob seiner günstigen Eigenschaften und der relativ einfachen Verarbeitbarkeit in vielen Legierungen wie z.B. auch in Lot, Zinn, Messing und Rotguss vor.
  • Eine häufige Verwendung war in Lettern für den klassischen Buchdruck, Schriftsetzer setzten die einzelnen Blei-Buchstaben zu Texten zusammen. So wies einer unserer Patienten mit Prostata-Karzinom immens hohe Bleibelastungen auf, die anamnestisch lediglich auf seinen Beruf als Drucker vor mehr als 25 Jahren zurückzuführen waren. Hier war die moderne Computertechnik somit gesundheitsrettend, auch wenn sie dabei gleich den ganzen Beruf ersetzt hat. Es wird versucht, Blei in immer mehr Legierungen (soweit es möglich ist) durch andere Elemente zu ersetzen. Wer viel mit Lötzinn in Berührung kommt, sollte auf gute Absaugung und Schutzmaßnahmen achten, denn wie weiter unten dargelegt wird, ist eine Belastung über die Atemluft deutlich größer als über die Nahrung.
  • Allerorts wird versucht („animiert“ durch immer schärfere Grenzwerte / s.u.), den Bleigehalt zu reduzieren oder ganz zu ersetzen. Prominentes Beispiel ist unser Benzin, dass als bleifreie Variante durchgesetzt wurde.
  • #Sidefact: Der gute alte Bleistift trägt zwar „Blei“ in seinem Namen, nicht aber in seiner Miene. Die ist aus Graphit, das früher irrtümlich für das Bleierz Galenit (Bleiglanz) gehalten wurde.

Grenzwerte – werden weiter angepasst

Normalerweise werden aus der Umwelt mit der Atemluft und mit der Nahrung vom Erwachsenen täglich etwa 200 µg (= 0,2 mg = 0,0002 g) Blei aufgenommen. Diese Menge kann ein gesunder Körper auch täglich wieder ausscheiden. Über die Lunge (bis 70 % als Aerosole) gelangt mehr Blei bis in die Blutbahn als über den Magen-Darm-Trakt. Das erklärt u.a. die hohe Gefährdung der bleiabbauenden Minenarbeiter. Blei interferiert im Körper mit zahlreichen Proteinen und stört sie in ihren physiologischen Prozessen. Besonders anfällig sind sogenannte Metalloenzyme, die ein Ca2+– oder Zn2+-Ion in ihrem aktiven Zentrum tragen, das durch das ebenfalls zweiwertige Pb2+-Ion ersetzt werden kann. Diese Ähnlichkeit der Ionen führt auch dazu, dass Blei die Blut-Hirn-Schranke durch aktiven Transport mittels Calcium-ATPase-Transportern überwinden kann. Blei-Exposition führt im Körper ebenfalls zu oxidativem Stress durch die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS). Diese Sauerstoffradikale sind in der Lage, die DANN zu schädigen.Blei inaktiviert antioxidativ wirkende Enzyme wie die Superoxiddismutase (SOD) und Katalase (CAT) und senkt die Glutathion-Konzentration. Daher bessert eine Substitution dieser orthomolekularen radikalfangenden Wirkstoffe bei einer bestehenden Belastung meist die Symptomatik. Die internationale Agentur für Krebsforschung stuft anorganische Blei-Verbindungen als wahrscheinlich karzinogen ein.

Im Laufe der Zeit entwickelte man aus der Verknüpfung von festgestellten Symptomen mit der Bleiverwendung Grenzwerte. Solche Grenzwerte unterliegen aber auch durchaus dem Wandel des Wissenstandes, erkennbar am Beispiel Trinkwasser:

Der Grenzwert für Blei im Trinkwasser wurde vom Verordnungsgeber in den letzten Jahrzehnten mehrfach herabgesetzt. Ende der Neunzehnhundertneunziger Jahre betrug er noch 0,040 mg/l und wurde dann auf 0,025 mg/l herabgesenkt. Ab dem 1. Dezember 2013 dürfen dann laut Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) 0,010 mg/l nicht überschritten werden. Ziel ist es dabei, die Verbraucherinnen und Verbraucher – und darunter gerade die jüngsten – besser vor einer gesundheitsschädlichen Aufnahme von Blei aus dem Trinkwasser zu schützen. Der ab 1. Dezember 2013 geltende Grenzwert ist in Trinkwasser, das durch Bleirohre geflossen ist, in der Regel nicht einzuhalten. Trinkwasser, das lange in diesen Leitungen stand, wird den neuen Grenzwert sogar um ein Vielfaches überschreiten.
Der Verordnungsgeber räumte den Gebäudeeigentümern und Wasserversorgern eine Übergangszeit bis zum 30. November 2013 ein. Bis dahin sollten eventuell noch vorhandene Bleirohre gegen Rohre aus besser geeignetem Material ausgetauscht werden. Zum vollständigen Austausch der Bleirohre gibt es keine Alternative.
Quelle: Flyer „Trinkwasser wird bleifrei”, Umweltbundesamt, November 2013, https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/flyer_blei_druck.pdf

Wie die DAZ (2018, Nr. 23, S. 52, 07.06.2018) berichtet, gibt es neue Zahlen auf Basis einer Studie aus den USA:

Bis vor Kurzem wurde angenommen, dass eine Blei-Konzentration von < 5 µg/dl im Blut keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Eine neuere Studie aus den USA, die in „The Lancet Public Health“ veröffentlicht wurde, kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass auch niedrigere Konzentrationen einen Risikofaktor darstellen, besonders für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die untersuchte Population setzte sich aus Teilnehmern des Third National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES-III) zusammen, deren Blut im Mittel eine Blei-Konzentration von 2,71 µg/dl aufwies. Beim Vergleich des zehnten Perzentils (1,0 µg/dl) mit dem 90. Perzentil (6,7 µg/dl) konnten eine um 37% erhöhte Gesamtsterblichkeit und eine um 70% erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit festgestellt werden. Außerdem wurde eine um etwa 50% erhöhte Sterblichkeit durch koronare Herzerkrankungen beobachtet. Die Analyse von Individuen mit Konzentrationen unterhalb von 5 µg/dl ergab eine vergleichbare Tendenz. Daraus berechneten die Autoren, dass Blei für den Tod von etwa 400.000 Amerikanern jährlich verantwortlich ist. Das ist eine zehnfache Steigerung gegenüber den bisherigen Annahmen. Weiterhin konnte in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie gezeigt werden, dass eine Chelattherapie in Kombination mit einem Multivitaminpräparat das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen bei Herzinfarktpatienten um 18% senkte. Bei Diabetespatienten wurde das Risiko sogar um 34% reduziert. Aufgrund des ubiquitären Vorkommens von Blei wurden diese Zusammenhänge bisher größtenteils übersehen. Eine risikolose Blei-Konzentration im Blut scheint es nicht zu geben. Ähnliche Untersuchungen für Deutschland könnten beispielsweise im Rahmen der bundesweiten NAKO-Gesundheitsstudie angestellt werden. In dieser Langzeit-Bevölkerungsstudie, die über 20 bis 30 Jahre läuft, soll geklärt werden, welche Faktoren (Umwelt, Ernährung, Genetik) dazu führen, dass jemand an Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Infektionskrankheiten und Herzinfarkt erkrankt oder eben nicht.

Schwermetallausleitung / Chelat-Therapie

Im Falle einer Bleivergiftung gilt es als ersten Schritt die Quelle auszumachen und zu eliminieren, so dass keine weitere Belastung entstehen kann. Gleichzeitig sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Auch die Giftinformationszentralen helfen weiter. In aller Regel folgt dann eine sog. Chelat-Therapie, dabei beschleunigen die Chelatbildner die natürliche Ausscheidung, indem sie (Achtung: Chemie) zweiwertige Ionen komplexieren. Solche Komplexbildner sind z.B. Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA), Dimercaptobernsteinsäure (DMSA) oder Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS). Der Begriff Chelator kommt aus dem Griechischen und bedeutet Krebsschere. Die chemische Strukturformel sieht tatsächlich wie eine Schere aus, die um das Blei-Ion schnappt und mit diesem einen Komplex bildet, der dann vom Körper einfach ausgeschieden werden kann.
Bitte lesen Sie auch Schwermetalle binden und ausleiten sowie weitere Artikel zum Thema Entgiftung hier im Blog.
Chelatbildner haben aber auch Grenzen, so sind sie nicht in der Lage, organische Blei-Verbindungen zu binden. Hier können jedoch unterstützende Maßnahmen getroffen werden, um die Ausscheidung über den Urin zu erhöhen.
Zudem können weitere Maßnahmen notwendig werden.

Orthomolekulare Unterstützung der Chelat-Therapie

Leider werden im Rahmen dieser Therapie mit den Schwermetallen auch vermehrt Mikronährstoffe komplexiert und ausgeschieden, was u.a. zur Störung des Calcium-Stoffwechsels führen kann. Es wird eine Supplementierung (zusätzliche Gabe) dieser Stoffe empfohlen, insbesondere mit den besser körperverfügbaren Aspartat- oder Orotat Salzverbindungen der Mineralien, die auch gegenüber den Schwermetallchelatbildnern eine höhere Stabilität besitzen. Lesen Sie dazu auch gern unsere Artikel „Mineralstoffmangel vorbeugen“ oder „Mikronährstoffe, Nahrung & Entwicklung des Gehirns bei Heranwachsenden“ sowie weitere aus der Kategorie Orthomolekulare Medizin.
Auch Antioxidantien wie Thiamin (B1, besonders bei neurologischen Symptomen), Vitamin C, R-Liponsäure und Vitamin E in Verbindung mit Selen unterstützen die Behandlung, u.a. durch Abfangen der schwermetallbedingten Radikale im Gewebe oder durch Förderung der Entgiftungsschritte. Vitamine der B-Gruppe können die neurologischen Schäden durch Blei ebenfalls begrenzen bzw. zur Regeneration beitragen. N-Acetylcystein und N-Acetylcysteinamid wirken sowohl als Chelatbildner als auch als Antioxidans. Einige pflanzliche Extrakte, etwa Knoblauch und Koriander, helfen auch, die Blei-Konzentration im Blut zu senken.

Fazit

Blei begegnet uns überall, es ist ubiquitär. Bedingt durch seine Häufigkeit und die relativ einfache Verarbeitung, war und ist es ein günstiger Rohstoff, was ihn für die Industrie interessant macht. Doch mit der Erweiterung unseres Wissens um die Gefahren, werden Grenzwerte neu hinterfragt und angepasst. Teilweise sicherlich langsamer als notwendig, aber immerhin.

Blei verschwindet somit aus immer mehr Verwendungen und es ist wünschenswert, dass dieser Trend weitergeht.

Es lohnt sich auf jeden Fall, mal einen aufmerksamen Blick durch den eigenen Haushalt schweifen zu lassen. Spielt ein Kind z.B. mit einer Blei-Gewicht-Kette aus einer alten Gardine, haben Sie Billigstspielzeuge aus Sonstwo erworben, gibt es altes Geschirr oder Bleikristall in der Küche, dessen Glasur evtl. noch bleibelastet sein könnte, fragen Sie in alten Häusern Ihren Vermieter bezüglich Bleileitungen etc.

Beachten Sie in der Handhabung möglicherweise bleihaltiger Substanzen die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen in der Handhabung.

Übrigens rufen wir Sie auf, Batterien und alte Akkus im speziellen Sondermüll zu entsorgen und nicht (!) über den Hausmüll, damit nicht noch mehr Blei in die Umwelt gerät. Auch wir in der Apotheke so wie jede Stelle, die mit Batterien handelt, haben einen Sammel-/Recyclingbehälter für diese Altlasten (in haushaltsüblichen Mengen) bereitgestellt, um Ihnen die fachgerechte Entsorgung zu erleichtern.

Vorsicht ja, Panik nein!
Hier schließt sich der Kreis, indem wir zurückkommen auf den in der Einleitung erwähnten, guten alten Silvesterbrauch des Bleigießens. Dieser muss jetzt aber trotz allem nicht weichen. Die Giftinformationszentrale Nord hat sich in der Kategorie „Gift der Woche“ am 16.01.2017 folgendermaßen zum Bleigießen geäußert:

Bleigießen erfreut sich zum Jahreswechsel stetiger Beliebtheit. Die unterschiedlichen Bleigießen-Sets haben jedoch verschiedene Zusammensetzungen. Eines ist diesen allen doch gemein: Der relativ hohe Bleianteil von circa 70 – 90%. Kinder kommen gelegentlich an diese Sets oder an die Figuren, die damit gegossen werden. Solange die Kinder diese nur ablutschen oder anfassen, stellt dieses bei abgekühlten Formen kein Problem dar. Sofern Anteile davon dennoch gegessen werden, sollte ein Giftinformationszentrum zu Rate gezogen werden.
Quelle: www.giz-nord.de/cms/index.php/gift-der-woche/801-bleigiessen.html

Durch strengere EU-Vorgaben wurden jedoch viele Bleigießsets durch bleifreie Varianten ersetzt, achten Sie jedoch darauf, die Dämpfe nicht einzuatmen, da teilweise ebenso bedenkliches (wenn eingeatmetes) Aluminium eingesetzt wird.
Sprechen Sie uns für Fragen an, wir beraten Sie gern. Insbesondere helfen wir Ihnen gern bei der Zusammenstellung einer auf Ihre biochemisch-individuelle Situation abgestimmten Nahrungsergänzung. Auch in Abstimmung mit Ihrem Therapeuten.