Kakaokrise: Schlechte Ernten – hohe Preise
Die Kosten für Lebensmittel gehen durch die Decke, besonders bei Kaffee und Schokolade. Wir erklären, was der Klimawandel damit zu tun hat und wie sich die Entwicklung bremsen lassen kann.
Für ein Paket Kaffee aus dem Supermarkt oder einen „Americano“ im Straßencafé müssen wir immer tiefer in die Tasche greifen. Laut Statistischem Bundesamt haben sich die Preise für Kaffee im letzten Jahr um 12,5 Prozent erhöht. Seit 2021 sogar um 31,2 Prozent. Für Kakao verdoppelte sich der Weltmarktpreis in den vergangenen beiden Jahren zeitweise. Auch Olivenöl, Orangen und heimisches Obst befinden sich in der Preisspirale nach oben. Der Grund: Steigende Temperaturen und Wetterextreme führen in den Anbaugebieten zu schlechterer Ernte oder gar zu vollständigen Ernteausfällen. Von Verena Munde.
Lebensmittel-Inflation
Experten sprechen bereits von einer klimabedingten Lebensmittel-Inflation. Bei einer allgemeinen Teuerungsrate von derzeit 2,0 Prozent (Stand Juli 2025) liegt die für Lebensmittel im Schnitt knapp ein Prozent darüber. Und dabei wird es nicht bleiben: In einer gemeinsamen Studie prognostizieren das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und die Europäische Zentralbank (EZB) bis 2035 eine Nahrungsmittel-Inflation von jährlich etwa 3,2 Prozentpunkten. Während die allgemeine Teuerung sich durch eine schlaue Zinspolitik beeinflussen lässt, beeindruckt das den Klimawandel leider gar nicht.
Dürren und Starkregen
Die Klimaerwärmung geht nicht nur mit Dürren einher, auch Starkregen und Überschwemmungen treten häufiger auf. Betroffen sind vor allem die traditionellen Kaffee- und Kakaoanbaugebiete in Afrika, Südamerika sowie in Asien. Doch so weit müssen wir gar nicht schauen: In Griechenland fällt die Olivenernte schon seit einigen Jahren kärglicher aus: Die Früchte sind kleiner und schrumpeliger, das Öl wird zwangsläufig teurer – alles Folgen von hohen Temperaturen und fehlendem Regen. Und in Deutschland haben im vergangenen Jahr späte Nachtfröste die Apfelernte geschmälert und die Preise nach oben getrieben.
Unsichere Transportwege
Doch allein am Klima liegt es nicht. Bei Lebensmitteln, die auf lange Reise bis in unsere Supermarktregale gehen, spielen auch die Transportwege eine Rolle. Aufgrund von Kriegen und Konflikten kommt es zu Verzögerungen. Zentrale Schiffspassagen sind unsicher geworden, lange Umwege und Wartezeiten an der Tagesordnung. Ebenso gehören höhere Zölle zu den Preistreibern. Dass wir demnächst vor leeren Supermarktregalen stehen, ist zwar nicht zu befürchten. Allerdings wird das Angebot schrumpfen und die Preise werden voraussichtlich weiter steigen.
Wege aus der (Klima-)Krise
Um Klimawandel und globalen Handel in den Griff zu bekommen, sind weltweit Anstrengungen im Gang. Was Landwirte und Verbraucher hierzulande tun können? Den Anbau an das Klima anpassen, andere und widerstandsfähigere Sorten anpflanzen oder neue züchten. Allerdings dauern Neuzüchtungen im Schnitt mindestens zehn Jahre. Sortenwechsel funktionieren schneller: So werden in einigen Bundesländern bereits Soja und Erdnüsse geerntet, in Süddeutschland wachsen Melonen. Den Kaffeeanbau nach Europa zu holen, wäre jedoch komplizierter. Dafür muss nicht nur das Klima stimmen. Säubern, Trocknen und Fermentieren der Bohnen erfordern eine spezielle Infrastruktur und geschulte Kräfte. Angesichts des Arbeitskräftemangels in der Landwirtschaft nicht so einfach…
Worauf aber jeder Einfluss hat, ist das Konsumverhalten. In Deutschland landen pro Kopf und Jahr immer noch Lebensmittel im Wert von 372,50 Euro in der Tonne – und weniger Verschwendung ist auch einer der Wege aus der Krise!
Kakaokrise – Schokolade ist Luxus!
Auf dem Weltmarkt werden Kakaobohnen knapp, und der Preis für eine Tafel Schokolade hat sich nahezu verdoppelt. Was passiert in den Anbaugebieten, wie lassen sich die Probleme lösen? Wir fragen Kerstin Weber,
Referentin für nachhaltige Landnutzung bei der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF).
Liebe Frau Weber, Sie haben sich auf das Thema Kakao spezialisiert – wo sehen Sie die Ursachen der Krise?
Extremwetterereignisse wie lange Dürreperioden oder Überflutungen führen zu geringeren Erträgen, verschlechtern die Qualität und können Ernten sogar vollständig zerstören. Seit Jahren wird davor gewarnt, dass die Kakao-Produktion einbrechen wird. Das Internationale Forschungszentrum für Tropische Landwirtschaft (CIAT) sagt voraus, dass bis 2050 etwa 90 Prozent der Flächen in Ghana und an der Elfenbeinküste, also den Hauptanbaugebieten, für Kakao deutlich weniger geeignet sein werden. Doch es kommen noch mehr Faktoren ins Spiel.
Welche?
Anbauweisen wie Monokulturen, die Bäume anfälliger gegenüber Wetter und Krankheiten machen. Aktuell bedroht ein Virus, das „Cacao-swollen-shoot-Virus“ (CSSV), ganze Plantagen. Es breitet sich schnell von Baum zu Baum aus und geht auf die nächste Plantage über. Außerdem sind die Böden ausgelaugt und die Bäume oft schon sehr alt. Auch diese Faktoren treiben die Preise in die Höhe.
Profitieren die Bauern von der Preissteigerung?
Davon kommt leider zu wenig an. Viele Kakaobauern werden ohnehin schlecht bezahlt und leben in prekären Verhältnissen. Durch geringere Ernteerträge fallen wichtige Einkommensquellen weg, das befeuert den Armuts-Kreislauf. Dabei sind die Arbeitskräfte vor Ort entscheidend, um den Kakaoanbau künftig besser an den Klimawandel anzupassen. PS: Schmutzige Schokolade
Hat Kakaoanbau eine Zukunft?
Ja, wenn wir rechtzeitig von Monokulturen auf nachhaltige diversifizierte Agroforstsysteme umsteigen. Verschiedene Bäume und Pflanzen werden so kombiniert, dass sie einander Schatten spenden und die Böden mit mehr Nährstoffen anreichern. So wird die Humusschicht verbessert und Wasser kann in Dürreperioden länger gespeichert werden. Zudem bieten Agroforstsysteme einen Lebensraum für verschiedene Tierarten.
Was können wir als Verbraucher tun?
Wir sollten uns bewusst machen, dass Kakao und Schokoladenprodukte (wieder) Luxus sind, und fair gehandelte Ware aus biologischem Anbau kaufen. Damit allein können wir die Kakaokrise zwar nicht bewältigen, aber zumindest einen Beitrag dazu leisten.
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