Wenn Mann nicht kann

Die Lust ist da, der Penis streikt: Erektionsstörungen sind belastend, müssen aber kein Schicksal bleiben. Es gibt Hilfe.

Erektile Dysfunktion – für Mediziner ist dieser Befund nichts Ungewöhnliches, für betroffene Männer hingegen oft eine Katastrophe. Ärzte sprechen davon, wenn das Glied bei den meisten »Versuchen« nicht steif genug wird. Vielen Betroffenen gelingt es trotz sexueller Erregung nicht, eine ausreichende Erektion zu bekommen. Andere können sie nicht so lang aufrechterhalten, wie es für befriedigenden Sex erforderlich wäre. Wenn‘s im Bett nicht mehr klappt, fühlt sich manch ein Mann als Versager, schämt sich … und schweigt. Das ist sicherlich verständlich, doch keinesfalls zielführend. Denn nur, wer sich dem Arzt anvertraut, kann Hilfe bekommen.

Von Andrea Neuen

Gar nicht peinlich

Erektionsstörungen sind keine Seltenheit und im höheren Lebensalter sogar weitverbreitet. Schätzungen zufolge hat jeder dritte 60- bis 69-Jährige damit zu tun, ab 70 Jahren jeder zweite Mann. In den meisten Fällen gibt es dafür körperliche Ursachen. So erschlafft mit den Lebensjahren die Muskulatur des Beckenbodens und die maximale Durchblutung des Penis lässt nach. Hinzu kommt, dass viele Männer Krankheiten haben, die mit Erektionsstörungen einhergehen können. So führt zum Beispiel eine Arterienverkalkung an den Herzkranzgefäßen oder in den Beinen häufig dazu, dass auch die Schwellkörper im Penis nicht mehr genügend mit Blut versorgt werden. Diabetes mellitus, hormonelle Störungen, neurologische Leiden und Operationen im Beckenraum, etwa bei Prostatakrebs, gehören zu den weiteren Auslösern. Mitunter ist die Erektionsschwäche auch Frühwarnsymptom einer bislang unentdeckten Krankheit, weist beispielsweise auf Diabetes oder ein Herz-Kreislauf-Leiden hin. Schon deshalb ist es wichtig, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Der Hausarzt kann der erste Ansprechpartner sein, Spezialisten sind Urologen und Ärzte für Männerheilkunde (Andrologen).

Gut behandelbar

Die beruhigende Nachricht: Erektionsstörungen können erfolgreich behandelt werden. Welche Therapie infrage kommt, hängt nicht zuletzt von den individuellen Ursachen ab. Viele Männer entscheiden sich, der Standfestigkeit mit Medikamenten auf die Sprünge zu helfen. Mittel der Wahl sind sogenannte PDE-5-Hemmer, vielen besser als Viagra und Co. bekannt. Sie fördern die Durchblutung des Penis. PDE-5-Hemmer müssen vom Arzt verschrieben und meist aus eigener Tasche bezahlt werden. Vorteil: Die Erfolgsquote liegt bei etwa 80 Prozent.

Viele Alternativen

Die Naturheilkunde setzt mitunter auf Yohimbin, einen Wirkstoff aus der Rinde eines afrikanischen Baumes, der auch als »Potenzholz« bezeichnet wird. Der Apotheker kann hierzu beraten. Eine weitere Behandlungsoption ist die Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie, bei der sich der Mann vor dem Sex mit einer dünnen Nadel ein Medikament in einen Schwellkörper des Penis spritzt. Zum Einsatz kommen auch Vakuumpumpen. Diese mechanischen Helfer sorgen dafür, dass mehr Blut in den Penis strömt und so eine Erektion entsteht. Bleiben andere Therapien erfolglos, kommt eine Penisprothese infrage.

Das Ego aufpolieren

Auch psychologische Beratungen und eventuell eine Psychotherapie können hilfreich sein. Denn selbst wenn die Potenzschwäche organische Gründe hat, geht sie oft mit seelischen Sorgen, Selbstzweifeln und Partnerschaftsproblemen einher. Gespräche mit Profis können betroffenen Männern neue Denkanstöße geben, Versagensängste nehmen und nicht zuletzt auch das angeknackste Ego wieder aufrichten.

Standhaft bleiben

  • Ein gesunder Lebensstil tut auch der Potenz gut. Wichtig: Nicht rauchen und wenig Alkohol trinken.
  • Gezieltes Beckenbodentraining kann bei erektiler Dysfunktion hilfreich sein – und das ohne Nebenwirkungen.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport fördern die Durchblutung, auch die des Penis. Vorsicht ist allerdings beim Radfahren geboten: Falsche Haltung und ein ungünstiger Sattel können Erektionsproblemen Vorschub leisten.
  • Erhöhte Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte müssen auf Normalniveau gesenkt werden. Gesundes Essen und Abbau von Übergewicht helfen dabei.
  • Finger weg von dubiosen Stimulanzien aus dem Sexshop oder Präparaten aus unseriösen Internetquellen. Diese »Potenzpillen« sind bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls gesundheitsschädlich. Wirksame und sichere Arzneimittel sind in der Apotheke erhältlich.

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