Allergie – Fehldeutung des Immunsystems

Allergien sind chronisch bzw. chronisch-rezidivierend, schränken Leistungsfähigkeit sowie Lebensqualität ein und bedingen erhebliche sozio-ökonomische Belastungen. Betroffene sehen sich oftmals einer Bagatellisierung ihres Leids gegenüber, was Ihnen zusätzliche Probleme beschert. Die Symptome sind von der Art der Allergie abhängig und können in den verschiedensten Schweregraden auftreten, im Extremfall sogar tödlich sein. Also alles andere als eine Bagatelle!

 

Bei vielen Menschen prägt sich eine Allergie nicht von Anfang an aus sondern erst wenn er des Öfteren mit allergieauslösenden Stoffen in Kontakt kommt und zudem auch weitere Umweltfaktoren zum Tragen kommen.

Jeder kann Allergien entwickeln. Eine Veranlagung dazu kann durch Vererbung gegeben sein. Sind beide Eltern Allergiker, so steigt das Risiko für ihre Kinder um 50 und mehr Prozent. Die Art der Allergie wird allerdings nicht vererbt.

Insbesondere in den Industrienationen hat die Zahl der allergischen Erkrankungen deutlich zugenommen. Beobachtungen untermauern die Annahme des „Doktor Natur“, denn Kinder, die auf dem Land aufwachsen, ganz besonders die auf Bauernhöfen, sind besser vor Allergien und Asthma geschützt, da das Immunsystem trainieren kann. Die Sterilität der Großstadt lässt dem Immunsystem Raum für Fehleinschätzungen und „Umtriebigkeit“. Besonders deutlich war dies nach der Wiedervereinigung, als direkte Vergleiche von Ost- und Westdaten möglich waren. In den ostdeutschen Bundesländern waren deutlich weniger Kinder von Heuschnupfen und allergischen Atemwegserkrankungen betroffen. Binnen zehn Jahren nach der Wiedervereinigung hat sich dieses „Ungleichgewicht“ nahezu ausgeglichen, insbesondere bei nach 1991 geborenen Kindern.

Darüber hinaus wird angenommen, dass die Keime der Mutter das Kind schützen, bei einer Entbindung durch Kaiserschnitt fehlt jedoch genau dieser Kontakt. Letztlich sind Einzelkinder, vielmehr Einzelgänger, gefährdeter, denn durch den fehlenden Kontakt zu anderen Kindern fehlt ein weiteres Trainingsfeld des Immunsystems.

 

Wie aber entsteht eine Allergie?

Erforderlich ist eine Sensibilisierung mit den Allergenen (Antigene).

Im Blutstrom des Körpers zirkulieren u.a. die Monozyten, die sich beim Auftauchen einer Infektion durch bestimmte dort im Infektionsfall vorhandene Stoffe zu Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems verwandeln. Es ist quasi eine Patrouille in Zivil, die bei Gefahr die Uniform anzieht und loslegt. Dabei nehmen die Fresszellen die Allergene in ihr inneres auf, bauen sie ab und machen den vermeintlichen Feind somit zunächst unschädlich. Wie gesagt „den vermeintlichen Feind“, hier wird schon deutlich, dass sich das Immunsystem auf Abwegen befindet, da das Allergen zumeist ein völlig natürlicher Stoff und kein Feind ist.

Das Immunsystem will aber für einen erneuten Angriff besser und schneller gerüstet sein und dafür kann die Fresszelle etwas ganz besonderes, sie bilden an Ihrer Oberfläche die Struktur des Allergens nach und zeigt auf diese Weise den T-Zellen „Guck mal, das hier war der böse Eindringling“, fast wie ein 3D-Fahndungsfoto. Wegen dieser formwandlerischen Fähigkeit spricht man jetzt nicht mehr von Fresszelle sondern von einer Antigen-präsentierenden Zelle (APC).

Ebenfalls im Blutstrom schwimmen die T-Helferzellen (T für Thymus), Sie verfügen über einen sog. T-Zell-Rezeptor (TCR) der die Präsentation des Allergens durch die Antigen-präsentierenden Zelle (zuvor Fresszelle) erfasst und die T-Zelle animiert, spezielle Botenstoffe (Zytokine) auszusenden, welche wiederum die ebenfalls zunächst inaktiven B-Zellen (B-Lymphozyten) aktivieren.

Diese B-Zellen (B für Bursa fabricii) bilden die Grundlage für das spezifische humorale Immunsystem. Aktiviert durch die Zytokine, beginnen sie genau auf diesen einen Feind abgestimmte, spezifische Antikörper (genauer gesagt IgE-Antikörper, also Antikörper vom Immunglobulin-Typ E) zu bilden und sind dadurch für die adaptive Immunreaktion verantwortlich. Ein kleiner Teil der B-Zellen greift nicht aktiv in den Kampf ein sondern wird zu B-Gedächtniszellen (“B memory cells”), welche die Antigeninformationen und somit die Bauform des ideal passenden Antikörpers für eine schnellere Reaktion (Immunantwort) bei einem erneuten Angriff dieses Feindes auch in ferner Zukunft speichern.

Die gebildeten IgE-Antikörper heften sich nunmehr an die Oberfläche von sog. Mastzellen an, die überall im Körper, vornehmlich aber in den Schleimhäuten vorkommen. Nun ist der Körper gegen einen erneuten, vermeintlichen Angriff gerüstet, die Sensibilisierung ist erfolgt.

Bei einem weiteren Kontakt (Zweitkontakt) mit dem Allergen werden die Allergene von den IgE-Antikörpern auf der Mastzellenoberfläche abgefangen und sorgen so für die Degranulation der Mastzelle. So nennt man die Zellreaktion der B-Zelle die zur Ausschüttung von Sekreten wie Histamin, Proteoglykane, Serinproteinasen, Prostaglandine, Leukotriene sowie Cytokine führt. Diese Stoffe helfen bei echten Angriffen z.B. bei der Wundheilung oder der Abwehr von Pathogenen (potentiell krankmachenden Stoffen).

Die übermäßige Freisetzung von Histamin bedingt allerdings viele Allergien wie Asthma bronchiale oder Nesselsucht (Urtikaria) verbunden mit den bekannten Allergiesymptomen. Der Zweitkontakt hat somit zu einer allergischen Reaktion geführt.

Eine Allergie ist also eine Missinterpretation des Immunsystems, das glaubt, einen vermeintlichen Feind zu bekämpfen. Ob und wann eine Erstsensibilisierung stattfindet (das kann auch nach Jahren permanenten Kontaktes mit Allergenen noch passieren, i.d.R. sinkt das Risiko jedoch mit zunehmendem Alter) ist wie oben erwähnt von vielen Faktoren und letztlich auch dem Erbgut abhängig.

Was hilft einem nun aber das Wissen um den Weg vom Allergen zur Histaminreaktion?

Klar ist, dass im Körper kleine Wächter sind, die bei Kontakt mit dem betreffenden Stoff unverzüglich und ohne „nachzudenken“ ihre Pflicht tun und reagieren. Das führt letztendlich zur Histaminausschüttung und der allergischen Reaktion. Die Wächter sind nun aber da, die bekommt man nicht oder nur schwer (vgl. unten spezifischen Immuntherapie) wieder weg. Somit gibt es nur eine Hilfe, nämlich den Reiz zu vermeiden. Um dies tun zu können, ist es unvermeidlich, sich auf die Suche nach dem auslösenden Stoff zu machen. Dazu braucht es in der Regel die Hilfe eines Arztes (Dermatologe, Immunologe), der mit verschiedenen Tests dem Übeltäter hoffentlich auf die Spur kommt. Leider ist es gar nicht so leicht und manchmal gar unmöglich, den genauen Auslöser auszumachen und dann ist es teilweise auch noch extrem schwierig, diesem aus dem Weg zu gehen.

Hinzu kommt, dass Allergiegebeutelte über ein übereifriges Immunsystem verfügen, das gern auch mal weitere Stoffe als Feinde deklariert und somit zusätzliche Allergien entwickelt. So ist der häufigste Auslöser von Heuschnupfen (allergische Rhinokonjunktivitis) der Kot von Hausstaubmilben. Manchmal geht es dann weiter mit Allergien gegen Nüsse, tropische Pflanzen, Katzenhaaren, Schimmelpilzen oder weiteren Nahrungsmitteln. Solche Allergien können sich aber auch unabhängig entwickeln, da gibt es keine Bedingungen oder Reihenfolgen.

Auch in der Heftigkeit der Reaktion gibt es individuelle Unterschiede. Der Extremfall und die gefährlichste Form einer sog. Typ-I-Allergie (Allergie vom Soforttyp, das ist die häufigste Form. Die Reaktion setzt binnen Minuten oder gar Sekunden ein) ist der anaphylaktische Schock. Hier reagiert der gesamte Körper plötzlich und heftig und das kann sogar bis zum Tode führen. Gefährdete müssen bei Gefahr sehr schnell reagieren, ihr Anaphylaxie-Notfallset mitführen und allein zum Selbstschutz die Menschen in ihrem Umfeld informieren. Treten Symptome wie Schwindel, kalter Schweiß, Rötungen und Schwellungen der Haut, Atemnot, schneller Puls und Herzrasen sowie Durchfall und Erbrechen auf, rufen Sie lieber schnell den Notruf (Telefon 112) und leiten sie ggf. erste Hilfsmaßnahmen wie Benutzung des Anaphylaxie-Pens sowie Schocklagerung mit hochgelegten Beinen ein. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt mit den für Sie notwendigen Maßnahmen vertraut machen.

Generell verlaufen soche Entzündungsreaktionen immer auch über die Produktion freier Radikale, die zum Teil auch eine Aufgabe als Botenstoff erfüllen. Eine weitere Therapiemöglichkeit liegt somit im Abfangen der entstandenen Radikale in den jeweiligen Bereichen, so kann man z.B. mit Vitamin C, Selen, Taurin, AKG (Alphaketoglutarsäure) sowie Carnosin effektiv Radikale im wässrigen Zellmilieu „fangen“, die Vitamine A (besonders in Form von natürlichen Carotinoiden sowie Lycopin und Astaxanthin), E (idealerweise als Tocotrienole) und D (moduliert in hohen Dosen das Immunsystem) sowie Alpha-Liponsäure sind insbesondere im Zellmembranbereich und Mitochondrium effektive Schutzmaßnahmen gegen „freie Radikale“. Sprechen Sie uns gern an, wenn Sie weiterführende Informationen oder Studien wünschen oder falls wir Ihnen eine angepasste, orthomolekulare Lösung entwickeln sollen.

Wie gesagt ist es teilweise unmöglich, den peinigenden Stoffen aus dem Weg zu gehen. Um z.B. im Falle von Heuschnupfen einem sog. Etagenwechsel hin zum allergischen Asthma (Asthma bronchiale), also der Verlagerung in die Bronchen entgegenzuwirken aber auch bei jeder anderen Allergie ist die Zuhilfenahme von Arzneien zumeist unerlässlich. Einige lindern Symptome, andere blockieren entzündungsfördernde Botenstoffe, dritte verhindern die Histaminproduktion etc. Die Vielzahl von Allergien und passenden Wirkstoffen mit ihren Vor- und Nachteilen aufzulisten, würde hier den Rahmen sprengen. Aber immerhin, es gibt Hilfe für viele Fälle. Bei Betrachtung des Pollenflugkalenders würde es sonst für viele bedeuten, 3-4 Monate im sterilen Raum zu verbringen, was wohl kaum mit dem echten Leben vereinbar wäre.

Auch gibt es bei Typ-I-Allergien den Ansatz der spezifischen Immuntherapie (SIT) oder Hyposensibilisierung. Mit langsam ansteigenden Allergen-Dosen (gespritzt oder unter die Zunge gelegt) wird versucht, dem Organismus beizubringen, dass es sich um keinen zu bekämpfenden Feind handelt. Ganzheitlich gibt es Möglichkeiten, per Bioresonanz oder NAET (Nambudripad’s Allergy Elimination Technique) ist der Markenname einer alternativen Behandlungsmethode, deren Einsatz zur Linderung oder Beseitigung von Allergien und Unverträglichkeiten, sowie anderer Stressfaktoren auf körperlicher, physiologischer und emotionaler Ebene propagiert, um somit der Allergie entgegenzutreten. Ob eine solche Therapie in einem individuellen Fall Erfolg bringen kann, gilt es, zusammen mit einem Arzt oder geeigneten Therapeuten herauszufinden.

Wir bieten Ihnen an, Sie in einem persönlichen und individuell abgestimmten Gespräch zu beraten.

PS: Einen Pollenflugkalender finden Sie auch auf unserer Website: http://www.flora-pharm.de/pollenflug.htm

Sprechen Sie uns an.

Quellen:

  • Immunsystem auf Abwegen, PTA Professional, März 2015, S. 32 ff.
  • Weißbuch Allergie in Deutschland, Hrsg.: J. Ring, C. Bachert, C.-P. Bauer, W. Czech, 3. Aufl., München 2010
  • RKI – Allergien