Vorsicht Fälschung
Immer mehr Fake-Medikamente kursieren im Internet. Wie wir sie erkennen, welche Risiken drohen – und warum die Apotheke vor Ort beim Arzneimittelkauf die sicherste Wahl bleibt. Von Gabriele Hellwig
Da dieses Thema leider akut ist und bleibt, ergänzen wir unsere alten Artikel Vorsicht Fälschung und Teure Schnäppchen nunmehr um diesen Beitrag.
Viele Menschen bestellen Medikamente im Internet – oft, weil es bequem scheint oder weil sie sich günstigere Preise erhoffen. Doch genau dort lauert die Gefahr: Hinter vermeintlich seriösen Online-Shops verbergen sich häufig Betrüger, die gefälschte oder verunreinigte Präparate verkaufen. Nicht nur Lifestyle-Präparate wie Potenz- oder Schlankheitsmittel sind betroffen. „Auch Blutdrucksenker, Schmerzmittel oder sogar Krebsmedikamente werden inzwischen gefälscht“, warnt die Apothekerin Birgit Gräber-Brenner.
Verheerende Folgen
Die Folgen können gravierend sein. „Bei Krebsmedikamenten gab es Fälle, in denen Lösungen verdünnt waren – die Therapie war damit wirkungslos“, berichtet Gräber-Brenner. Besonders gefährlich sind falsche Dosierungen: Unter- oder Überdosierungen bei Insulin oder Blutdruckmitteln können lebensbedrohlich sein. Zudem enthalten Fälschungen häufig Verunreinigungen wie Schwermetalle oder Lösungsmittel, was zu Vergiftungen, Organschäden oder schweren allergischen Reaktionen führen kann.
Apotheke vor Ort: Ihre Sicherheit
Für Laien sind Fake-Packungen vom Original oft kaum zu unterscheiden – für Apotheker schon. „Jede Lieferung wird in der Apotheke doppelt geprüft – bei der Warenannahme und bei der Abgabe“, erklärt Gräber-Brenner. „Dafür haben wir geschultes pharmazeutisches Personal – ein entscheidender Unterschied zum Versandhandel.“ In der Apotheke vor Ort greifen noch weitere Sicherheitsmechanismen, wie sie erläutert: „Jede Packung ist mit einem individuellen Data-Matrix-Code versehen – dem sogenannten securPharm-Code. Wenn wir Apotheker diesen Code scannen, wird er in Millisekunden mit einer europäischen Datenbank abgeglichen. So erkennen wir sofort, ob es sich um ein Original handelt.“ Zusätzlich gibt es einen Erstöffnungsschutz, also eine Lasche oder Perforation, die beim Öffnen zerstört wird. Fehlt sie oder ist sie beschädigt, sollten Sie grundsätzlich vorsichtig sein.
Worauf Sie im Internet achten müssen
Wer Medikamente online bestellt, muss wachsam sein. Ein Impressum auf der Website ist Pflicht – fehlt es, „bestellen Sie dort bitte keinesfalls“, warnt unsere Expertin. Misstrauen ist auch angebracht bei Rechtschreibfehlern, Farbabweichungen, ungewohnter Tablettenform, fehlenden Herstellerangaben oder auffällig niedrigen Preisen. „Wenn die Packung anders aussieht als gewohnt oder der Beipackzettel fehlt, sollten sofort die Alarmglocken läuten“, rät die Apothekerin. Auch das EU-Sicherheitslogo kennzeichnet legale Versandapotheken innerhalb der EU – doch selbst das wird teils gefälscht. „Darum ist auch beim Onlinekauf Vorsicht geboten – hundertprozentige Sicherheit gibt es nur in Ihrer Apotheke vor Ort“, betont sie.
Was tun bei Verdacht?
- Nicht einnehmen: Verdächtige Medikamente niemals verwenden.
- Aufbewahren: Packung und Inhalt vollständig sichern, nichts wegwerfen.
- Zur Apotheke gehen: Vor Ort können Präparate genau geprüft werden.
- Beratung nutzen: Die Apotheke vor Ort unterstützt selbstverständlich auch Patienten, die online bestellt haben – wichtig ist, kein Risiko einzugehen.
- Meldung durch die Apotheke: Besteht ein Verdacht, informiert die Apotheke das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das solche Fälle prüft und bei Bedarf Maßnahmen einleitet.
Bei Fragen oder Verdachtsfällen helfen wir Ihnen natürlich gern vor Ort weiter und beraten Sie.

