Social Media – Suchtfalle für Kids?
Instagram, TikTok und Co. gehören zum Alltag längst dazu, auch für Kinder und Jugendliche. Ab wann kann der Konsum gefährlich und zur Sucht werden und wie gelingt ein verantwortungsvoller Umgang mit den sozialen Medien?
In Deutschland sind schon Zehn- bis 17-Jährige täglich rund zweieinhalb Stunden auf Social-Media-Plattformen unterwegs, an Wochenenden fast vier Stunden täglich – so die DAK-Mediensucht-Studie. „Hinzu kommen laut dieser Untersuchung noch täglich 105 Minuten Computerspiele, am Wochenende 170 Minuten“, sagt Professor Dr. Christian Montag, Psychologe und Professor für Kognitions- und Hirnwissenschaften an der Universität Macau/China. Verena Munde möchte wissen: Kann man da schon von einer Sucht sprechen?
Die Alarmsignale erkennen
„Während Computerspiel-Abhängigkeit, auch Gaming Disorder genannt, bereits eine eigenständige Diagnose ist, gilt das für Social-Media-Abhängigkeit noch nicht. Denn relevante Forschung im Bereich der Neurobiologie ist noch nicht ausreichend,“ erklärt Professor Montag. Aber so viel weiß man: Viele Likes und Follower sprechen das Belohnungssystem im Gehirn an – das kann süchtig machen, ähnlich wie der Konsum von Zucker oder Nikotin.
Für eine „Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung“ könnten laut Professor Montag folgende drei Kriterien sprechen: „Erstens Kontrollverlust: Wir möchten die Nutzung reduzieren, schaffen es aber nicht. An zweiter Stelle steht die Priorisierung: Soziale Medien stellen dabei den absoluten Fokus im Leben dar und andere, vormals wichtige Dinge geraten in den Hintergrund. Als dritten Fakt nennen wir das Ignorieren von Problemen: Wer beinahe die ganze Nacht am Bildschirm hängt, morgens Termine verschläft und trotzdem nichts am Social-Media-Konsum ändert, zeigt ein Problemverhalten.“ Trifft das vor allem auf jüngere Menschen zu?
„Das gehört in den Schulunterricht: Wissen, wie Digitalität aufs Gehirn wirkt.“
Jugendliche stärker gefährdet
„Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen jüngerem Alter und einer stärkeren suchtähnlichen Nutzung der Social-Media-Plattformen“, erklärt der Psychologe. Dies liege an der Gehirnentwicklung. Bei Jugendlichen ist der präfrontale Kortex, zuständig für die Selbstregulation, noch nicht vollständig ausgebildet. Ihnen fällt also schwerer als Erwachsenen, sich vom Bildschirm loszureißen. Dass durch exzessive Smartphone-Nutzung die Aufmerksamkeit und Konzentration leiden, liegt auf der Hand. „Allerdings zeigt eine Studie aus den USA, dass nach zweiwöchiger Internetabstinenz auf dem Smartphone die Aufmerksamkeit deutlich steigt“, so Professor Montag.
Falsche Vorbilder, riskante Inhalte
Leider bieten die Plattformen auch Raum für Mobbing, Stalking und Fake-Profile. „Als negative Aspekte sind etwa auch die Konfrontation mit nicht altersadäquaten Inhalten (Gewalt, Pornografie) und unrealistischen Schönheitsidealen sowie der soziale Aufwärtsvergleich zu nennen“, ergänzt der Experte. So kann der Vergleich mit scheinbar perfekten und erfolgreichen Influencern zu Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Körper führen, was möglicherweise Essstörungen begünstigt.
„Likes und viele Follower zu bekommen, aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und kann zu exzessiver Nutzung von Social Media führen.“
Plattformen sicher nutzen
Sollte der Zugang altersbeschränkt sein, erst ab 16 Jahren wie in Australien? „Ich bin mir nicht sicher, ob der Einstieg dann möglicherweise zu spät ist. Es geht ja auch um digitale Teilhabe“, gibt Professor Montag zu bedenken. Besser findet er eine zuverlässige Überprüfung der bereits existierenden Altersvorgaben (teilweise ab 13 Jahren) und eine stärkere Regulierung der Plattformen. Auch sind Eltern in der Pflicht – als Kontrollinstanz und Vorbild – sowie die Schulen.
Wie hält es der Professor persönlich?
„Ich nutze soziale Medien, aber zumeist stationär vom Computer oder Laptop aus. Das hilft, nicht jede freie Minute auf den Plattformen zu verbringen. Daher: Handy auch mal weglegen.
Weitere Artikel zu Themen rund um das mobile Endgerät finden Sie auch hier im Flora-Blog.
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