Erst baden, dann Blasenentzündung
Die Freibadsaison beginnt. Ab in die Fluten! Doch hinterher Schmerzen beim Wasserlassen? Das kann leicht passieren und braucht eine Behandlung – möglichst sanft.
Planschen im Pool, Schwimmen im Meer – herrlich! Baden unter freiem Himmel gehört doch zu den größten Sommerfreuden. Spätestens aber, wenn die Blase brennt und die Toilette zu Hause zum meist besuchten Ort wird, ist der Badespaß vorbei. Warum eigentlich folgt auf das Vergnügen im kühlen Nass so häufig ein fieser Harnwegsinfekt? Und wieso sind meistens Frauen betroffen? – Von Stefanie Happ
Nasser Bikini und Bakterien
Die Antwort darauf finden wir nicht nur im Wasser, sondern auch im und auf dem weiblichen Körper. Der feuchte Badeanzug, der so eng auf der Haut liegt, lässt den Unterleib auskühlen. Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung der Harnwege und Erreger aus dem Wasser haben leichtes Spiel. Denn der Pool kann noch so sauber erscheinen – zu 100 Prozent keimfrei ist er nicht unbedingt. Womöglich tummeln sich Darmbakterien der Badegäste darin. Auch andere Verunreinigungen finden ihren Weg – bei Frauen gelangen diese Übeltäter besonders leicht dahin, wo sie die Entzündung auslösen. Über die Harnröhre, die bei der Frau um das Zehnfache kürzer ist als beim Mann, ist es bis zur Blase nur ein Katzensprung. Noch dazu reizt das Chlorwasser aus dem Schwimmbecken die empfindliche Blasenschleimhaut und schwächt ihre Widerstandskraft. In Nullkommanichts haben sich Keime dort eingenistet und können sich rasend schnell vermehren. Innerhalb nur kurzer Zeit spüren Frauen dies durch ständigen Harndrang. Das Ergebnis auf der Toilette sind lediglich ein paar mickrige, trübe Tröpfchen. Dafür machen die Krämpfe im Unterbauch umso größere Probleme. Ja, eine Zystitis, wie die Blasenentzündung medizinisch heißt, ist unangenehm. Kommen Fieber, starke Flankenschmerzen und Blut im Urin dazu, gehen Sie zum Arzt. Im eher „unkomplizierteren“ Fall können Sie sich selbst helfen – mit Naturarznei aus Ihrer Apotheke und altbewährten Mitteln.
Ehrliche Entspannung
Ausruhen ist das A und O – auch wenn Sie sich nach wenigen Tagen wieder fit fühlen. Harnwegsinfektionen, die nicht richtig auskuriert sind, können wiederkehren und fließend in eine Reizblase übergehen. Gefährlich wird es außerdem, wenn die Nieren Schaden nehmen. Daher: Jeder Blaseninfekt braucht eine Behandlung und die nötige Ruhe.
Sanfte Sitzbäder
Eine Blasenentzündung einfach aussitzen? Aber nur in einem etwa 38 Grad warmen Sitzbad mit Kamillenextrakten aus Ihrer Apotheke. Denn in den gelb-weißen Blüten steckt Bisabolol, ein Wirkstoff, der die gereizte Blasenschleimhaut beruhigt, den Unterleib entkrampft und die Heilung unterstützt. Zehn bis 15 Minuten sollte ein Sitzbad dauern, danach wickeln Sie sich in eine weiche Decke ein und entspannen.
Tee trinken
Aber nicht irgendeinen. Die Natur hat etliche Heilpflanzen, die sich für die Gesundheit der Harnwege bewährt haben. Birke, Bärentraube und Brennnessel wirken wassertreibend und helfen, Keime aus der Blase zu spülen. Goldrute gilt sogar als Multitalent. Mit ihren ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Flavonoiden kann sie die Entzündung hemmen und Krämpfe lösen. Tees in Arzneiqualität, speziell für Blase und Nieren, gibt es in Ihrer Apotheke. Nur diese Produkte haben eine gesicherte Wirkung und für sie gelten gewisse Regeln: drei bis fünf Tassen pro Tag sollten es bei einer akuten Blasenentzündung sein.
Wohlige Wärme
Wärme fördert die Durchblutung und lindert krampfartige Schmerzen. Im Fall einer Blasenentzündung leistet die gute, alte Wärmflasche auf Ihrem Unterleib also immer noch zuverlässige Dienste. Wahlweise erfüllt ein Kirschkernkissen den gleichen Zweck. Und ein niedliches, flauschiges Wärmetier aus Ihrer Apotheke ist zugleich eine Wohltat für die Seele.
Krasse Kresse
Kapuzinerkresse gilt als pflanzliches Antibiotikum. Diesen guten Ruf hat sie ihren leuchtend-gelben und feurig-roten Blüten zu verdanken, die so scharf schmecken, weil sie randvoll mit Senfölglycosiden sind. Ihre antibakterielle Wirkung kommt in Fertigarzneien aus Ihrer Apotheke zur vollen Geltung.
Homöopathie für die Harnwege
Cantharis ist das meist genutzte Homöopathikum bei einer akuten Blasenentzündung mit brennenden Schmerzen und ständigem Harndrang. Es stammt von der spanischen Fliege … Wer das aus ethischen Gründen nicht verwenden möchte, weicht auf Aconitum aus. Das Mittel aus dem blauen Eisenhut eignet sich im Anfangsstadium, wenn ein erstes Ziehen und Zwicken beim Wasserlassen einen Blaseninfekt ankündigt. Insbesondere wenn die Beschwerden durch Nässe und Kälte ausgelöst sind – etwa nach einem Freibadbesuch –, dann versuchen Sie es mit Nux vomica (Brechnuss).
Vitalpilze
Vitalpilze aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) können bei einer Blasenentzündung unterstützen, indem sie das Immunsystem aktivieren. Insbesondere bietet sich Coriolus versicolor, auch Schmetterlingstramate genannt, an. In diesem fächerförmigen Pilz mit seinen charakteristischen grau-braunen Ringen stecken viele Polysaccharide, also komplexe Kohlenhydrate, die unsere Abwehrkräfte stimulieren. Sehr hilfreich, um die Erreger bei einem akuten Harnwegsinfekt möglichst schnell loszuwerden. Den perfekten Partner hat Coriolus mit Cordyceps. Dieser sogenannte Raupenpilz soll laut TCM das Nieren-Qi stärken und wird daher auch vorbeugend und bei wiederkehrender Zystitis eingesetzt.
Kann ich vorbeugen – für einen Sommer ohne Harnwegsinfekt?
Expertenrat von Apothekerin Isolde Meyer:
„Auf jeden Fall – etwa mit D-Mannose. So nennt sich ein cleverer Wirkstoff, der sich sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von Blaseninfektionen eignet. Es handelt sich dabei um eine natürliche Zuckerart, die mit Glucose verwandt ist. Der Körper kann sie kaum verstoffwechseln und scheidet sie nahezu vollständig wieder aus. Das bedeutet, Nebenwirkungen sind kaum zu befürchten. Stattdessen bindet sich D-Mannose an E.-coli-Bakterien in der Blase und blockiert sie. Dadurch können die Keime nicht mehr an der Blasenwand andocken und werden schließlich mit dem Urin ausgespült.
Sehr ähnlich wirkt Cranberry. Die intensiv rote Moosbeere, wie sie bei uns heißt, enthält Proanthocyanidine, die das Anhaften von Keimen erschweren. Den hochkonzentrierten Cranberry-Saft empfehle ich gerne Frauen, die häufig unter Harnwegsinfektionen leiden. Wenn Ihnen das Elixier zu sauer schmeckt, probieren Sie die Kapseln.
Was Sie außerdem nach dem Schwimmen im Badesee, Pool oder Meer tun sollten: duschen, um Chlor und Keime abzuwaschen. Dann raus aus den nassen Badesachen und trockene Kleidung anziehen. Viel trinken und dann können Sie hoffentlich unbeschwert den Sommer genießen!“
Lesen Sie auch: Blase – Die weibliche Schwachstelle? Und weitere Artikel rund um die Blase.
Gesundheit aus Ihrer Apotheke – die Beratung gibt es natürlich kostenlos, individuell und gern dazu.

