Gesunde Ernährung bleibt eine Herausforderung

Am 7. März ist Tag der gesunden Ernährung

Jo Hiller mischt sich gerne ein – in Alltagsthemen, die uns alle angehen, etwa Lebensmittel. Wie sicher sind sie und wo bekommen wir wirklich noch Qualität auf den Teller? Im Interview mit Stefanie Happ spricht der Moderator, Reporter und kritische Kopf des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“ über Mogelpackungen, Mikroplastik im Essen und die Herausforderungen beim Einkauf.

Lieber Herr Hiller, was fasziniert Sie am Verbrauchermagazin und daran, sich in Dinge „einzumischen“, zu denen Normalbürger kaum Zutritt haben?

Ich bin von Grund auf ein neugieriger Mensch. Schon als Kind soll ich bei meinen Eltern ständig nachgefragt haben: „Warum ist das so?“ Die Lust, etwas herauszufinden, hat nie aufgehört. Und so gebe ich mich auch heute noch selten mit der ersten Antwort zufrieden. Dazu kommt, dass ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe. Man könnte auch sagen: Ich lasse mich nicht gerne über den Tisch ziehen. Auch wenn ich mir meine positive Lebenseinstellung bewahrt habe, weiß ich doch, dass es nicht alle Menschen gut mit uns meinen. Wenn wir dabei auf die Lebensmittelindustrie schauen, muss uns bewusst sein: Es ist ein riesiges Geschäft. Konzerne wollen Profit erwirtschaften und nutzen dafür alle rechtlichen Möglichkeiten. Stichwort: Mogelpackung. Es ist erlaubt, Inhalte zu verkleinern bei gleichem Preis – das nennt man Shrinkflation. Für Verbraucher ist das oft schwer zu erkennen und wird uns quasi untergeschoben. Solche Beispiele wollen wir aufdecken, Verbraucher warnen und dafür sensibilisieren, beim Einkauf genauer hinzuschauen.

Welche Tricks der Lebensmittelhersteller haben Sie besonders überrascht oder gar schockiert?

Wir lassen für unsere Sendung oft Lebensmittel im Labor untersuchen – auf Stoffe, die da nicht reingehören. Zum Beispiel Teebeutel. Von den modernen Pyramidenbeuteln kann ich nur abraten, sie bestehen aus Kunststoff. Und offenbar lösen sich Teile der Kunststoffe im heißen Wasser auf und landen in unserem Tee. Lieber die klassischen Teebeutel aus Filterpapier benutzen. Außerdem haben wir Brot und Brötchen genauer analysiert. Ich war überrascht, dass selbst mancher Handwerksbäcker mit Fertigbackmischungen und anderen Hilfsmitteln arbeitet. Technische Enzyme, Emulgatoren und Stabilisatoren sowie Konservierungsmittel kommen leider auch dort viel zu häufig zum Einsatz. Was hat das noch mit Handwerk zu tun? Wer auf Industriestoffe verzichten möchte, sollte sich beim Bäcker seines Vertrauens nach der Zutatenliste erkundigen. Je kürzer diese ist, desto besser. Wasser, Mehl, Salz, Sauerteig, eventuell Nüsse und Kerne – mehr braucht ein gutes Brot nicht. Besonders schockierend war ein Besuch in einer Fleischfabrik. Tausende Schweine werden dort täglich getötet und weiterverarbeitet. Bevor sie mit Kohlendioxid betäubt werden, spielt man ihnen in einer großen Halle beruhigende Musik vor. Das war schon gespenstisch. Schweine sind sensible Tiere, die merken, wenn es ernst wird. Bevor sie in den Tod geschickt wurden, habe ich ihr panisches Quietschen gehört. Das werde ich wohl nie vergessen…

Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken für Verbraucher beim Thema Lebensmittel?

In den meisten Fällen werden Grenzwerte für Schadstoffe in Lebensmitteln eingehalten. Das heißt aber nicht, dass keine drin sind. Das Problem ist die Summe aller Schadstoffe, die wir über Lebensmittel zu uns nehmen. Außerdem wird selten erforscht, ob und wie manche Stoffe miteinander interagieren. Hochverarbeitete Lebensmittel sehe ich daher kritisch. Lieber selbst kochen. Dann kennt man die Zutaten. Außerdem habe ich einen empfindlichen Magen. (lacht)

Was muss sich sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch in unserem Konsum ändern, wenn wir Klimawandel, Umweltschutz und Tierwohl einbeziehen?

Wenn überhaupt, sollten wir nur selten und dann ganz bewusst Fleisch essen und dabei natürlich auf Haltungsformen achten. Auch Fisch sollte aus Umweltgründen nicht zu oft auf den Teller, da im industriellen Fischfang die Methoden oft problematisch sind und viele Arten durch Überfischung bedroht sind. Für Obst und Gemüse empfehle ich: saisonal, regional und gerne in Bioqualität. Aber das muss man sich auch leisten können. Es bleibt also eine Herausforderung, uns alle mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, ohne Klima, Umwelt und Tiere zu belasten.

Schauen Sie selbst beim Einkauf genau hin? Hat sich Ihr eigenes Konsumverhalten durch die Sendung verändert?

Ja, das bringt der Job mit sich. Aber ich habe auch nicht immer Lust, das Kleingedruckte zu lesen. Und da ich oft mehr oder weniger das Gleiche kaufe, habe ich mir meine Lieblingsprodukte ganz genau angeschaut.

Lebensmittelherstellung kritisch zu hinterfragen, dazu gehört Mut. Und Mut beweisen Sie auch in anderen Bereichen. Stichwort Bergsteigen, Skifahren und Kitesurfen. Was bedeuten Ihnen solche Abenteuer?

Wenn ich Sport und Natur verbinden kann, bin ich glücklich. Vor einigen Jahren stand ich zum Sonnenaufgang auf Afrikas höchstem Berg, dem Kilimandscharo, auf fast 6.000 Metern Höhe. Das war ein Erlebnis! Ansonsten versuche ich, Wind und Wetter zu trotzen. Beim Kitesurfen spürt man die Kräfte der Natur besonders. Da bin ich mit Leidenschaft dabei.

Welches Abenteuer steht als Nächstes auf Ihrer Bucket List?

Ich möchte gerne mal nach Island. Dort ist die Natur wild und rau und wenn man Glück hat, findet man dort beeindruckende Orte – ganz für sich allein, fernab der großen Touristenspots. Genau so, wie ich es liebe.

Vielen Dank für das freundliche Gespräch!

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Bild vom Cover des "Naturheilkunde & Gesundheit" Heftes 03/26, aus dem der Text zu diesem Artikel stammt. Der Verlag hat uns die Nutzung freundlicherweise genehmigt.
Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette “Naturheilkunde & Gesundheit” Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.