Löwenzahn

Der Löwenzahn ist uns auf der nördlichen Halbkugel als häufig auftretendes Wildkraut bekannt. Gerade im Frühling erfreuen die gelben Blüten das Auge des Betrachters, insbesondere da er gern auf sonnigen Flächen wächst. Anders sieht es teilweise bei Freuden gepflegter Gärten und Rasenflächen aus, die die Pflanze als „Unkraut“ klassifizieren aufgrund seiner Hartnäckigkeit, sich nicht mal eben so ausreißen zu lassen bzw. nahezu überall anzuwachsen und sogar Asphalt zu durchbrechen. Durch die langen Wurzeln ist dem Löwenzahn nur schwer nachhaltig beizukommen. Wenn sich schließlich die „Pusteblume“ fertig entwickelt hat, trägt der Wind die Samen an den Enden der Flugschirme großflächig in die Welt (und Nachbargärten) hinaus, was die Verbreitung weiter fördert.

Abgrenzung
Der offizinell pharmazeutisch verwendete und im Folgenden beschriebene Löwenzahn wird fachsprachlich korrekt bezeichnet als „Gewöhnliche Löwenzahn“ (oder „Gemeiner Löwenzahn“) und gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae). Er wird aufgrund optischer Ähnlichkeiten leicht mit anderen Pflanzen seiner Gattung (Taraxacum) verwechselt. Ähnlich verhält es sich mit ebenfalls Löwenzahn genannten Arten aus der Gattung Leontodon oder dem Gewöhnlichen Ferkelkraut.

 

Vertreter der allgemein als Löwenzahn betitelten Pflanzen mit Bestimmungsmerkmalen (*1)

Wiesen-Bocksbart, Tragopogon pratensis
30-70 cm. Stängel meist unverzweigt; Blätter zugespitzt, Blattgrund stängelumfassend. Hüllen der Körbchen mit 8 recht langen Blättern; Früchte mit langen Schnäbeln und starkem fiederförmigen Pappus.
Juni-August. Verbreitet an Wegrändern, auf Ackern und in Gebüsch.

Niedrige Schwarzwurzel, Scorzonera humilis
20-50 cm. Stängel meist unverzweigt, mit wenigen, kleinen Blättern, an dem Stängelende weißfilzig; meist mit nur einem Körbchen. Grundblätter groß, lanzettförmig und ganzrandig. Rhizom dick und dunkel.
Mai-Juli. Auf Heideböden und trockenen Wiesen. Fehlt in Teilen Westdeutschlands.

Gemeiner Löwenzahn, Taraxacum officinale
WEBER. 5-40 cm. Blätter rosettig, tief und scharf gelappt, glatt. Stängel kahl, mit einem einzigen großen Körbchen. Mit viel Milchsaft.
Mai-Juni. Allgemein verbreitet.
Junge Blätter können als Salat genossen werden.
Oder in Kokosöl angeschwitzt als besserer Spinatersatz herhalten, den auch Tiere gern im Futter akzeptieren. [Anm. d. Verf.]

Herbst-Löwenzahn, Leontodon autumnalis
10-30 cm. Blätter in Rosetten, tief buchtig-gelappt. Stängel verzweigt, an der Spitze mit kleinen Blattschuppen, bedeckt. Hüllblätter dachziegelartig; Früchte ohne Schnabel, Pappus fiederförmig, schmutzigweiß; ohne Spreublätter auf dem Boden des Körbchens.
Juli-September, Verbreitet auf Wiesen, Ackern und an Weg­rändern.

Rauher Löwenzahn, Leontodon hispidus
10-30 cm. Blätter in Rosetten, mit steifen, 2- bis 3-teiligen Haaren; oft nur ein einzelner, unverzweigter Blütenstengel. Körbchen wie bei Herbst-Löwenzahn, vor dem Aufblühen nickend; Pappus gelbweiß. Juni-August. Auf Ackern und Wiesen; häufig.

Stinkkohl, Aposeris foetida
LESS. Blätter regelmäßig fiederig geteilt, mit weißem stinkendem Milchsaft, Löwenzahn-ähnlich. Schattige Plätze. Juni-August. Kalkliebend, im Süden verbreitet.

Wiesen-Ferkelkraut, Hypochoeris radicata
10-40 cm. Blätter in Rosetten, buchtig-gezähnt, rauh. Stängel kahl, gabelförmig geteilt, zur Spitze hin verbreitert, mit kleinen Blattschuppen. Hüllblätter mit borstig behaarten Nerven; Randblüten gelb; Früchte mit Schnabel; Pappus schmutzig-weiß; Korbboden mit Spreublättern.
Juni-August. Auf Ackern und an Wegrändern. Verbreitet. Kahles Ferkelkraut, H. glabra L., hat kahle Hüllblättcr. Selten.

Geflecktes Ferkelkraut, Hypochoeris maculata
20-60 cm. Mit steifer Behaarung; Grundblätter groß; fast ungeteilt, oft mit braunen Flecken. Blüten strahlend gelb; Hüllblätter filzig.
Juni-Juli. An Hängen. Zerstreut.

 

Löwenzahn Verwendung

 

Salat oder Presssaft

Gerade jetzt im Frühling kann man die frischen jungen Löwenzahnblätter pflücken und daraus einen preisgünstigen Salat bzw. eine Salaterweiterung mit einer geschmacklich interessanten, dezenten Bitternote gestalten. Es ist eine gute Alternative für den manchen Menschen zu stumpf schmeckenden Spinat, der in diesen Tagen auch Hochsaison hat. Denken Sie aber daran, die Blätter vor dem Verzehr gründlich zu waschen, da insbesondere Hunde den Löwenzahn gern als „Kommunikationsorgan“ benutzen (also gegenpinkeln). Durch diese Frischdüngung wächst dieser meist umso schneller, allerdings auch biologisch dynamisch. 🙂

Salatrezept: Schneiden Sie die gesammelten und gewaschenen Blattteile mit einem Küchenmesser einmal unter der Blattrosette ab (die Blütenstiele können auch mitgegessen werden, sind jedoch recht bitter). Dann einfach etwas Zitrone oder Limette sowie Schmand/Saure Sahne und Olivenöl sowie Pfeffer, Salz und Muskat ergänzen. Auch die Beigabe von angeschwitzten Knoblauch und/oder Zwiebeln bietet sich an. Wer die Bitterstoffe nicht so gern mag, dem empfehlen wir, den Löwenzahn kurz und scharf in z.B. Kokosöl anzuschwitzen, dadurch verliert sich die Bitterkeit und es entwickelt sich ein fein aromatischer Geschmack.

Die Blätter sind auch als Presssaft genießbar, hierzu die Blätter im Schlagmixer unter Wasserbeigabe fein zerkleinern und durch ein sauberes Küchentuch pressen.

 

Kaffee-Ersatz

Die inulinreichen Wurzeln (werden im Herbst geerntet) können geröstet als Kaffee-Ersatz verwendet werden (so geschehen in der Nachkriegszeit, erfährt heutzutage eine gewisse Renaissance).

 

Industrie

Auch in der Industrie findet der inulinhaltige Saft des Löwenzahns Verwendung. Schon zur Zeit des zweiten Weltkrieges wurde er zur Herstellung eines Kautschuk-Ersatzes verwendet. Kautschuk ist der Ausgangsstoff für die Gummiproduktion. Dieser Ansatz wird auch unter den Vorzeichen nachhaltiger Produktion und Rohstoffverknappung in der heutigen High-Tech wieder aufgegriffen (Für Interessierte gibt es hier mehr dazu: Naturkautschuk aus Löwenzahn).

 

Blütensirup und Honig

Aus den gelben Blüten kann ein honigähnlicher Sirup hergestellt werden, ein leckerer Brotaufstrich.

Noch besser können das die Bienen: Wenn die Winter recht kalt verlaufen, gelingt es in vereinzelten Gebieten (Rhön, Marschgebiete Ostfrieslands), einen sortenreinen Löwenzahnhonig zu gewinnen, ohne dass andere Frühblüher dazwischenfunken (wie meist die gesamte Obstbaumblüte).

Dieser zeichnet sich durch deutlich weniger Süße, eine angenehme Würzigkeit und insbesondere seine stark entzündungshemmenden Eigenschaften aus, die besonders bei Prostatareizungen oder -entzündungen Linderung verschaffen.

Ganz nebenbei bemerkt: Sie können einen leckeren Löwenzahnhonig auch über uns beziehen.

 

Ernährung von Tieren

Dank der großen Verbreitung ist Löwenzahn generell bestens für die Ernährung von Tieren geeignet.

Selbst für Hunde ist er als Salatbeigabe zum Futter eine kostengünstige und gesunde Alternative. Nutzen Sie also Ihren nächsten Spazier- oder Gassigang gleich als Einkaufstour und sammeln Sie sich die „Gemüsebeilage“ gratis von der Wiese.

Weiterführende Infos zur Ernährung Ihres Hundes und Rezepte finden Sie hier sowie zu Gemüsevarianten.

Wer sein Pferd auf der Weide beobachtet, wird auch hier feststellen, dass diese Löwenzahn besonders dann gern verzehren, wenn Darmprobleme oder Gelenkentzündungen bestehen.

Im Tiermodell konnten wesentliche positive Wirkungen des Löwenzahns nachgewiesen werden: So wirkt sein wässriger Extrakt antidepressiv bei Mäusen (*2). Ebenfalls im Mausmodell konnte Löwenzahnextrakt den Tieren mehr Ausdauer verleihen und die Bildung von Laktat bei körperlicher Anstrengung hemmen (*3). Eine weitere Studie zeigte, dass bei Mäusen, die mit Löwenzahn als „Kraftfutter“ ernährt wurden, Erschöpfung später eintrat. Zudem verbesserte sich bei ihnen der Immunstatus (*4).

 

Therapeutisch verwendete Pflanzenteile (Drogen)

Teile des Gemeinen Löwenzahns werden zu pharmazeutischen Drogen aufbereitet:

  • Löwenzahnblätter: Taraxaci folium (syn. Herba Taraxaci, Taraxaci herba)
  • Löwenzahnwurzel: Taraxaci radix (syn. Radix Taraxaci)
  • Löwenzahnwurzel mit Kraut (Ganzpflanze): Taraxaci radix cum herba (syn. Herba Taraxaci cum radice, Radix Taraxaci cum herba)

 

Pharmakologie  / Anwendung

Schon im Mittelalter setzten Alchemisten und Kräuterkundige nach der Signaturenlehre das gelb blühende Kraut gegen Gelbsucht und bei Verdauungsstörungen ein. Dem Löwenzahn werden auch heute noch choleretische (Gallenfluss fördernd) und cholagoge (gallenbildende) Effekte sowie diuretische Wirkung (Ausschwemmung von Wasser) und darüber hinaus appetitanregende Eigenschaften zugesprochen. Das wird u.a. bedingt durch die enthaltenen Bitterstoffe. Die gesteigerte Gallensaftbildung bei gleichzeitig besserem Gallenfluss wirkt sich positiv auf bestehende Gallensteinleiden sowie Verdauungsschwächen im Fettbereich aus (*5/*6). Auch werden Bakterien im Wachstum gehemmt, die sich beispielsweise im Gallengang oder den vorhandenen Steinen aufhalten können (*7).

Die in Löwenzahn vorkommenden Sesquiterpenlactone sind darüber hinaus vermutlich der Grund für die beobachtete leberschützende (hepatoprotektive) Wirkung. Außerdem werden ihnen chemoprotektive gegen Lösungsmittel sowie grundsätzlich entzündungshemmende Effekte zugeschrieben, die auch in neueren Studien bestätigt wurden (*8).

Bei Löwenzahnextrakten wurde eine hemmende Wirkung auf Wachstum sowie Invasivität von Prostata- und Brustkrebszellen beobachtet, ähnlich den Effekten beim daraus erzeugten Honig. Ebenso fördern diese nach Studienlage den sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose) bei Leberkarzinomzellen, Brustkrebs sowie Leukämiezellen bzw. Pankreaskrebszellen (*9/*10). Auch für die enthaltenen Phytosterole konnte dieser Effekt nachgewiesen werden (*11).

Die Volksheilkunde setzt Löwenzahn seit Jahrhunderten als leichtes Abführmittel, bei Diabetes, bei rheumatischen Erkrankungen oder Ekzemen und anderen Hauterkrankungen ein (*12). Der Milchsaft kann auch direkt zur Abheilung von Hautentzündungen aufgetupft werden.

 

Schließlich enthält Löwenzahn größere Mengen an Kalium, Vitamin C sowie gut verfügbares Eisen zur Blutbildung und ist damit generell gut als Nahrungsergänzung zur täglichen Kost geeignet.

 

 

Löwenzahn ist also wirklich mehr als nur ein „Un“kraut und eher „un“glaublich vielseitig einsetzbar. Gerade jetzt im Frühling können Sie ihn einfach mal als Salat-Erweiterung probieren. Vielleicht schafft er es ja, sie mit seiner ganz leicht bitteren Note für sich zu gewinnen.

Achtung: Patienten, die auf Korbblütler allergisch reagieren, sollten allerdings auf Löwenzahn verzichten bzw. zumindest die Blüten meiden.

 

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, sortenreinen Löwenzahnhonig, Teedrogen oder Extrakte etc. benötigen, dann sprechen Sie uns gern an.

 

 

Quellen:

  • Wildpflanzen, B. Ursing, BLV Bestimmungsbuch, 1966
  • Li et al. Antidepressant effects of the water extract from Taraxacum officinale leaves and roots in mice. Pharm Biol. 2014 ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24611722
  • Jinchun & Jie. The effects of Taraxacum officinale extracts (TOE) supplementation on physical fatigue in mice. Afr J Tradit Complement Altern Med. 2011. ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22238492
  • Lee et al. Effects of Taraxacum officinale on fatigue and immunological parameters in mice. Molecules. 2012. ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23135630
  • González-Castejón et al. Reduction of adipogenesis and lipid accumulation by Taraxacum officinale (Dandelion) extracts in 3T3L1 adipocytes: an in vitro study. Phytother Res. 2014 ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23956107
  • Choi et al. Hypolipidemic and antioxidant effects of dandelion (Taraxacum officinale) root and leaf on cholesterol-fed rabbits. Int J Mol Sci. 2010
    ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20162002
  • Qian et al. Preparation and antibacterial activity of oligosaccharides derived from dandelion. Int J Biol Macromol. 2014 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24368113
  • Mahesh et al. Hepatocurative potential of sesquiterpene lactones of Taraxacum officinale on carbon tetrachloride induced liver toxicity in mice. Acta Biol Hung. 2010.
    ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20519172
  • Yoon et al. Novel TRAIL sensitizer Taraxacum officinale F.H. Wigg enhances TRAIL-induced apoptosis in Huh7 cells. Mol Carcinog. 2015 ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25647515
  • Sigstedt et al. Evaluation of aqueous extracts of Taraxacum officinale on growth and invasion of breast and prostate cancer cells. Int J Oncol. 2008 ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18425335
  • Woyengo et al. Anticancer effects of phytosterols. Eur J Clin Nutr. 2009 Jul;63(7):813-20. ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19491917
  • Koh et al. Anti-inflammatory effect of Taraxacum officinale leaves on lipopolysaccharide-induced inflammatory responses in RAW 264.7 cells. J Med Food. 2010 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20673058