Noble Nachtkerze

Die gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) ist zur HEILPFLANZE DES JAHRES 2026 gekürt worden, darum genehmigen wir ihr noch einen zusätzlichen Artikel.

Ein ganz besonderes Gewächs … Die Nachtkerze verzaubert mit ihrem Naturschauspiel und beeindruckt mit ihrer Wirkung auf unsere Gesundheit. Gründe, warum sie als Heilpflanze des Jahres gilt, gibt es viele. Von Stefanie Happ

Die meisten Pflanzen öffnen ihre Blüten am Tag. Sie brauchen das Sonnenlicht und ziehen tagaktive Fluginsekten an – zwecks Bestäubung. Manche Gewächse jedoch richten sich nicht nach diesem Rhythmus; ihre innere Uhr tickt völlig anders. Die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) ist ein Beispiel dafür.

Blüten leuchten wie Sterne

Tagsüber erscheint diese Wildstaude recht unscheinbar: langstielig und krautig. Am Abend aber, wenn die Sonne untergeht, macht’s plopp. Geradezu hörbar springen ihre Knospen zu münzgroßen, goldgelben Schalenblüten auf und leuchten wie Sterne die ganze Nacht hindurch. Dabei verströmen sie einen vanilleartigen Duft, der heimische Nachtfalter und spätfliegende Bienen anlockt. Nach 36 Stunden dann fällt diese Blüte ab, aber unzählige neue Knospen bilden sich den gesamten Sommer lang und erhellen Nacht für Nacht den Garten. Wundervoll!

Wahre Schätze

Die Nachtkerze ist nicht bloß eine Augenweide für alle Nachtschwärmer, sondern ein Genuss für alle Sinne. Sowohl die duftenden Blüten als auch die Blätter sind essbar und schmecken süßlich bei einer leichten Zitrusnote. Der wahre Schatz dieser nachtblühenden Pflanze verbirgt sich jedoch in den kantigen Fruchtkapseln. Jede einzelne davon enthält rund 200 schwarzbraune, stecknadelkopfgroße Samen. Aus ihnen lässt sich ein hochwertiges Öl pressen, das in der Medizin und in der Hautpflege nicht mehr wegzudenken ist. Linolensäure steckt darin, eine ungesättigte Fettsäure, die antientzündlich wirkt – innerlich wie äußerlich. „Dieser Vorzug wird leider noch unterschätzt“, weiß der Heilpraktiker Konrad Jungnickel. Er ist der Jury-Vorsitzende des Naturheilvereins NHV Theophrastus und stellt nun die Gewöhnliche Nachtkerze als Heilpflanze des Jahres 2026 in den Mittelpunkt.

Für Haut und Hormone

„Besonders bei Neurodermitis und Ekzemen kann das hochwertige Samenöl sehr hilfreich sein“, so Konrad Jungnickel. Es lässt entzündete Wunden abheilen und lindert den Juckreiz. Noch dazu hat es sich im Anti-Aging-Bereich bewährt, weil es die trockene, alternde Haut mit viel Feuchtigkeit versorgt. Die moderne Forschung bestätigt damit, was man im Herkunftsland der Nachtkerze schon längst weiß. In Nordamerika nutzten die indigenen Einwohner die Nachtkerze damals schon zur Behandlung von Hautausschlägen. Aus der ganzen Pflanze kochten sie Aufgüsse, die Magen und Darm guttun, Hustenkrämpfe lösen und sogar Frauenleiden lindern sollten. Heute wissen wir, dass Linolensäure tatsächlich einen ausgleichenden Einfluss auf den Hormonhaushalt hat. Nachtkerze ist daher ein natürliches Mittel gegen Zyklusstörungen, PMS, Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden. Insgesamt soll sie die Therapie von Erkrankungen unterstützen, die mit einem erhöhten Bedarf an Linolensäure oder mit einem Mangel an essenziellen Fettsäuren verbunden sind. Dazu zählen allergisches Asthma, Rheuma und Herz-Kreislauf-Probleme. Ein Tausendsassa also.

Der NHV Theophrastus
kürt seit mehr als 20 Jahren die „Heilpflanze des Jahres“ und bringt sie durch Veröffentlichungen und Projekte der Öffentlichkeit näher. Mehr Informationen: www.nhv-theophrastus.de

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Bild vom Cover des "Naturheilkunde & Gesundheit" Heftes 01/26, aus dem der Text zu diesem Artikel stammt. Der Verlag hat uns die Nutzung freundlicherweise genehmigt.
Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette “Naturheilkunde & Gesundheit” Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.