Trockener Garten?
Gelber Rasen, schlappe Blätter, rissige Erde. Trockenheit macht unseren Gärten zu schaffen. Wir müssen gießen – aber richtig. Dann entsteht sogar im Dürre-Sommer ein kleines, grünes Paradies. Von Gabriele Hellwig
Tagelang nur Hitze und kein Regen in Sicht. Unter dem Klimawandel stöhnen nicht nur wir Menschen, auch Gärten, Balkonen und Parkanlagen ist diese Trockenphase anzusehen. Was tun? Täglich Gießkanne und Gartenschlauch zu schwingen, ist zwar gut gemeint, aber die falsche Strategie. Damit Pflanzen – trotz Wärme – prächtig gedeihen, halten Sie sich lieber an eine andere Bewässerungsregel, mit der sich ganz nebenbei sogar noch Wasser sparen lässt.
Gießen, ja. Aber selten
Klingt paradox, ist aber so: Wer jeden Tag gießt, schadet seinen Pflanzen oft mehr als er denkt. Denn so ist die Erde nur oberflächlich feucht und für eine viel zu kurze Zeit – die Wurzeln sind bei Hitze anfälliger und können verkümmern. Besser ist, seltener zu gießen, stattdessen aber kräftig viel. Dringt das Wasser bis tief in den Boden, können Pflanzen starke Wurzeln entwickeln und sich selbst versorgen. Beim Gießen ist also nicht die Häufigkeit entscheidend, sondern die Menge. Noch ein Tipp: Gießen Sie am frühen, kühlen Morgen. Dann verdunstet weniger Wasser, und die Blätter können vor der Mittagssonne gut abtrocknen.
Florale Vorlieben
Tomaten, Rosen oder Apfelbäume – sie alle haben in Sachen Flüssigkeitsnachschub ihre eigenen Vorlieben. Besonders durstig ist Gemüse: Es braucht regelmäßig Wasser, am besten direkt am Boden. Von oben über die Blätter zu gießen, bekommt ihm weniger gut. Zierpflanzen und Stauden mögen es ausgeglichen, im Idealfall gleichmäßig feucht. Und beim Obstbaum lohnt ein genauer Blick: Gegossen wird nicht am Stamm, sondern am äußeren Rand entlang der Kronentraufe. Dort nehmen die feinen Wurzeln das Wasser besonders gut auf.
Heimisch und genügsam
Wer Wasser sparen möchte, setzt am besten schon bei der Pflanzenwahl an. Exoten wie Geranien oder Hortensien vertragen längere Trockenphasen oft schlecht – sie brauchen regelmäßig Feuchtigkeit. Heimische Pflanzen sind dagegen an unser Klima angepasst und meist deutlich genügsamer. Für sonnige, trockene Standorte eignen sich Wildstauden wie Sandthymian oder Karthäusernelke. Auch Gehölze wie Wolliger Schneeball oder Feldahorn bringen selbst an heißen Tagen Farbe und Leben in den Garten.
Den Sommer genießen: Mit der richtigen Pflanz- und Gießstrategie haben Sie weniger Gartenarbeit, dafür mehr entspannte Momente in Ihrem blühenden Paradies.
Schattige Plätze
Pflanzen mit einem hohen Wasserbedarf fühlen sich an halbschattigen Plätzen oder in der Nähe einer Hecke besonders wohl – dort sind sie besser vor Sonne und Wind geschützt. Dagegen kommen Lavendel, Fetthenne oder Salbei mit viel Sonne gut zurecht.
Übrigens: Mulch auf den Beeten hilft, die Feuchtigkeit länger im Boden zu halten. Und ein lockeres Aufhacken der Erde nach dem Gießen kann die Verdunstung zusätzlich bremsen – ganz im Sinn der alten Gärtnerweisheit: „Einmal gehackt ist dreimal gegossen.“
Wilde Wiese, weniger Wasser
Viele Pflanzen ziehen viel Wasser? Falsch gedacht. Durch eine florale Vielfalt im Garten lässt sich das Mikroklima verbessern und das Risiko minimieren, dass der Garten vertrocknet. So dient eine Hecke aus heimischen Gehölzen als Windschutz und spendet dabei Schatten. Die Pflanzen hinter der Hecke sind geschützt und verlieren weniger Wasser durch Verdunstung.
Das gilt auch für den Rasen: Ein zu kurzer Rasen mit nur wenigen Gräserarten gibt bei anhaltender Trockenheit schnell auf. Daher gilt: Lieber weniger mähen und auch Wildkräuter stehenlassen. Noch besser ist eine Wildblumenwiese, die sogar ohne künstliche Bewässerung auskommt.
Leitung oder Regentonne?
Woher kommt Ihr Gießwasser? Aus der Leitung oder aus der Tonne? Regenwasser ist meist die bessere Wahl: Es ist kalkarm, hat einen günstigen pH-Wert und steht kostenlos zur Verfügung. Eine Regentonne am Fallrohr lässt sich schnell einrichten. Wer mehr Wasser speichern möchte, kann über eine Zisterne nachdenken.
Und was ist mit den Tieren?
Expertenrat von Dr. Christine Reinecke, Diplom-Biologin mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde:
„Nicht nur die Pflanzen im Garten leiden unter der Sommerhitze – sondern auch Tiere, die sich dort aufhalten. Und sie sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Um sie gut zu versorgen, stellen Sie im Garten oder auf dem Balkon flache, breite Wasserschalen auf. Vögel trinken und baden darin, Igel und Eichhörnchen stillen ihren Durst, und auch Insekten wie Bienen finden hier wichtige Feuchtigkeit. Damit sie nicht ertrinken, helfen kleine „Landeplätze“ – etwa ein Stein, etwas Moos oder ein Stück Holz im Wasser. Achten Sie darauf, die Schale schattig zu platzieren, damit sich das Wasser nicht zu stark erwärmt. Halten Sie zudem Abstand zu Hunde- oder Katzenplätzen. Wechseln Sie das Wasser täglich, damit der Vogelkot entfernt wird. Stehendes Wasser kann schnell verkeimen.“
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