Vitamin D, ein Supervitamin?

Wir haben in unserem Blog bereits einige Informationen zu Vitamin D zusammengetragen. Hier finden Sie eine Liste der Artikel, in denen das Vitamin D eine wichtige Rolle spielt.

Dabei haben wir besonderen Fokus auf die Wichtigkeit der Supplementierung bei Kleinkindern und Schwangeren gelegt. Da unser Körper es in Teilen mit Hilfe von UVB-Licht in der Haut selbst bilden kann, ist auch der Aufenthalt unter freiem Himmel (wenn möglich ohne Sonnenschutz durch Kleidung und Cremes, soweit es die Empfindlichkeit zulässt) sehr wichtig.

Nun möchten wir Ihnen drei(!) weitere Studien vorstellen, die das Spektrum der Anwendungen erweitern und die Wichtigkeit dieses Vitamins unterstreichen.

  1. Vitamin D-Mangel wird mit erhöhtem Demenzrisiko assoziiert
  2. Vitamin D-Mangel wird mit Atopischer Dermatitis (Neurodermitis) assoziiert
  3. Vitamin D fördert die Regeneration von Blutgefäßen

 

Wir bekommen viel Feedback von unseren Patienten und auch wenn wir keine eigenen Studien durchführen (dafür aber umso mehr positive Anwendungsbeobachtungen), so kristallisieren sich aus diesen Erfahrungen und Gesprächen gewisse Trends heraus. Wir ergänzen in vielen Fällen bei unseren Empfehlungen Vitamin D Supplemente, wobei die Auswahl des Präparates abhängig von individuellen Rahmenbedingungen, der Anamnese, Medikation etc. ist. Die positiven Berichte unserer Patienten aber eben auch genau solche Studien bestätigen unsere Meinung.

Okay, die Artikelüberschrift mit „Supervitamin“ mag zugegebenermaßen bewusst übertrieben klingen, denn nur in der Gesamtheit eines ausgewogenen Vitamin- und Mineralstoffhaushalts des Körpers kann es seine Wirkung optimal entfalten. Es ist Teamwork, da kann ein einzelner Superheld nur bedingt etwas ausrichten, dennoch soll es bei Marvel Comics ja schon vereinzelt gelungen sein.

Sprechen Sie uns an und wir erklären Ihnen individuell, ob bzw. wie auch Sie von Vitamin D profitieren können.

 

Ad 1) Vitamin D-Mangel wird mit erhöhtem Demenzrisiko assoziiert

Demenz ist ein Oberbegriff für über 50 unterschiedlich verlaufende Krankheitsbilder. Sie haben gemein, dass sie auf lange Sicht zum Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit führen. Alzheimer ist nur eine Form davon (mit 2/3 aller Fälle auch die häufigste, gefolgt von der vaskulären Demenz mit ca. 25 Prozent der Fälle. Altersdemenz ist keine eigene Form, da die meisten Betroffenen jedoch im gehobenen Alter (65+) sind, hat sich dieser Begriff eingeschlichen.

Unterschieden werden

  • Primäre Demenzen haben den Ursprung im Gehirn, man spricht auch von neurodegenerative Veränderungen. Sie sind meist nicht heilbar, nur behandelbar.
  • Sekundäre Demenzen, das sind gerade mal 10% der Fälle, sind Folge einer anderen, bereits vorhandenen Erkrankung. Auslöser sind z.B. Depressionen, oder eine Vitamin-Unterversorgung. Bei früher, rechtzeitiger Diagnose sind sie teilweise heilbar.

Den bestmöglichen Schutz bietet statistisch ein gesunder Lebensstil, d. h. mediterrane sowie asiatische Küche, ausreichend körperliche Aktivität, kognitives Training und Sozialkontakte.

Zu den Risikofaktoren zählen Bewegungsmangel, Rauchen, Depressionen, Medikamente, Alkoholsucht, B-Vitamin Mangel, Schilddrüsenerkrankungen, Hypertonie, Diabetes mellitus, Adipositas im mittleren Lebensalter, ein niedriger Bildungsstand sowie vermutlich auch Hypercholesterinämie, Hyperhomocysteinämie (hinter der oft eine Schwermetallbelastung steckt), Stress, der Kontakt mit Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) sowie Anästhesien.

Ein weiterer potenzieller Risikofaktor scheint nach neusten Erkenntnissen jedoch auch ein Vitamin D-Defizit zu sein!

[…] Wissenschaftler um David Llewellyn hatten den Zusammenhang an einer Kohorte von 1.658 Amerikanern überprüft, bei denen vor 6 Jahren die Vitamin D-Level im Blut gemessen worden waren. Mittlerweile leiden 171 Probanden der Cardiovascular Health Study an einer Demenz, bei 102 Personen wurde Morbus Alzheimer diagnostiziert. Teilnehmer mit einem schweren Vitamin D-Defizit (Vitamin 25(OH)D-Wert von unter 25 nmol/l) erkrankten 2,25-fach häufiger an einer Demenz. Das Alzheimer-Risiko war um den Faktor 2,22 gestiegen. Bei einer mittelschweren bis geringfügigen Unterversorgung (Vitamin 25(OH)D zwischen 25 und so nmol/l), nahm das Risiko um 53% bzw. um 69% zu. Es zeigte sich, dass ein Spiegel von mindestens so nmol/l nötig ist, um eine Demenzerkrankung zu verhindern. Wie die Gedächtniszentren des Gehirns durch einen Vitamin D-Mangel beeinträchtigt werden, ist noch unklar. Viele Hirnzellen besitzen aber Rezeptoren für Vitamin D3 und auch das Enzym, 1a-Hydroxylase, das für die Synthese der bioaktiven Form des Vitamins relevant ist, kommt im Gehirn häufig vor. Auch für Makrophagen, die im Gehirn Amyloidablagerungen beseitigen, ist Vitamin D unerlässlich. Randomisierte klinische Studien, die die Resultate belegen müssen, sind jedoch erforderlich.

Eine französische Studie mit 498 älteren Frauen deutet darauf hin, dass eine höhere nutritive Vitamin D-Zufuhr mit einem geringeren Risiko assoziiert war, eine Alzheimer-Erkrankung zu entwickeln. Der Einsatz von Vitamin D-Supplementen begleitend zu den Standard- Antidementiva scheint eine einfache, kostengünstige und effiziente therapeutische Maßnahme zu sein, um neurologische Störungen bei Morbus Alzheimer zu verbessern. […]

Quelle: „Vitamin D-Mangel wird mit erhöhtem Demenzrisiko assoziiert“,
Apotheken Magazin, 32 Jg., November 2014, S. 25

 

Es lohnt sich also für Jedermann, einen hinterfragenden Blick auf seinen Lebensstil sowie seinen Vitamin D Haushalt zu haben und oft (aber bitte auch den Sonnenschutz beachten) die Sonne zu Gesicht zu bekommen. Zu bedenken ist auch, dass dieses Fakt einen Teufelskreis darstellt, da demente Personen häufig den Kontakt nach außen aus Angst oder Vergesslichkeit reduzieren oder gar einstellen. Hier ist auch die Familie gefragt, die Angehörigen nicht nur im Gespräch sondern auch mit gemeinsamen Aktivitäten an die frische Luft zu bringen.

 

Ad 2) Vitamin D-Mangel wird mit Atopischer Dermatitis (Neurodermitis) assoziiert

Atopische Dermatitis, bzw. das atopische Ekzem ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie gehört in die Schublade der atopischen Erkrankungen (das ist die Neigung dazu, mit Überempfindlichkeitsreaktionen auf den Kontakt mit ansonsten harmlosen Substanzen zu reagieren).

Die Erkrankung wird auch häufig und landläufig mit der nicht korrekten Bezeichnung „Neurodermitis“ betitelt. Das stammt aus dem 19. Jahrhundert, als man meinte, die Ursache der Hautkrankheit (Dermitis) sei eine Entzündung der Nerven (Neuro). Diese These wurde zwar mittlerweile widerlegt, die falsche Bezeichnung ist aber geblieben.

Bei besonders schweren Formen bringt oftmals eine Bestrahlung mit UV-Licht Besserung. Aufgrund der körperimmanenten Vitamin D Synthese bei UV-Licht schien die mögliche Beeinflussung des Krankheitsverlaufs durch Vitamin D plausibel. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurden solche Patienten ans Meer „verfrachtet“, später in die entstehenden Seebäder, wo sich bald Besserung einstellte, auch hier wurde sicherlich die Vitamin D Produktion durch die Sonne angekurbelt, neben den positiven Effekten auf die Seele und Schilddrüse durch die iodhaltige Seeluft. Auch die Besserung bei Asthma ließe sich durch den besseren Vitamin D Spiegel erklären, da ausreichende Spiegel antientzündlich und normalisierend auf autoimmune Prozesse wirken, MS Patienten sollten dies ebenfalls bedenken!

[…] US-amerikanische Forscher des Massachusetts General Hospitals haben daher eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie an 107 mongolischen Kindern aus Ulaanbataar mit Winter-abhängiger topischer Dermatitis durchgeführt und den Effekt einer Supplementierung mit Vitamin D (1000 IU/Tag) analysiert. Alle Kinder, unabhängig von der Behandlung mit Vitamin D oder Placebo, erhielten zusätzlich eine generelle Hautpflege mit Pflegecreme. Das Ausmaß der Entzündung der Hautareale wurde vor Studienbeginn und nach einem Beobachtungszeitraum von einem Monat mittels EASI-Score (Eczema Area and Severity Index) bewertet. Verglichen mit der Placebo-Gruppe zeigte die Behandlung mit Vitamin D eine signifikante Verbesserung des EASI-Scores (-6,5 gegenüber -3,3; p = 0,4) sowie eine bessere subjektive Einschätzung der Symptome der atopischen Dermatitis durch die Eltern. Leichte oder schwere Nebenwirkungen wurden dagegen nicht beschrieben.

Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass bei Kindern mit Winter-assoziierter atopischer Dermatitis eine saisonale Supplementierung mit Vitamin D einen möglichen präventiven Effekt auf die Symptomatik besitzt. Ob dies auch bei einer ganzjährig zu behandelnden atopischen Dermatitis zutrifft, oder Vitamin D auch bei älteren Personen indiziert sein kann, müssen jedoch erst weitere Studien analysieren.

Quelle: „Mehr Vitamin D im Winter“,
Deutsche Apotheker Zeitung, 154. Jg., N. 44, 30.10.2014, S. 28

 

Betroffenen raten wir darüber hinaus natürlich auch, potenzielle Allergene zu meiden und auch viel Zeit an der frischen Luft und dort insbesondere in der Sonne (Sonnenschutz nicht vernachlässigen) zu verbringen. Mit Beginn der dunklen Jahreszeiten empfehlen wir somit eine entsprechende Supplementierung. Da die Vitamin D-Syntheseleistung der Haut mit zunehmendem Alter sinkt, empfiehlt sich auch bei älteren Patienten mit dieser Erkrankung zur Supplementierung. Hier gilt es zu bedenken, dass die Substitution entsprechend hoch bei starkem Mangel anzusetzen ist, damit der Körper den Spiegel mit der Eigenproduktion aufrecht erhalten kann. Dies haben auch neue Studien mehrfach bestätigt und erklärt somit gleichzeitig auch, warum Aussagen kursieren, die wenig Effekt belegen, da hier einfach nicht adäquat hoch genug zugeführt wird.

 

Ad 3) Vitamin D fördert die Regeneration von Blutgefäßen

Auch bei dieser Wirkung, die z.B. für Diabetiker besonders interessant sein dürfte, bedarf es einer entsprechend hohen Dosierung, da die im Folgenden beschriebene Wirkform (= Hormon) sonst nicht in ausreichender Menge gebildet werden kann und die erhoffte Wirkung ausbleiben würde.

[…] Mit dieser Erkenntnis könnte die Therapie von Krankheiten verbessert werden, die eine eingeschränkte Gefäßregeneration zur Folge haben. Ein sehr verbreitetes Beispiel für eine solche Erkrankung ist Diabetes. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen wurden [im renommierten Fachjournal] „Circulation“ veröffentlicht [Wong MS, et al.: Vitamin D Promotes Vascular Regeneration. Circulation 2014: 130; 976-986; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA: 114:010650]. Es handelt sich um die erste Studie, die den Zusammenhang von Gefäßregeneration und Vitamin D aufdeckt.

Einnahme von Vitamin D erhöht regenerationsaktivierende Zellen
Im Gegensatz zu vielen anderen Vitaminen, die im Stoffwechsel gebraucht werden, synthetisiert der menschliche Körper aus Vitamin D ein Hormon. Von diesem Vitamin-D-Hormon, 1,25-Dihydroxycholecalciferol, gehen vielfältige Funktionen aus. Es fördert die Kalziumaufnahme im Darm, wirkt dem Kalziumverlust im Knochen entgegen und reguliert damit den Knochenaufbau. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass die Gabe des Vitamin-D-Hormons die Regeneration von Blutgefäßen fördert. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Einnahme von Vitamin D beim Menschen die Menge der im Blut zirkulierenden regenerationsaktivierenden Zellen erhöht. Gleichzeitig konnte im Mausmodell belegt werden, dass die Gabe von niedrigen Dosen des Vitamin-D-Hormons die Heilung von Blutgefäßen beschleunigt. Die bei der Zuckerkrankheit stark eingeschränkte Gefäßneubildung ließ sich damit vollständig normalisieren.

Verbesserte Regeneration durch gesteigerte Produktion von Signalmolekülen
Eine besondere Leistung der Forscher war es, den der Gefäßregeneration zugrundeliegenden Mechanismus nachzuweisen. So konnte belegt werden, dass das Vitamin-D-Hormon die körpereigene Regeneration steigert, indem es die Produktion eines sehr wichtigen Signalmoleküls in der Zelle erhöht. Dieses Hypoxie-induzierbarer Faktor (HIF1α) genannte Protein ist für die Bildung einer Vielzahl wichtiger regenerativer Gewebehormone zuständig. Die Wissenschaftler kommen zum Fazit, dass eine Vitamin-D-Gabe bei Patienten mit eingeschränkter Gefäßregeneration, wie im Falle von Diabetikern, therapeutisch erprobt werden sollte.

Quelle: „Vitamin D fördert die Regeneration von Blutgefäßen“,
Pressemitteilung des Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe-Universität vom 16.09.14 

 

Mit jeder Studie wird der Einsatzbereich von Vitamin D größer und seine Bedeutung und Wichtigkeit nimmt zu. Leider aber sind immer noch nicht im ausreichenden Maße die Empfehlungen der DGE an die aktuelle Studienlage angepasst worden. Die gerade zurückliegende Empfehlung z.B. hat die Dosis bei manifester Osteoporose älterer Menschen mit der Substitutionsmenge von kleineren Kindern mit Infektanfälligkeit durch Mangel an Vitamin D gleichgesetzt, dies sollte schon allein aufgrund der Resorptionseinschränkungen mit zunehmenden Alter und besonders durch obige Ausführungen hinterfragt und dringend nachgebessert werden, da anhand der Empfehlungen sowohl das Verschreibungsverhalten der Ärzte als auch die Erstattung durch die gesetzlichen Kassen gebunden ist. Hier entsteht infolge der Unterversorgung der Volkswirtschaft ein deutlich höherer Schaden durch schwerwiegendere Erkrankungen als Ausgaben für eine Vitamin D Supplementierung entstehen würden.

 

Wir beraten Sie gern bei der Frage, ob ein Vitamin D Supplement in Ihrem Fall sinnvoll ist und ggf. ebenso bei der Auswahl des passend dosierten Präparates, sprechen Sie uns an.

PS: Vitamin D stellen wir Ihnen neben allen anderen Vitaminen auch in unserem Vitamin ABC auf unserer Website vor.