Alte Pomeranze !?

Betitelt man jemanden als „alte Pomeranze“, so ist dies mit Bezug auf die schrumpelige Haut und den bitteren Geschmack der gleichnamigen Frucht des gleichnamigen Baumes eine unschöne Beleidigung.

„Landpomeranze“ ist heutzutage eher eine abwertende Bezeichnung für Mädels vom Dorf. In früheren Zeiten jedoch bezeichnete man so ein Mädchen vom Land mit gesund geröteten Wangen, leuchtend wie die Früchte und damit gesund und heiratswürdig einzustufend.

Das goldanmutende Leuten der Früchte führte wohl auch zu der Namensgebung Pomeranze (pomum = Apfel, aurum = Gold). Sie ist eine Kreuzung aus Pampelmuse und Mandarine (wie auch die Apfelsine) und gehört dementsprechend zu den Zitruspflanzen. Im Barock zierte sie viele Orangerien, sicher auch wegen ihrer winterhärte. Zumeist kennt man sie als Kübelpflanze (obwohl der Baum bis zu 10m hoch werden kann), die zum Überwintern in unseren Breitengraden dann meist doch ins Gewächshaus umgestellt wird.

Die gold-orangenen Früchte sind zwar roh kaum genießbar, aber für Marmeladen, Orangat und div. Öle unersetzbar. Allein die Duft-Industrie zieht dreifach Nutzen aus der Pflanze: Aus den Schalen gewinnt man Bitterorangenöl, aus den Blütenblättern Neroliöl und aus grünen Blättern, Zweigen und unreifen Früchten Petitgrain.

In der Heilkunde werden getrocknete Pomeranzenblüten als mildes Sedativum eingesetzt. Die Schale wirkt verdauungsfördern und appetitanregend, findet dementsprechend Anwendung bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden. Bei Anwendung vom Pomeranzenschale auf ausreichenden UV-Schutz achten, da die enthaltenen Furanocumarine zu erhöhter UV-Sensibilität führen können.

In der Schale der Frucht befinden sich zahlreiche Exkretbehälter, in denen ätherishes Öl ist, welches zum größten Teil aus dem Terpen (chemischen Verbindungen, die als sekundäre Inhaltsstoffe in Organismen natürlich vorkommen) „Limonen“. Dies ist leider als potentes Allergen bekannt, kann also bei dem einen oder anderen eine Allergie hervorrufen.

Der bittere Geschmack kommt übrigens von Flavonoiden wie Naringin und Neohesperidin. Bitter ist zwar eigentlich ein Fressschutz der Pflanze, aber den Menschen stört das nur bedingt: So haben Bitterstoffe viele positive Effekte auf uns, das können Sie unserem Artikel „Bitterstoffe sind nützlich!“ entnehmen.

 

Man sieht also, dass Pflanze und Frucht ein großes Potential in vielen Bereichen bieten und der Begriff Pomeranze somit eher als Kompliment denn als Beleidigung verstanden werden sollte…

 

Quelle: Die PTA, Sept. 2016, S.30ff sowie eigene Ausführungen