Narbenpflege – Gut verheilt

Narben sind eine raffinierte Reparaturmethode des Körpers. Manche sagen, sie erzählen die ganz persönliche Lebensgeschichte. Beliebt sind sie trotzdem nicht, denn Narben können mit Schmerzen und Beeinträchtigungen verbunden sein. Damit sie wenig stören, ist eine sorgfältige Pflege ratsam. Nach einer Verletzung oder Operation ist daher nicht nur die akute Wundbehandlung empfehlenswert. Massagen und Wirkstoffe, die das heilende Gewebe weich und elastisch halten, können eine gesunde Narbenbildung unterstützen.

Von Saskia Fechte

Peter Germann, Heilpraktiker und Dozent für Naturheilkunde, erklärt die Entstehung von Narben: „Eine Narbe bildet sich nicht aus dem Zellmaterial der Haut oder des verletzten Organs, sondern aus Bindegewebe ohne Haarfollikel, Talg- oder Schweißdrüsen. Sie hat einzig und allein die Aufgabe, das geschädigte Gewebe wie eine Art Flicken neu zu verbinden und den Zusammenhalt zu gewährleisten.“ Narben sind gewissermaßen Fremdkörper und haben eine gröbere Konsistenz als das gesunde Gewebe in der Umgebung. Bei inneren Vernarbungen, beispielsweise nach Operationen, ist es ebenso, allerdings nehmen wir es dort nicht so deutlich wahr. Der Dozent erklärt: „Die eigentliche Reparaturmaßnahme hat der Körper schon ganz gut gelöst. Wir können diesen Vorgang innerlich und äußerlich unterstützen, um einen Zustand zu erreichen, der möglichst nahe an die Ausgangssituation heranreicht.“

Narbenbildung vorbeugen

Eine sorgfältige Wundpflege und regelmäßige Massagen können dazu beitragen, dass sich das neue Bindegewebe trotz verminderter Durchblutung möglichst gut in die vorhandenen Hautstrukturen einfügt. Öle und Salben mit heilungsfördernder Wirkung halten es elastisch und weich. Je eher ein Narbengewebe gepflegt wird, desto wahrscheinlicher entsteht eine glatte und störungsfreie Narbe.

Schafgarbe

Die Heilpflanze besitzt Wirkstoffe für eine gute Wundheilung, nützlich für Menschen mit schwachem Bindegewebe. Peter Germann empfiehlt nach einer Operation bis zu einem Liter Schafgarbentee täglich. Die Trinkkur für bessere Narben dauert etwa zehn Tage.

Zwiebel

Extrakte aus dem Küchengemüse können Schwellungen und Entzündungen im Gewebe lindern. Die Wirkstoffe aus der Zwiebel verhindern ein übermäßiges Wachsen und Wuchern des Bindegewebes. Rosmarin und Thuja haben vergleichbare Eigenschaften. Alle drei Pflanzen finden sich in speziellen Narbenpflege-Produkten aus der Apotheke.

Bestehende Narben behandeln

„Narben sollten nicht nur aus kosmetischer Sicht behandelt werden. Sie können auch die Körperfunktionen an Ort und Stelle mehr oder minder massiv beeinflussen.“ Die Behandlung von frisch verheilten Wunden kann zwar mehr erreichen, dennoch lohnt sich eine gezielte Pflege von älteren Narben. Massagen und Pflanzenstoffe können sie weicher und weniger auffällig machen.

Veilchensalbe

Das Rezept stammt von Hildegard von Bingen. Sie entwickelte aus den beiden botanisch verwandten Blumen Duftveilchen und Stiefmütterchen eine Creme, die Narbengewebe geschmeidiger macht. „Bei regelmäßiger Anwendung mit Veilchensalbe gleicht sich die Narbe dem umliegenden Hautgewebe optisch an. Sie wird sicht- und fühlbar unauffälliger.“ Dazu einmal täglich dünn auftragen, mindestens 14 Tage lang.

Kieselsäure

Die mineralische Substanz, auch Silicea genannt, kräftigt das Bindegewebe und damit die stützende Struktur in der Haut. Ein starker Untergrund polstert optisch auf, strafft die sichtbare Oberfläche und lindert die Narbenbildung. Gute Lieferanten für Kieselsäure sind Rosskastanie, Ackerschachtelhalm und Buchweizen. Für einen Tee aus einer dieser Heilpflanzen einen Esslöffel in 250 Milliliter Wasser zehn Minuten abgedeckt köcheln lassen und anschließend einige Minuten ziehen lassen.

Ätherische Öle

Die Duftsubstanzen von Pflanzen sind für ihre hautpflegenden Eigenschaften bekannt. Bei der Narbenpflege können sie ebenfalls gute Ergebnisse erzielen. Eine sanfte Massage mehrmals täglich regt die Bildung neuer Zellen an und verbessert die Versorgung des Ersatzgewebes. Wenden Sie die hochkonzentrierten Öle immer in Verbindung mit einem fetten Öl als Trägersubstanz an, etwa mit Mandelöl oder Johanniskrautöl. Letzteres hat zusätzlich eine schmerzstillende Wirkung.

Gestörter Energiefluss laut TCM

Laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) verläuft im Körper ein Geflecht aus Energiebahnen, sogenannter Meridiane. „Die Meridiane verlaufen von oben nach unten und versorgen den Organismus mit Lebensenergie.“ Besonders waagerechte Narben wie eine Kaiserschnittnarbe können den Energiefluss stören. Energetisch gesehen teilt solch eine Narbe den Menschen in zwei Hälften. „Es entsteht ein Energiestau“, sagt der Heilpraktiker. „Oberhalb der Narbe ist der Energieverlauf ungestört, Körperareale und Organe unter dem Schnitt werden zu wenig versorgt.“ Die TCM kennt Methoden, die so ein Störfeld selbst bei lang bestehenden Narben behandeln und den Energiefluss wieder anregen können.

Unser DIY-Tipp: Narbenöl

5 g Bienenwachs
30 ml fettes Johanniskrautöl
2 g Kakaobutter
1 g Propolis-Tinktur
4 Tropfen ätherisches Öl Neroli
je 3 Tropfen ätherisches Öl von Zistrose, Karottensamen und Lavendel
2 Tropfen ätherisches Öl Rosengeranie
1 Tropfen ätherisches Öl Rose

Bienenwachs und Johanniskrautöl im Wasserbad erhitzen, bis sich das Wachs aufgelöst hat. Auf etwa 50 Grad abkühlen lassen und Kakaobutter darin schmelzen lassen. Abkühlen lassen und kurz bevor die Masse fest wird, die Propolis-Tinktur und die ätherischen Öle einrühren.

Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern.

Naturheilkunde und Gesundheeit Cover 03/19
Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette „Naturheilkunde & Gesundheit“ Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.