Naturheilkundliche Unterstützung bei Hashimoto

Fehlgeleitete Abwehr beruhigen
Die Autoimmunkrankheit schädigt die Schilddrüse und stört das hormonelle Gleichgewicht. Typische Hashimoto-Symptome sind Muskel- und Gelenkschmerzen, Frieren, Konzentrationsstörungen. Naturheilkundliche Methoden schützen vor Beschwerden und möglichen Folgeerkrankungen.

Lesen Sie dazu auch vertiefend Hashimoto-Thyreoiditis – Angriff auf die Schilddrüse.

Im Interview äußert sich Manuela Schilling, sie ist spezialisiert auf Frauenheilkunde und begleitet in ihrer Naturheilpraxis in Krefeld unter anderem Patientinnen mit Schilddrüsenerkrankungen. Sie ist außerdem in der klinischen Forschung tätig und betreut zukünftige Heilpraktiker in ihrer Ausbildung.

 

Von Saskia Fechte, Bild: Flora

 

Ausgangspunkt der Hashimoto-Krankheit ist die Schilddrüse. Woran erkenne ich die Erkrankung?
Hinter einer Hashimoto-Thyreoiditis, so der Fachbegriff der Autoimmunerkrankung, stecken chronische Entzündungen. Fehlgeleitete Abwehrzellen bauen allmählich gesundes Schilddrüsengewebe ab. Einmal gänzlich zerstört, kann es sich nicht mehr regenerieren. Das Organ kann keine Hormone mehr produzieren, langfristig entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion. Diese Vorgänge bleiben lange Zeit symptomfrei und unentdeckt. Eine Autoimmunkrankheit kommt selten allein, oft besteht gleichzeitig eine genetische Veranlagung für Allergien, Diabetes Typ I, Nebennierenschwäche oder Hauterkrankungen.

 

Gibt es zusätzlich zu den Blutwerten naturheilkundliche Diagnoseverfahren?
Heilpraktiker arbeiten oft mit der Iris- und Antlitzdiagnostik. Auf eine Hashimoto-Thyreoiditis können auch Veränderungen der Iris hinweisen. Im Gesicht zeigen charakteristische Zeichen für Östrogenmangel, dass hier etwas nicht stimmt. Zum Beispiel werden Längsfalten auf der Oberlippe, die relativ kurzfristig entstanden sind, auf Östrogenmangel hingedeutet. Verkürzte Augenbrauen sollen ein weiterer Hinweis auf hormonelle Störungen sein.

 

Klassischerweise werden Schilddrüsenhormone verschrieben. Auch bei naturheilkundlicher Behandlung?
Ja, diese Hormongabe von außen ist bei einer Hashimoto-Erkrankung unumgänglich. Die Naturheilkunde ist hier eine begleitende Therapie, um typische Beschwerden zu lindern. Da sich Autoimmunkrankheiten gegenseitig bedingen, kann das rechtzeitige Erkennen und Behandeln dem Ausbruch einer weiteren Erkrankung vorbeugen.

 

Was bietet die Naturheilkunde für Hashimoto-Patienten?
Behandlungen von Autoimmunkrankheiten dürfen das Immunsystem nicht stimulieren, das würde die selbstzerstörerischen Vorgänge verstärken. Das Ziel ist eine immunmodulierende Therapie. Etwa mit Akupunktur: Studien zeigten, dass durch 10 bis 12 Einheiten die schädigenden Immunreaktionen geblockt werden können. Ähnliches gilt für die Moxibustion, eine punktuelle Wärmetherapie aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Weiterhin kann eine Darmsanierung das meist gestörte Mikrobiom im Verdauungstrakt regulieren und typische Symptome wie Verstopfung lindern. Ayurveda-Kräuter und Schröpfmassagen lindern die charakteristischen Muskelschmerzen; Mikronährstoffkuren und Schüßler-Salze wie Nr. 5 Kalium phosphoricum reduzieren häufige Begleiterscheinungen wie Haarausfall und Erschöpfung. Naturheilkundliche Methoden tragen dazu bei, die Lebensqualität zu erhöhen.

 

Spielt die Ernährung auch eine Rolle?
Auf jeden Fall, die Ernährung der letzten Jahre hat immer Einfluss auf den aktuellen Gesundheitszustand. Die Schilddrüse entwickelt unter einer Hashimoto-Erkrankung einen verstärkten Stoffwechsel. Das zehrt an den Vitamin- und Mineralstoffvorräten. Ich empfehle Tests auf Vitamin D und B12 sowie Kuren mit Magnesium und insbesondere Selen. Manchmal ist auch Eisen sinnvoll, das bespreche ich mit dem behandelnden Arzt. Generell sollten Hashimoto- Patienten entzündungsfördernde Lebensmittel wie Fleisch, Zucker und Weißmehl, Alkohol und verarbeitete Produkte weglassen und eine Ernährung mit vielen Antioxidantien bevorzugen. Auf jeden Fall sollte auf Schwermetalle als möglicher Auslöser hin getestet werden.

Ernährungsempfehlungen bei Hashimoto-Thyreoiditis:

  • weniger Kohlenhydrate
  • viel hochwertiges, pflanzliches Eiweiß aus Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen, Lupine, Soja)
  • glutenfreie Produkte bevorzugen
  • reichlich Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl, Hanföl, Chiasamen
  • viele Antioxidantien, Selen und Zink aus Obst, Gemüse, Haferflocken
  • Nüsse, Keime und Sprossen einbauen

 

Was empfehlen Sie außerdem?
Da Stress bei Autoimmunerkrankungen verstärkend wirkt, sind Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung hilfreich. Hashimoto-Patienten haben oft eine Nebennierenschwäche mit Burnout-ähnlichen Beschwerden oder eine thyreotoxische Krise, eine akute Stoffwechselentgleisung. Ob der Körper unter Stress steht, verraten Speichel- und Hormonanalysen. Eine wichtige Kraftquelle ist guter Schlaf. Für eine ruhige, erholsame Nachtruhe ist eine gezielte Schlafhygiene wichtig: regelmäßige Zeiten, entspannende Rituale, Verzicht auf Nikotin, Kaffee und langes Fernsehen vor dem Schlafengehen. Begleitend kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Grundsätzlich sollte die naturheilkundliche Therapie immer eine Zusammenarbeit von Heilpraktiker, Endokrinologe und allen beteiligten Therapeuten sein und individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

 

Tipp der Expertin: Lehmwickel-Kur bei Schilddrüsenunterfunktion

Zwei bis drei Esslöffel Heilerde mit etwas Wasser zu einer streichfähigen Paste verrühren. Mischung mindestens eine Stunde im Kühlschrank aufbewahren, dann auf ein feuchtes Leinentuch streichen. Das Tuch mit der bestrichenen Seite auf den Hals auflegen und mit einem trockenen Wollschal um den Hals fixieren. Mindestens 20 Minuten tragen, besser so lange, bis die Heilerde getrocknet ist. Anschließend mit warmem Wasser abwaschen. Die Wickel ein bis zwei Wochen lang täglich anwenden.

 

 

Heilerde gibt es natürlich auch in Ihrer Apotheke.
Sprechen Sie uns bei Fragen zur Schilddrüse oder auch speziell Hashimoto-Thyreoiditis an, wir beraten Sie gern und auf Ihre individuelle Situation abgestimmt.

 

 

Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette „Naturheilkunde & Gesundheit“ Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.