Molybdän

Wir möchten Ihnen dieses kleine Spurenelement mit dem Periodensystem-Symbol Mo vorstellen. Es zählt chemisch zu den Übergangsmetallen, ist kaum jemanden namentlich bekannt und gilt dennoch als „essentiell“, wird also vom Körper benötigt und muss ihm über die Nahrung zugeführt werden. Im Rahmen einer normalen Ernährung und normaler Darmfunktion wird der Körper ausreichend versorgt, gemäß Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa 0,05 – 0,1 mg täglich. Problematisch ist eine chronische Darmerkrankung wie z.B. Morbus Crohn oder langfristig parenterale Ernährung. Sehr wenige Menschen leiden gar an einer Molybdän-Cofaktor-Defizienz und können die unten vorgestellten Enzyme nicht selbst im Körper bilden.

Das silbrige Metall sieht Blei sehr ähnlich (auch der Name deutet darauf: griech. molybdos „Blei“) und wird damit oft verwechselt. In der Natur kommt es meist als Molybdänglanz (Molybdändisulfid, MoS2) vor und ist schwer wasserlöslich.

In beiden Weltkriegen stieg übrigens die Nachfrage nach Molybdän deutlich an, da es als Legierungselement bei der Herstellung von Panzerplatten und Kanonen (z.B. der berühmt-berüchtigten „Dicken Berta“) verwendet wurde. Auch heute findet es Verwendung in Luft- und Raumfahrt.

 

Molybdän ist ein Cofaktor von flavin- und eisenhaltigen Enzymen:

  1. Xanthinoxidase
    Ist Teil des Purinstoffwechsels (Harnsäuresynthese aus Purinbasen), sorgt also für die Bildung von Harnsäure, die sich u.a. positiv auf das Immunsystem auswirkt. Aber keine Angst, dies ist ein notwendiger Schritt im Rahmen des Proteinstoffwechsels, fehlt hier Molybdän, wird es eher angestaut, was auch nicht gut ist. Der Gesamtanfall an Harnsäure regelt sich immer noch über die Ernährungszufuhr, achten Sie also bei Problemen in diesem Bereich darauf, Nahrungsmittel wie Bohnen (insbesondere Kidneybohnen), Fleisch (also kein Chilli con Carne!), Hefe oder Fleischextrakte (also lieber auf das Weizenbier zum Essen verzichten), kleine, fette Seefische wie Ölsardinen oder Anchovis, Sprossen aller Art bzw. Material aus Samen und Kernen (dazu gehören auch Vollkornbrote) eher zu meiden.
  1. Sulfitoxidase
    Ist lokalisiert in den Mitochondrien und sorgt für den Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren (Cystein, Methionin) zur Entgiftung von Sulfit zu Sulfat, was gleichzeitig der Energiegewinnung dient und über das dortige Cytochromsystem ATP, also Zelltreibstoff, generiert. Sulfitansammlungen im Gehirn könnten sonst zu neurologischen Störungen, geistigen Entwicklungsverzögerungen oder Krampfanfällen sowie Gewebsschädigungen führen.
  1. Aldehydoxidase
    Oxidation und Entgiftung verschiedener stickstoffhaltiger Verbindungen (Pyrimidine, Purine und Pteridine). Hier werden die obigen Purine weiterentgiftet, so saß es zu insgesamt weniger Harnsäureanfall kommt.

 

Unterversorgung

Wie gesagt treten ernährungsbedingte Mangelerscheinungen nahezu nicht auf, dennoch gibt es Situationen eines erhöhten Bedarfs: Molybdänpräparate finden Anwendung bei gestörter Darmflora, Gicht, Chemikalienbelastung, Sulfitempfindlichkeit, hohen Harnsäurewerten und Kupfermangelanämie. Darüber hinaus wird ihm die Hemmung von Bakterienwachstum zugesagt. Auch Kariesprophylaxe wird vermutet, Molybdän soll die Fluoridresorption und Einlagerung in den Zahnschmelz fördern (Karies tritt in Regionen mit sehr molybdänhaltigen Böden seltener auf).

Symptome einer Unterversorgung können sein: Übelkeit, Bauchkrämpfe, schlechtes Allgemeinbefinden, Herzrasen, gesteigerte Atemfrequenz, Nachtblindheit, übertriebene nervliche Erregbarkeit sowie Absinken des Harnsäurespiegels. Vermutet werden zudem Wachstumsstörungen, Impotenz und Verdacht auf erhöhte Neigung zu Speiseröhrenkrebs.

Kombinierte Gaben von Molybdän und Zink können bei Männern in manchen Fällen von Impotenz oder Infertilität Anwendung finden. Ebenso dienst es der Entgiftung zu hoher Kupferspiegel im Gewebe, z.B. in Form des Ammoniumtetrathiomolybdat.

 

Überversorgung

In sehr hohen, unphysiologischen Dosen zugeführt, kann Molybdän kurzzeitig zu erhöhten Harnsäurewerten sowie Störungen im Kupferstoffwechsel führen.

 

Vorkommen

Ganz natürlich findet sich Molybdän u.a. in Rotkohl, Sojamehl, Reis, Kartoffeln, Knoblauch, Fisch (z.B. Zander), Rindfleisch, Innereien (z.B. Leber), weißen und grünen Bohnen, Sonnenblumenkernen, Eiern, Getreide, Hülsenfrüchten u.v.m.

Der derzeit zugelassene Health Claim (gesundheitsbezogene Angabe) der EFSA bei Lebensmitteln im Rahmen der per Verordnung definierten Mindestqualitäten lautet: „Molybdän trägt zu einer normalen Verstoffwechslung schwefelhaltiger Aminosäuren bei“.

 

Konsequenz?

Gesunde, normal essende (ausgewogene Ernährung mit regelmäßigem Verzehr von Obst, Gemüse, Getreide, tierischen Lebensmitteln und Hülsenfrüchten) Menschen brauchen (selbst in der Schwangerschaft) keine aktive Mangelvorbeugung bezüglich dieses Spurenelements. Lediglich bei den skizzierten Belastungsfeldern sind Ergänzungsgaben eventuell anzuraten.

 

Wenn Sie noch Fragen haben oder gar betroffen sein könnten, sprechen Sie uns unverbindlich an, wir beraten Sie gern.

Sie finden einen Molybdän Steckbrief im Vitalstoff-ABC unserer Website.