Mücken-Mythen: Süßes Blut, Licht und Knoblauch
Wer denkt da nicht an Vampire? Tatsächlich sind im Sommer wieder blutrünstige Biester unterwegs. Über wen machen sie sich am liebsten her und wie halten wir sie uns wirklich vom Leib? Darüber kreist viel Irrsinn. Die sechs kuriosesten Mücken-Mythen hat Stefanie Happ hier für Sie entlarvt.
Mythos 1 – Mücken lieben süßes Blut.
Haben Mücken ein Lieblingsopfer, heißt es gerne: „Du hast sicher süßes Blut.“ Damit möchte man uns nicht selten unterstellen, unser Schokokonsum sei zu hoch und dies mache uns für Stechmücken so unwiderstehlich. Das ist jedoch insofern Unsinn, weil es erstens keinen Lebenssaft mit lieblichem Aroma gibt. Zweitens ist den Blutsaugern diese zuckrige Geschmacksrichtung schnuppe. Und doch spielt die Zusammensetzung unseres Blutes eine gewisse Rolle. Sie bestimmt nämlich unseren individuellen Körpergeruch. Zum Teil ist es also genetisch bedingt, ob die Stechmonster auf uns fliegen oder nicht. Noch dazu gibt es Düfte, die Mücken magisch anziehen, Schweiß etwa. Laut Studien liegt’s an Carbonsäuren, die den typischen Käsefuß-Geruch erzeugen. Für uns extrem unangenehm, für Mücken aber ein Gedicht. Vor dem Schlafengehen zu duschen, kann also durchaus dazu beitragen, dass wir von der Stech-Attacke verschont bleiben.
Übrigens: Wissenschaftler aus Japan haben herausgefunden, dass Menschen mit Blutgruppe 0 bevorzugt von Mücken angezapft werden. Warum, das weiß man noch nicht genau.
Mythos 2 – Licht lockt Mücken an.
„Licht aus! Sonst kommen die Mücken rein.“ Schon hundertfach gehört und noch immer ist diese Behauptung nicht hieb- und stichfest. Die brennende Lampe lässt die Mücke kalt. Etwas ganz anderes zieht sie durchs gekippte Fenster zu uns ins Schlafzimmer hinein, nämlich unser Atem. Genauer: Die verbrauchte Luft, die wir ausstoßen, enthält Kohlendioxid. Das ist ein Lockstoff, den die kleinen Blutsauger aus 50 Metern Entfernung wittern können und der ihnen signalisiert: Mahlzeit! Denn wo geatmet wird, fließt auch der leckere, rote Saft durch die Arterien. Um nicht zum „gefundenen Fressen“ der Mücke zu werden, nützt es also wenig, alle Räume zu verdunkeln. Was hilft dann? Nicht atmen? Keine Lösung. Fenster zu schließen, ist hingegen schon besser. Fliegengitter und Moskitonetze lassen die meisten Mini-Vampire draußen, oftmals aber nicht alle.
Mythos 3- Spucke gegen Stiche.
Immerhin eine gute SOS-Maßnahme, wenn gerade kein anderes Mittel in greifbarer Nähe ist. Speichel hat eine leicht desinfizierende Wirkung und durch die Flüssigkeit wird das Mückengift ausgespült. Auch der Kühleffekt bringt erste Linderung. Noch hilfreicher ist Hitze. Daher erfreuen sich die neuartigen Stichheiler aus der Apotheke immer größerer Beliebtheit. Sie basieren auf einer Wärmetherapie-Technologie und sind kinderleicht zu bedienen. Per Knopfdruck wird das kleine Keramikplättchen an der Spitze des Stiftes auf etwa 45 Grad erhitzt. Den Stab wenige Sekunden kurz über den Stich halten, schon juckt nichts mehr. Kein Hautkontakt, kein Cremen oder Schmieren, keine Nebenwirkungen. Passt außerdem in jede Handtasche!
Mythos 4 – Knoblauch vertreibt die Mini-Vampire.
Abends reichlich Knoblauch essen und die Mücken rümpfen angewidert die Nase – wie die Vampire im Fernsehen? Leider nein. Höchstens Ihr Bettnachbar sucht das Weite, die surrenden Blutsauger jedoch lassen sich von schwefeligen Ausdünstungen nach Knofi-Genuss nicht beeindrucken. Es gibt sogar eine kleine Studie, für die sich 50 Testpersonen dem Selbstversuch ausgesetzt und Omas Hausmittel widerlegt haben. Echte Wunderwaffen gegen die penetranten Plagegeister gibt’s dennoch. DEET und Icaridin sind Wirkstoffe, die zu den sogenannten Repellents gehören, also insektenvertreibende Vergrämungsmittel.
Sie bilden einen Duftfilm auf der Haut, der einen Effekt hat wie ein unsichtbarer Schutzpanzer. Mücken prallen an ihm regelrecht ab und können dadurch selbst den für sie so verführerischen Schweißgeruch nicht mehr wahrnehmen. Der Nachteil daran: Es handelt sich dabei um chemische Substanzen, die zu Haut- und Atemwegsreizungen führen können. Mit weniger Nebenwirkungen kommen die rein pflanzlichen Anti-Mücken-Mittel aus. Sie enthalten ätherische Öle aus dem Zitroneneukalyptus – ein Kraut, das Mücken mächtig stinkt.
Mythos 5 – Mücke ist gleich Mücke.
Stimmt nicht. Weltweit gibt es etwa 3.500 verschiedene Arten. Bei uns leben circa 50 davon – aber es werden mehr. Die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke breiten sich hierzulande aus. Sie gelten als gefährlicher als unsere heimischen Plagegeister, weil sie Krankheiten wie das Dengue- oder das West-Nil-Fieber übertragen können. Von purer Panikmache raten Experten jedoch ab. Exotische Mücken können uns nur dann damit infizieren, wenn sie vorher einen Menschen gestochen haben, der daran erkrankt ist. In der Regel unterscheiden sich die Stiche kaum, als wenn uns eine hiesige Mücke erwischt hat. Es kann jedoch zu allergischen Reaktionen kommen.
Übrigens: Eine Tigermücke ist drei bis zehn Millimeter groß, schwarzweiß gefärbt und sehr stechfreudig – auch tagsüber. Wer ein Exemplar sieht, ist zwar nicht zur Meldung verpflichtet. Empfohlen wird jedoch, fremdartige Stecher zu fotografieren und bei Plattformen wie KABS e.V. oder mueckenatlas.com einzureichen.
Mythos 6 – Mücken mögen’s magisch.
Offenbar haben Mücken tatsächlich einiges mit Graf Dracula gemeinsam. Nicht nur, weil zur Geisterstunde ihre Zeit beginnt. Sie bevorzugen zudem auch noch dunkle Kleidung. Das kleine Schwarze zur Gartenparty anzuziehen, sieht vielleicht geheimnisvoll und sexy aus, macht uns aber auch für Mücken zum Objekt der Begierde. Aus der Biologie wissen wir: Insekten können Dunkles einfach besser erkennen. Also tragen wir lieber helle Klamotte, am besten ganz leger mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. Zwar können die zweiflügligen Nachtschwärmer sogar durch den Stoff stechen. Weißes hat dennoch den Vorteil: Wir sehen die Mücke besser, ehe sie ihren Saugrüssel durchbohren will.
Finden Sie hier im Flora-Blog auch weitere Artikel über Mücken und deren Abwehr bzw. die Nachbehandlung von Stichen.
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