Immunsystem, es beginnt in Mutters Schwangerschaft

Nach überraschend vielen Rückmeldungen zu unserem Artikel „Natürliche Babypflege“ möchten wir zum Thema Baby noch einen Beitrag nachlegen und beleuchten hier nun das Neonatale Immunsystem.

Unser Immunsystem hat einen ganz einfachen Sinn, es soll ungefährliche Stoffe in den Körper lassen, (potentiell) gefährliche (z.B. Viren, Bakterien, Allergene) dagegen ausfiltern und den Körper schützen.

 

Ein Teil des Immunsystems ist angeboren (z.B. Magensäure, Haut, Schleimhäute, Härchen oder auch ausleitende Reflexe wie Niesen oder Husten etc.). Der Körper stellt unspezifische Allzweckwaffen für Abwehraufgaben (und im weiteren Lebensverlauf auch für die Abwehr von unbekannten Erstinfektionen) zur Verfügung, die neutrophilen Granulozyten und Monozyten.

Dendritischen Zellen zählen ebenfalls zu den Makrophagen und wandern als unreife Zellen aus dem Blut in das Gewebe ein, wo Sie sich  beispielsweise in der Haut fein verästelt als Langerhans-Zellen und mit ihren Fortsätzen netzartig einflechten. Erfolgt dort eine Aktivierung durch Infektionserreger, fressen (pinozytieren) sie eingedrungene Erregeranteile und wandern mit dem Lymphstrom in die umgebenen Lymphknoten, um sie dort den T-Lymphozyten zu präsentieren, damit das Immunsystem weitere Schritte dagegen einleiten kann.

Zusätzlich werden durch das angeborene Komplementsystem Krankheitserreger auch humoral mittels Proteasen erkennbar gemacht (opsonisiert), um sie für die Zerstörung durch Phagozyten zu markieren und auf diese Art und Weise das Immunsystem zu unterstützen, bzw. zu „komplementieren“.

Monozyten sind stets im Blut vorhanden und werden bei Entzündung zu phagozytierenden Makrophagen umgewandelt, die ins Gewebe einwandern. Ins Gewebe eingewanderte Makrophagen bezeichnet man auch als Schaumzellen. Dieser Teil des Immunsystems ist  stark von einem guten Vitamin D-Status abhängig. Ein Mangel wirkt sich rasch durch eine verringerte Sofortabwehr sowie Infektanfälligkeit aus. Auch der so notwendige Eisenspiegel kann unter reduziertem Vitamin D Spiegel weder bei Mutter noch beim Kind ausreichend aufgebaut werden.
(Vgl. auch „Neues von Vitamin D: Mangel führt zu verminderter Eisenresorption“ sowie „Eine neue Studie belegt den Zusammenhang zwischen Vitamin D Status der Mutter und der Muskelkraft des Babys“)

 

 

Der andere Teil ist das adaptive Immunsystem. Zwar ist auch hier die Grundstruktur angeboren (die weißen Blutkörper, die Lymphozyten, das Lymphsystem etc. sind bereits vorhanden. Ebenso die Organe wie z.B. Milz, die spezielle Aufgaben in der Abwehr von Eindringlingen übernehmen), aber es muss trainiert und spezialisiert werden. Abhängig vom Eindringling werden verschiedene Zellen aktiv: Die T-Zelle ist der Wächter, die B-Zelle bildet spezifische Antikörper, die Makrophage frisst Eindringlinge auf. Jeder Neukontakt wird vom Immunsystem „gespeichert“, diese wachsende Erfahrung macht die Abwehr bei erneutem Kontakt schneller und effektiver.
Mehr dazu finden Sie in unserem Allergie Artikel.

 

Ist der Fetus im Mutterleib (prenatale Phase) zumeist keinen Pathogenen (gefährlichen Stoffen) ausgesetzt und hoffentlich bestens von der Mutter versorgt (insbesondere Mangelernährung von Zink, Vitamin A und Vitamin D sollte vermieden werden), so beginnt mit der Geburt die Phase mit dem wohl höchsten Infektionsrisiko des Lebens, da die Effektivität der Immunantwort eben erst noch antrainiert werden muss und die Immuntoleranz entsprechend hoch ist. Ein gutes Beispiel sind die typischen Kinderkrankheiten, die nach einmaliger Infektion i.d.R. nicht mehr wiederkehren.

Das Neugeborene wird aber nicht völlig hilflos den Viren und Bakterien zum Fraß vorgeworfen. Die erste Muttermilch, das Colostrum stimuliert in extremer Form das zelluläre Immunsystem und die Lymphozyten, die dem Neugeborenen quasi als Welpenschutz von der Mutter mitgegeben wurden. Dennoch sorgt das Colostrum dafür, dass es zu keinem Überschießen der Abwehrfunktion bei Kontakt mit neuen Stoffen kommt; maßgeblich ist hierfür der Bestandteil Lactoferrin verantwortlich (Vgl. „Lactoferrin – ein Protein aus der Muttermilch als Waffe gegen Bakterien“).

Auch notwendige Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Immunglobuline bekommt das Neugeborene mit der Muttermilch zugeführt.

Der Fetus hat trotz aller Behütetheit bereits einen Kampf hinter sich, denn das Erbgut und die erste Immunstimulanz stammt zu je 50% von Mutter bzw. Vater, ist also teilweise fremd und löst Reaktionen aus. Im Körper der Mutter schützen sich Fetus und Plazenta mit ausgefeilten Tricks gegen Angriffe des mütterlichen Immunsystems.Die Plazenta exprimiert, um einem Angriff des mütterlichen Immunsystems zu entgehen, NK-Zell-hemmende Rezeptorproteine p58 und p70 im Übermaß. Zum weiteren Schutz vor mütterlichen T-Zell-Angriffen finden sich auch erhöhte Spiegel des Enzyms IDO (Indolamin-2,3-dioxygenase) in der Plazenta, welches die Aminosäure Tryptophan abbaut, die wiederum für die Proliferation der T-Zellen notwendig ist.

Da Tryptophan außerdem Ausgangssubstanz für die Serotonin-Synthese ist, erscheint in diesem Zusammenhang eine immunsuppressiv induzierte Schwangerschaftsdepression in einem ganz anderen Licht.

 

Beim Thema Muttermilch wird auch deutlich, welchen Einfluss und welche Wichtigkeit die Gesundheit der Mutter auch nach der Geburt (neonatale Phase) auf die Entwicklung des Kindes hat. Schwangere und frische Mütter sollten unbedingt auf einen gesunden Lebensstil und ausgewogene sowie nährstoffreiche Ernährung achten, da alle maternalen Faktoren gewaltigen Einfluss auf das fetale und neonatale Immunsystem haben sowie potenzielle Langzeitrisiken bewirken können. Ansonsten wird auch hier durch den langsam entstehenden Nährstoffmangel eine generelle Schwäche bzw. Depressionsneigung immer wahrscheinlicher, zumal sich der gesamte Rhythmus der Mutter auf das Kind umzustellen hat.

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Rauchen, Alkohol und Drogen sind während der Schwangerschaft und Stillzeit absolutes Tabu – und sollten es auch sonst sein, ganz besonders, wenn Kinder ins Leben treten. Und wenn Sie schon für Ihr ungeborenes Kind mit all diesen vermeintlichen Genussfaktoren aufgeräumt haben, ist es auch eine Überlegung wert, Ihr „inneres Kind“ dauerhaft in Zukunft davor zu bewahren…

 

Mit zunehmender Erfahrung nimmt das Infektionsrisiko bis zum „besten Alter“ im Verlauf weiter ab. Mit dem Alter kommen dann neue Herausforderungen auf den Körper zu, die hier aber nicht weiter thematisiert werden sollen.

 

Impfung

Der Grundgedanke einer Impfung ist es, den Körper auf die Produktion von spezifischen Antikörpern vorbereitend anzulernen, so dass im Fall einer Infektion das Immunsystem sofort mit voller Wucht auf die Abwehrbarrikaden gehen kann und eben nicht erst lernen muss, wie es den neuen Feind besiegen kann. Es gibt eine stetig aktualisierte Liste von Impfempfehlungen von der deutschen Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts.

Ein gegensätzlicher Ansatz vertritt die Auffassung, dass durch eine Impfung das Immunsystem in seinem Lernen behindert wird und so nicht ausreichend trainiert ist, um späteren neuen Herausforderungen selbständig entgegenzutreten.

Zu berücksichtigen ist auch die Wirkung, wenn das Immunsystem nach einer Impfung plötzlich zu stark reagiert. Zwar würde durch den gewollten Effekt die entsprechende Erkrankung intensiver bekämpft, dafür reagiert der Körper aber möglicherweise auch bei trivialen oder leichten Infekten mit zu hohem Fieber, zu stark anschwellenden Schleimhäuten etc. Dadurch kann das Auftreten von Mittelohrentzündungen u.U. sogar noch gefördert werden, da durch die anschwellenden Schleimhäute der Abfluss aus dem Ohr erschwert wird und es so zur Flüssigkeitsansammlung und Schwellung des Innenohres kommt.

Hinzu kommt, dass mancher Impfstoff bzw. die mit in der Impfung enthaltenden Zusatzstoffe in ihren Nebenwirkungen oder gar direkt Probleme verursachen können, die den Nutzen der Impfung in Frage stellen bzw. zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen führen können, welche zum Teil erst wesentlich später auftreten und daher nicht mehr mit der Gabe des Impfstoffes in Verbindung gebracht werden.

Kritische Zusatzstoffe sind z.B.  Aluminiumhydroxid (Aluminium), Thiomersal (Quecksilber), Formaldehyd (Formalin). Polymyxin-B.

  • Den toxischen Wirkungen von Aluminium werden Anämie (Transferrinbindung), Osteopathie (Phosphatverdrängung), Enzephalopathie (Gedächtnis- und Sprachstörungen, Antriebslosigkeit und Aggressivität) sowie Parkinson- und Alzheimer-Erkrankung zugeordnet. Außerdem potenziert es Thiomersal, die giftigste Form von Quecksilber und wird vorwiegend im Gehirn abgelagert. Als starkes Oxidationsmittel erhöht es die reaktive Sauerstoffradikalbildung (ROS) und damit die Zell- und Mitochondrienzerstörung insgesamt.
  • Besonderes Augenmerk ruht in letzter Zeit vor allem auf den autoimmunologischen Nebenwirkungen des HPV-Impfstoffes (Geier 2016, Anaya 2015, Geier 2015, Geier 2014): Mit seinem neuen Wirkverstärkersystem AS04 (Aluminiumhydroxyphosphat-Sulfat), ist es hochimmunogen und kann daher ebenso für autoimmunologische Phänoneme prädisponieren. Ebenso gibtes den Verdacht, dass einzelne Antigenbestandteile des Impfstoffs die Blut-Hirn-Schranke überwinden und im Gehirn eine u.U. tödliche Autoimmunvaskulitis (Gefäßentzündung im zentralen Nervensystem) auslösen könnten – eine Untersuchung aus dem Jahr 2012 hält dies für eine mögliche Ursache einzelner Todesfälle, die bei jungen Frauen im zeitlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung aufgetreten sind (Tomljenovic 2012b). Aktuelle Studien finden ein deutlich erhöhtes Risiko für eine der schwersten autoimmunologischen Erkrankungen, den systemischen Lupus erythematodes (Geier 2016, Gatto 2013, Soldevilla 2012). Auch schwere immunologische Augenentzündungen (Uveitis, Papillitis) wurden nach der HPV-Impfung immer wieder beobachtet (Dansingani 2015, Holt 2014).
  • Schwermetalle, wie eben auch Quecksilber, binden sich hauptsächlich an SH-, NH2- und OH-Gruppen im Körper und können somit leicht Autoimmunreaktionen auslösen, wie z.B. Multiple Sklerose (MS). Bei Bindung beispielsweise an Tyrosin (OH-Gruppe) können Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse entstehen. Durch Reaktionen mit Peroxynitrit kann Nitrotyrosin entstehen, welches ebenfalls die Funktion der Schilddrüse inhibieren kann. Schließlich kann dies über Zwischenschritte durch Interaktion mit Tryptophanderivaten über Serotonin- und Melatoninmangel z.B. zu Schlafstörungen und Depressionen führen.
  • Formaldehyd denaturiert Eiweiß und kann dadurch ebenfalls zur Schädigung von Lymphozyten beitragen. Schon in niedriger Konzentration führt Formaldehyd experimentell zur Histaminfreisetzung durch Degranulation von Mastzellen.
  • Polymyxin-B wird seit Jahren wegen schweren nephro- und neurotoxischen Nebenwirkungen nicht mehr systemisch eingesetzt, außer in Impfspritzen.

 

Wir möchten hier keine Partei ergreifen für Pro oder Contra Impfung, wir möchten Sie allerdings zu einer kritischen Haltung bewegen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, fragen Sie nach potentiellen Nebenwirkungen, insbesondere unter Berücksichtigung individueller Determinanten und entscheiden Sie nach Abwägung von Vor- und Nachteilen immer wieder aufs Neue selbst.

 

Training

Wie beschrieben erkranken Säuglinge und Kleinkinder deutlich häufiger als ältere. Insbesondere Atemwegsinfekte bringen viele Eltern auf die Idee, durch übertriebene Hygienemaßnahmen die Keimkontakte zu minimieren. Es hat sich jedoch gezeigt, dass dies kontraproduktiv ist, denn eben diese Berührung des Immunsystems mit den Erregern bietet genau das notwendige Training. Auch die Vermeidung von potentiellen „Allergie-Lebensmitteln“ (Erdnüsse, Kuhmilch, Eier etc.) wird mittlerweile eher abgelehnt, da eine frühe Exposition bei manch einem Allergen das Risiko eine Allergie darauf zu entwickeln durchaus senken können soll.

 

Auch im Darm kämpfen Bakterien um ihren Platz (etwa 100 Trillionen Organismen verrichten hier ihre Tätigkeit und helfen beim Verdauen, bereitstellen von Mineralstoffen etc.). Auch hier ist mit der Geburt nicht alles fertig vorgegeben. Ganz im Gegenteil muss das Immunsystem hier einige gute aber noch fremde Mikroorganismen zulassen und nicht bekämpfen. In den ersten drei Jahren verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora (gastrointestinales Mikrobiom) noch stetig, erst dann kehrt Ruhe und Stabilität ein.

Direkt nach der Geburt herrscht hier eine Goldgräberstimmung bei den Keimen, wer zuerst kommt, der kann sich niederlassen. Dementsprechend macht sich schon die Art der Geburt bemerkbar: bei einer vaginalen Geburt bedeckt die Vaginalflora die Haut des Säuglings, bei per Sectio (Kaiserschnitt) geborenen sind es eher matenale, also mütterliche, Hautkeime (hier wird dem Neugeborenem wertvolle Ressourcen vorenthalten, aber wenn die Geburt nicht anders möglich ist, bleibt keine Wahl). Hier kann jedoch durch Gabe entsprechender Keimpräparate für eine adäquate Entwicklung gesorgt werden, wir beraten Sie gern dazu.

Auch für die Entwicklung der Darmflora ist übertriebene Hygiene kontraproduktiv.  Epidemiologische Studien am Menschen belegen, dass in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsene Kinder ein geringeres Risiko für allergische Erkrankungen tragen – möglicherweise aufgrund einer größeren Vielfalt ihres gastrointestinalen Mikrobioms. Beobachtungen belegen zudem, dass eine Antibiotika-Therapie in den ersten Lebensmonaten die Empfänglichkeit des Körpers für chronische Erkrankungen (Asthma, Allergie, Übergewicht, Darmerkrankungen) erhöhen kann. Ein Einsatz in dieser frühen Lebensphase sollte sehr gründlich hinterfragt werden.

 

Eine weitere große Rolle spielt die Ernährung (Colostrum, Muttermilch etc.) nach der Geburt. Idealerweise sollte die Muttermilchgabe bei einer ansonsten gesunden Mutter 9-14 Monate betragen, so helfen Sie Ihrem Nachwuchs am besten auf die Sprünge, sich in dieser keimbehafteten Umwelt zurechtzufinden.

 

 

Liebe Schwangere, liebe Mütter, Ihr vollbringt etwas Wundervolles! Ihr habt damit verbunden aber auch eine riesige Verantwortung übernommen. Schon während der Schwangerschaft legt Ihr die gesundheitliche Basis Eures Kindes. Und das geht mit der Geburt und der Stillzeit weiter. Und weiter.

 

Sie sind aber nicht allein, viele Anlaufstellen und auch wir in der Apotheke stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern.

 

 

Quellen/Inspiration: