Sonne & Haut – Die größten Irrtümer

In Sachen Sonnenbaden ist alles sonnenklar? Schön wär’s. Rund um den Hautschutz im Sommer kursieren viele Mythen. Welche sind wahr und was blendet uns bloß? Von Stefanie Happ.

Mythos 1: Mit einem hohen LSF werde ich nicht braun.

Heiß diskutiert. Doch diesen Mythos können Sie kalt stehenlassen. Auch mit einem hohen Lichtschutzfaktor 50 werden Sie braun. Warum auch nicht? Schließlich filtert die Sonnencreme lediglich die schädliche UV-Strahlung, blockiert sie aber nicht vollständig. Ein Teil erreicht die Haut trotzdem und regt die Melaninproduktion an. So kommt das dunkle Farbpigment unserer Haut langsam in Fahrt und sorgt für eine langsame, aber dafür nachhaltige Bräune. Manche Sonnenöle haben sogar eine integrierte Bräunungsaktivierung. Diese Produkte versprechen eine schnellere und trotzdem langanhaltende Tönung der Haut.

Mythos 2: Es ist bewölkt. Also brauche ich keine Sonnencreme.

Doch! Bei bedecktem Himmel können wir die Sonne zwar nicht direk t sehen, aber sie ist trotzdem da. 85 Prozent der Strahlungsintensität dringt auch durch die Wolkendecke. Eine leichte Bewölkung streut das Licht und erhöht möglicherweise den UV-Index sogar. Deshalb: Sonnencreme ist immer angesagt – bei jedem Wetter, auch im Schatten. Außerdem kommt Licht nicht nur von oben, ein nicht unerheblicher Teil wird von Wasser, Sand und Gebäuden reflektiert.

Laut Studien ist die Intensität der Sonneneinstrahlung seit den 1990er-Jahren um 10% gestiegen. Daher ist UV-Schutz heute wichtiger denn je. [Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz]

Mythos 3: Hautkrebs bekommen nur alte Menschen.

Stimmt nicht! Auch immer mehr junge Menschen sind vom gefährlichen schwar zen Hautkrebs betroffen. Unter den 20- bis 29-jährigen Frauen ist er sogar die häufigste Krebserkrankung. Als Gründe vermutet man frühe Sonnenbrände im Kindesalter, als die Haut noch sehr viel empfindlicher war als jetzt. Die Haut vergisst halt nichts. Jede übermäßige UV-Strahlung bleibt im Erbgut gespeichert. Die Zellschäden summieren sich und können zu Hautkrebs führen. Das größte Hautkrebsrisiko haben jedoch laut Arztreport dann doch die früheren Generationen. Besonders die Babyboomer, geboren ab Ende der 1950er-Jahre, aalten sich damals in der Sonne – unbeschwert und ungeschützt. Jahrzehnte später nun ist die Zahl der Hautkrebsfälle unter den über 60-Jährigen auf rund 417.000 pro Jahr gestiegen – nahezu doppelt so viele wie vor 20 Jahren.

Mythos 4: Nach einem Sonnenbrand werde ich braun.

Dieser Satz gehört unbedingt ins Reich der Schatten. Denn ein Sonnenbrand kann die Haut niemals auf Bräune vorbereiten, im Gegenteil. Er schädigt die Haut und kommt einer Brandverletzung gleich. Statt braun zu werden, schält sich die Haut im Lauf des Heilungsprozesses. Darunter kommt eine hellere, gereizte Schicht zum Vorschein. Von Bräune keine Spur. Vielmehr erhöht jeder Sonnenbrand das Hautkrebsrisiko.

Wie trage ich Sonnencreme richtig auf?

Expertenrat von Apothekerin Birgit Gräber-Brenner:

„Viel hilft viel – beim Sonnenschutz stimmt das. Also langen Sie zu. Drei bis vier Esslöffel Sonnencreme brauchen Sie für Ihren Körper. Im Gesicht verteilen Sie etwa die Menge eines halben Teelöffels. Häufig vergessene Partien sind Ohren und Nacken… Und die sogenannten Sonnenterrassen – Nase, Stirn, Wangenknochen und Lippen – brauchen eine Extraschicht. Als Zeitfenster gilt: Eine halbe Stunde, bevor es nach draußen geht, eincremen. So kann sich der Schutz entfalten – das dauert nämlich eine Weile. Daher: Nicht erst am Strand eincremen – dort sollten Sie jedoch den Schutz nach etwa zwei Stunden erneuern, besonders nach dem Baden, Abtrocken und Schwitzen. Auch wasserfeste Sonnencreme hält nun mal nicht den ganzen Tag!

Übrigens: Die bereits geöffnete Tube vom Vorjahr entsorgen Sie lieber, nicht nur weil die Creme darin ihren Schutz verliert. Der UV-Filter Octocrylen kann mit der Zeit ‚zerfallen‘ und sogar mehr schaden als nutzen. Inzwischen gibt es viele Produkte ohne diesen Wirkstoff und ohne Mikroplastik – meist sind sie im Bereich Naturkosmetik zu finden. Sie enthalten Zinkoxid oder Titandioxid, also mineralische Filter, und haben gleich mehrere Vorteile: Sie wirken sofort nach dem Auftragen. Meistens sind sie frei von synthetischen Substanzen und daher für sensible Haut gut geeignet. Auch einen Umweltaspekt bringen sie mit: Sie schädigen die Ökosysteme und Korallenriffs nicht in dem Maß, wie man es bei Octocrylen festgestellt hat. In Ihrer Vor-Ort-Apotheke beraten wir Sie gerne bei der Wahl Ihrer Sonnencreme und auch zur Anwendung.“

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Bei Fragen helfen wir Ihnen natürlich gern weiter und beraten Sie.

Bild vom Cover des "Naturheilkunde & Gesundheit" Heftes 07/26, aus dem der Text zu diesem Artikel stammt. Der Verlag hat uns die Nutzung freundlicherweise genehmigt.
Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette “Naturheilkunde & Gesundheit” Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.