Functional Drinks – Superfood oder überflüssig?
Protein-Shakes, Kollagen-Drinks, Probiotika-Shots – das klingt nach mehr als nur einem Getränk. Was sollen diese Zusätze in sogenannten Functional Drinks bewirken und braucht unser Körper sie wirklich? Wir haben eine Expertin gefragt: Daniela Krehl, Oecotrophologin und stellvertretende Leiterin des Referats Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V. erklärt im Interview mit Vera Munde, ob es sich wirklich um edle Tropfen handelt oder ob alles nur teures Wasser ist.
„Drinks sind allenfalls eine Ergänzung, aber kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.“ [Daniela Krehl]
Functional Drinks sind derzeit der Hype in sozialen Medien. Warum? Was steckt in diesen angeblich so besonderen Getränken?
Diesen Getränken werden Inhaltsstoffe zugegeben, die einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen – etwa Muskelaufbau, bessere Verdauung oder schönere Haut. Ein Trend, der dem Lebensgefühl unserer Zeit entspricht: Alles soll möglichst schnell und am besten „to go“ funktionieren, auch unsere Gesundheit. Schauen wir mal genauer auf die Zusatzstoffe.
Was bringen etwa Proteindrinks, die es in großer Auswahl schon in jedem Supermarkt gibt?
Sie sollen beim Muskelaufbau helfen und lange satt halten. Für Menschen mit erhöhtem Proteinbedarf – etwa im Leistungssport, im Alter oder bei Krankheit – können sie sinnvoll sein. Ansonsten lässt sich der Eiweißbedarf problemlos über Lebensmittel decken, mit Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Eiern, Fisch, Fleisch, Tofu und Nüssen. Die meisten Menschen hierzulande sind gut versorgt und brauchen keine extra Proteine.
Wie steht’s mit Kollagen für die Haut oder dem Leistungsbooster Kreatin als Zusatz? Können wir Schönheit und Fitness wirklich trinken?
Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass Kollagen in Getränken die Haut von innen pflegt, strafft oder gar verjüngt. Im Gegenteil: Kollagen wird im Verdauungstrakt in Aminosäuren zerlegt und der Körper entscheidet dann, wo die Bausteine gerade gebraucht und eingesetzt werden – also nicht automatisch in der Haut. Getränke mit Kreatin als Zusatz werden häufig als Lifestyle- Produkte für mehr Leistungsfähigkeit und Fitness vermarktet. Wissenschaftlich belegt ist, dass Kreatin die körperliche Leistung bei kurzzeitigen, hochintensiven Belastungen wie Krafttraining oder Sprintsportarten verbessern kann. Für Menschen ohne regelmäßiges Intensivtraining sind die Effekte deutlich geringer oder nicht nachweisbar. Kreatin führt zudem zu erhöhter Wassereinlagerung in den Muskelzellen, wodurch das Körpergewicht insbesondere zu Beginn der Einnahme steigen kann. Langfristig kann Kreatin in Kombination mit Krafttraining jedoch den Muskelaufbau unterstützen.
Beliebt sind auch Apfelessig-Drinks zum Abnehmen und Probiotika-Shots für einen gesunden Darm – halten wenigstens die, was sie versprechen?
Leider auch hier Fehlanzeige. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für Apfelessig als Stoffwechsel-Booster oder Fatburner. Allerdings greift die Säure die Zähne an und kann Magenprobleme verursachen. Für prä- und probiotische Zusätze ist nicht belegt, dass sie die (Darm-)Gesundheit positiv beeinflussen. Und solche Werbeaussagen sind für Lebensmittel verboten. Unserem Darm können wir auch mit fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut und Joghurt sowie ballaststoffreicher Ernährung etwas Gutes tun.
Apropos Ballaststoffe – „High-Fibre-Limos“ stehen derzeit hoch im Kurs. Sie sollen Defizite ausgleichen. Was bewirken Ballaststoffe und sind wir tatsächlich unterversorgt?
Ballaststoffe sind wichtig für Verdauung und Darmflora, sättigen, regulieren Blutzucker und Cholesterin, können Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes vorbeugen. Täglich 30 Gramm empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und im Schnitt nehmen wir nur die Hälfte davon auf. Der Grund: Auf dem Speiseplan stehen meist zu wenig natürliche Ballaststofflieferanten wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, dafür aber reichlich hoch verarbeitete Lebensmittel.
Welche Ballaststoffe stecken in den Limos und verwertet der Körper sie auch?
Häufig enthalten die Getränke isolierte Ballaststoffe wie Inulin, Dextrine, Akazien- oder Maisfasern. Sie können die Verdauung unterstützen und sättigen, sind aber nicht vergleichbar mit natürlichen, ballaststoffreichen Lebensmitteln. Diese liefern zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und erfordern Kauarbeit.
Ab und zu ein Ballaststoff-Drink ist also in Ordnung. Worauf sollten wir da achten?
Auf Zucker, Kalorien, den Ballaststoffgehalt und weitere Zusätze. Viele Produkte enthalten zwischen vier und sieben Gramm Ballaststoffe, was immerhin etwa ein Fünftel bis ein Viertel der empfohlenen täglichen Ballaststoffzufuhr ausmacht. Kritisch zu betrachten ist der sogenannte „Health-Halo-Effekt“, den die Auslobung von „High Fibre“, „Protein plus“ oder „Probiotika“ erzeugt. Damit erscheinen die Drinks automatisch gesund und erhalten eine Art Heiligenschein, obwohl es sich eigentlich nur um einen Softdrink handelt. Wer zu viel von den (ziemlich teuren) Limos trinkt – in bester Absicht, um etwa auf die 30 Gramm Ballaststoffe täglich zu kommen –, kann sich Blähungen und Bauchmerzen einhandeln. Ab und zu eine Ballaststoff-Limo mit wenig Zucker und ohne sonstige Zusätze kann nicht schaden. Ein Superfood ist sie aber nicht und eine ausgewogene Ernährung ist immer noch das Beste.
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