Grüne Apotheke für alle Fälle
Kratzen im Hals, Ziehen im Bauch oder eine schlaflose Nacht? Kleine Wehwehchen kommen meist überraschend. Gut, wenn Sie vorbereitet sind und mit dem passenden Mittel schnell und trotzdem sanft gegensteuern können. Welche Heilpflanzen gehören also unbedingt in Ihr medizinisches Kräuterkistchen? – Von Stefanie Happ
Kamille – die Allrounderin
Eine Pflanze – viele Einsatzgebiete. Kamille gehört ins Dampfbad, wenn ein Schnupfen im Anmarsch ist. Denn in ihren weiß-gelben Blüten steckt Bisabolol, ein Wirkstoff, der die Reizung in den Nasenschleimhäuten lindert und dort die Entzündung an der Wurzel packt. Doch Kamille kann noch viel mehr: Sie besänftigt einen nervösen Magen, wirkt entspannend auf das Gemüt und hilft bei gereizter, zu Rötungen neigender Haut. Ein echtes Multitalent.
Anwendbar als Tee, Dampfbad, Umschlag oder Salbe. In der Apotheke gibt es Kamillenblüten in Arzneiqualität, auch in Form von Extrakt oder Konzentrat erhältlich.
Thymian – pure Atemkraft
Bei Husten: Thymian! Sein würziges Aroma duftet schon nach Heilung. In den kleinen buschigen Blättchen stecken stark wirksame ätherische Öle. Thymol und Carvacrol wirken sowohl antibakteriell auf die Krankheitserreger, als auch extrem schleimlösend. Thymian verschafft spürbare Erleichterung bei hartnäckigem Husten, etwa einer Bronchitis. Am besten wirkt er in flüssiger Form als Sirup oder Hustensaft – in Kombination mit Efeu sogar doppelt gut.
Für Kinder ist der weiße, deutlich mildere Thymian besser geeignet. Fragen Sie in Ihrer Apotheke.
Spitzwegerich – der Reizlinderer
Schmale, spitz zulaufende Blätter – und darin steckt ein weicher Kern: Schleimstoffe, die sich wie ein Schutzfilm auf gereizte Rachen-Schleimhäute legen. Dazu wirken Gerbstoffe leicht entzündungshemmend. Spitzwegerich beruhigt trockenen Reizhusten, lindert Halskratzen und hilft auch bei kleinen Insektenstichen.
Anwendung: Sirup, Tee, Lutschtabletten oder frischer Blätterpresssaft.
Eukalyptus – reine Raumluft
Der Duft macht’s. Eukalyptus stimuliert die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut und gibt so das Gefühl, freier atmen zu können. Eines der besten Anti-Schnupfenmittel, das die Natur zu bieten hat. Denn das ätherische Öl mit dem Wirkstoff Cineol wirkt sekretlösend und abschwellend. Anwendbar in Form der Aromatherapie – also im Vernebler für eine reine Raumluft – oder als Kapsel zum Einnehmen. Erkältungssalben zum Eincremen der Brust enthalten außerdem oft Kiefernnadelöl, das die schnupfenstillende Wirkung des Eukalyptus unterstützt.
Für Babys und Kleinkinder allerdings nicht geeignet.
Fenchel – frei von Völlegefühl
Zu üppig gegessen und jetzt macht sich ein übles Völlegefühl breit? Dann sind zerstoßene Fenchelsamen das Mittel der Wahl. Zusammen mit Anis und Kümmel bilden sie ein verdauungsförderndes Heilpflanzentrio. Denn die ätherischen Öle aus allen drei Samen entspannen die Magen-Darm-Muskulatur und wirken noch dazu entblähend.
Arzneitee, Kombi-Präparate und Bauchwohl-Öl zum Einreiben gibt’s in Ihrer Apotheke. Bei Kindern nur äußerlich anwenden.
Pfefferminze – der kühle Kopf
Die Vielseitige. Pfefferminze enthält Menthol, das kühlend wirkt, Krämpfe löst und die Verdauung ankurbelt. Pfefferminze hat sich – ebenso wie Ingwer – bei Übelkeit bewährt. Patienten mit dem Reizdarmsyndrom haben Pfefferminzöl-Kapseln am besten immer griffbereit. Und wer zu Spannungskopfschmerzen neigt, profitiert von speziellen Roll-ons mit ätherischem Pfefferminzöl für die Schläfen – macht einen klaren, kühlen Kopf.
Erhältlich als Tee, Kapseln und Öl.
Calendula – die Hautheilerin
Schürfwunde am Knie oder in den Finger geschnitten? Kleine Hautverletzungen heilt Calendula, zu Deutsch Ringelblume, auf die milde Weise und trotzdem ganz schnell. Auch ein wunder Kinderpopo fühlt sich mit einer solchen sanften Salbe bald wieder an wie taufrische Pfirsichhaut. In den orangefarbenen Blütenblättern stecken Carotinoide, die entzündungshemmend wirken und die Wundheilung beschleunigen. Perfekt bei rissiger, trockener Haut und leichten Entzündungen.
Anwendung: Salbe, Tinktur, Öl oder Waschung.
Lavendel – die Anti-Angst-Blume
Viele Studien bescheinigen dem Lavendel eine ruhefördernde, angstlösende Wirkung. In stressigen Zeiten also, wenn Sorgen den erholsamen Schlaf verhindern wollen, stoppt Lavendel dieses Gedankenkarussell. Linalool aus den violettfarbenen Blüten beruhigt nachweislich das Nervensystem. Allein der aromatische Duft wirkt beruhigend, daher kann ein Kissenspray mit Lavendel Wunder wirken. Kapseln zum Einnehmen lösen ebenfalls die innere Unruhe.
Anwendung: in Kapselform, als Tee oder Raumduft.
Arnika – die Gelbe Kraft bei Prellungen
Die leuchtend gelben Blüten sind ein Klassiker in der Hausapotheke. Helenalin, ein Inhaltsstoff in Arnika, wirkt entzündungshemmend und abschwellend. Ideal bei Prellungen, Verstauchungen, Muskelkater und stumpfen Verletzungen. Perfekt nach kleinen Haushalts- oder Sport-Unfällen.
Anwendung: äußerlich als Gel, Tinktur, Salbe. Nicht auf offene Wunden!
Warum ist Fencheltee für Kinder ungeeignet?
Expertenrat von Apothekerin Isolde Meyer: „Jahrzehntelang galt Fencheltee als beliebtes Naturheilmittel gegen Bauchweh – vor allem für die ganz Kleinen. Inzwischen aber rät die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) davon ab. Schuld ist Estragol, ein aromatischer Bestandteil ätherischer Öle, der in den Fenchelsamen steckt. Laut Untersuchungen kann Estragol die Leber schädigen und in hoher Konzentration sogar krebserregend sein. Kinder unter vier Jahren, aber auch Schwangere und Stillende sollten daher möglichst selten und dann nur wenig Fencheltee trinken. Als Alternative bieten sich Kümmelsamen an. Zugegeben schmeckt der Aufguss nicht besonders gut und die wenigsten Kinder mögen ihn. Kamillentee geht aber immer! Außerdem ist Wärme sehr heilsam fürs Babybäuchlein. Ein knisterndes Kirschkernkissen oder eines der niedlichen Wärmetiere aus Ihrer Apotheke ist eine Wohltat – für die Seele auch.“
Sprechen Sie uns gern auf das Thema an und lassen Sie sich von uns ganz individuell beraten.

