Kinder und Arzneimittel

Oft werden Eltern mit ihrem kranken Kind und den Medikamenten allein gelassen, dabei stehen Kind und Eltern jetzt vor der Bewährungsprobe, die Medikamente einzunehmen bzw. verabreichen zu müssen. Dabei entwickelt manch kleiner Liebling kreative Verweigerungsmethoden, die durch unkontrollierte Bewegungen auch durchaus schmerzhaft enden können, da ist lautes Schreien fast schon die wünschenswertere Strategie.

Auf unserem Foto ist zu sehen, dass auch große Kapseln mit einem Lächeln eingenommen werden können. Nicht zu sehen in diesem Foto ist übrigens die Aufsichtsperson, die das Foto gemacht hat. Wir erwähnen das so explizit, da es oberstes Eltern-Gebot sein muss, NIEMALS Medikamente in der Reichweite von Kindern aufzubewahren!

Aber zurück zur Einnahme/Verabreichung: Wir bitten Sie, gerade bei kleinsten und kleinen Kindern, bei JEDEM Medikament nach der PASSENDEN Darreichungshilfe zu FRAGEN. Machen Sie nichts, dass Sie später bereuen könnten oder wobei Sie unsicher sind, um nicht ggf. durch eine falsche Behandlung  der Darreichungsform eine unerwünschte oder gar fehlende Wirkung zu erzeugen!

Die Arznei-Verweigerungsgründe liegen bei Kindern z.B. in Geschmack, Form, Größe, Beschaffenheit oder Farbe des Medikaments, aber auch in der Darreichungsform (z.B. Suppositorium, also Zäpfchen, die auch Scham oder Schmerzen auslösen können). Der Erwachsene kann in aller Regel Selbstbeherrschung walten lassen, das können/wollen Kinder nur bedingt bzw. Kleinstkinder können es noch nicht. Zuviel Stress kann sogar den heilenden Effekt sehr negativ überlagern.

 

Viele Medikamente für spezielle Anwendungszwecke sind für die pädiatrische Anwendung (also für den Bereich der Kinderheilkunde) nicht richtig dosiert und müssen verdünnt oder geteilt werden. Die Hersteller produzieren oftmals nur Erwachsenenportionen, die für Kinder entsprechend geteilt, verdünnt etc. werden müssen. Wenn Sie z.B. Probleme bei der Berechnung von Verdünnungen oder Zubereitungen haben oder eine Anweisung auch einfach akustisch nicht verstanden haben, fragen Sie lieber nach, legen Sie keinen falschen Stolz an den Tag. Es gibt keine dummen Fragen, außer man stellt Sie nicht!

Wussten Sie z.B., dass Sie ein Zäpfchen leichter und sehr viel genauer zerteilen können, wenn Sie es entlang seiner Längsachse mit einem angewärmten Messer teilen?

 

Die Pharma-Hersteller haben das Problem erkannt und versuchen mit verschiedenen Strategien dieser Problematik Herr zu werden (das zahlt sich ja auch wirtschaftlich aus, wenn die Kinder das Medikament gerne wieder nehmen wollen).

Allerdings möchten wir Ihnen ans Herz legen, bei jedem Medikament dem Kind und sich selbst zu verdeutlichen, dass die Arznei zwar hilft und unterstützt ,z.B. im Fall von Bagatellerkrankungen auch durchaus ein Trostpflaster, Heilungskuss  oder nur intensive  Zuwendung eine Förderung der Selbstheilung bewirken können und auch eine gewisse Vorbeugung durch Lebensart, Hygiene, Ernährung, Bewegung etc. ein Übriges tut. Machen Sie darüber hinaus Ihrem Kind deutlich, dass es selbst zur Heilung beiträgt und auch allein gesund werden kann, die Arznei ihm nur hilft, schneller gesund zu werden, Sätze wie z.B. „Du musst das Mittel nehmen, sonst wirst Du nicht gesund.“ sollten vermieden werden. Ihr Kind sollte erfahren, nicht auf die Medikamente alleinig angewiesen zu sein, um die selbstbestimmte und grundlegend in uns verankerte,  autonome Fähigkeit zu einem selbstregulierenden System mitzunutzen. „Es hilft Deinem Körper, selbst mit der Erkrankung schneller fertig zu werden.“; Schulmediziner würden dies u.U. den Placebo Effekt nennen, der gerade bei Kindern aber sehr stark aufgeprägt sein kann, wenn man diesen zulässt und somit positiv nutzt.

Die Kraft der Selbstheilung ist eine äußerst starke Waffe gegen fast alle Krankheiten, lesen Sie hierzu auch gern in unserem Blog (http://www.flora-pharm.de/blog/selbstheilung-durch-spiritualitaet/). Sie verhindern damit auch, dass Ihr Kind ggf. später Erkrankungen „erfindet“ oder instrumentalisiert, als Beispiele seien der typische Bauchschmerz gegen den Schulgang  (dieser kann jedoch u.U. auch ein ernstzunehmender Hinweis auf eine Stressüberforderung oder eine ernste Erkrankung, z.B. Blinddarmentzündung, sein und sollte genau hinterfragt werden!), Kopfschmerzen gegen Lernen, Hautjucken etc. genannt.

Das Wichtigste: Dass Art und Dauer der Anwendung notiert und deutlich kommuniziert werden, betrachten wir in unserer Apotheke als selbstverständlich, allerdings ist das in der täglichen Hektik des Alltages nicht immer und überall so. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Anweisungen richtig verstanden haben, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker und nehmen Sie sich bitte auch etwas Zeit, wenn Ihnen eine Beratung angeboten wird, es sind bestimmt einige gute, ergänzende Tipps dabei. Einige Besonderheiten und die Wichtigkeit richtiger Dosierung sowie Darreichung haben wir auch auf unserer Internetseite im Artikel „Kinderarznei“ notiert.

 

Welche Probleme erwarten mich bei welcher Darreichungsform?

 

Peroralia, also durch den Mund einzunehmende Arzneien

Das können z.B. Säfte, Tropfen, Sirupe, Dragees, Tablette oder Kapseln sein.

Im Regelfall ist die Einnahme schmerzfrei und ohne fremde Hilfe möglich. Nachteilig sind mögliche Reizungen des Verdauungstraktes (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) sowie Wechselwirkungen mit parallel zugeführter Nahrung. Bei flüssigen Produkten ist der Alkoholgehalt zu berücksichtigen, ebenso Unverträglichkeiten gegenüber geschmacksüberdeckender Komponenten. Bei den festen Formen sind große, im Ganzen zu schluckende Pillen das größte Problem. Fragen Sie im speziellen Fall nach Hilfsmaßnahmen. Man kann nicht generell die Pille in z.B. Fruchtbrei gehüllt schlucken, da eventuell genau dieser Brei die Wirksamkeit beeinflusst. Ebenfalls gibt es selbst bei gleichen Medikamenten, z.B. Säften, unterschiedliche Geschmäcker. Wenn Sie wissen, welcher Geschmack Ihrem Kind gut zusagt oder von welchem Hersteller dies schon einmal gut funktioniert hat, geben Sie dies ruhig mit an bei der Abgabe des Rezeptes oder beim Beratungsgespräch in der Apotheke.

 

Rektale Arzneimittel

Gerade jedoch beim Kleinkind ist die Anwendung fiebersenkender und schmerzhemmender Zäpfchen oftmals sinnvoll, da sie den Magen-Darm-Trakt nicht belasten und meist problemloser appliziert werden können.

Zur leichteren Verabreichung sollte das Kind auf einer Seite liegen und die Beine bauchwärts anwinkeln. Das Zäpfchen bis hinter den inneren Sphinkter (Schließmuskel) einführen und danach die

Gesäßhälften sanft zusammendrücken. Nach ein paar Minuten nochmals kontrollieren, dass das Zäpfchen nicht wieder herausgerutscht ist. Zur besseren Einführung  kurz in der Hand vorwärmen, bitte NICHT mit Creme bestreichen, die könnte die Wirksamkeit beeinflussen. Eventuell kann das Herausrutschen auch dadurch verhindert werden, das Zäpfchen mit der stumpfen Seite voraus zu geben, hierzu die Ränder am abgeflachten Ende einfach kurz mit dem körperwarmen Finger ein wenig abrunden.

Klistiere nach dem Entleeren zusammengedrückt wieder herausführen, sonst besteht die Gefahr, den Wirkstoff wieder aufzusaugen.

 

Arzneien zur Anwendung an Auge, Nase und Ohr

Die Anwendung ist Kindern meist unangenehm. Es empfiehlt sich eine liebevolle Vorbereitung und wenn altersbedingt möglich ein über die Notwendigkeit aufklärendes Gespräch. Manchmal wirkt es auch schon Wunder, die Kinder spielerisch das Tropffläschchen am Auge oder Ohr des Erwachsenen applizieren zu lassen, um Hemmschwellen abzubauen.

Unbedingt aufpassen, dass Tropfer oder Tülle NICHT mit dem Auge in Berührung kommen, um Kontaminationen zu vermeiden.

Kleinkindern verabreicht man Augentropfen am besten auf dem Rücken liegend. Lid und Wimpern vorher (steril) reinigen, Unterlied vorsichtig vorziehen (am besten nach unten, dabei unterhalb, etwa auf mittiger Höhe der Nase, die Haut greifen und einen Tropfen in den Bindehautsack einbringen. Evtl. müssen bei Säuglingen Ober- und Unterlied mit den Fingerspitzen getrennt werden. Notfalls bei geschlossenem Auge einen Tropfen in den Augenwinkel geben, das Auge schnell öffnen lassen damit der Tropfen auf Hornhaut und Bindehaut gelangt und dann wieder unverkrampft schließen. Anwendung ggf. wiederholen, falls der Tropfen gleich wieder herausgeblinzelt wurde. Um den Schutzreflex etwas geringer zu halten, ist es meist sinnvoll, nicht in zu grellem Licht zu arbeiten, dann wird die Annäherung weniger wahr genommen und der kleine Patient wird generell ruhiger.

Bei Ohrentropfen empfiehlt sich die Seitenlage, den Kopf dabei behutsam fixieren und die Arznei in der Hand anwärmen. Das Ohrläppchen bei Kleinkindern leicht nach unten und hinten ziehen, ab drei Jahren dann eher nach oben und hinten ziehen (der Gehörgang verändert sich mit dem Alter in seiner Form). Noch kurz auf der Seite bleiben, damit die Arznei nicht gleich wieder ausfließt. Nur in wenigen Fällen sollte der Gehörganga danach mit Watte verstopft werden, sonst kann es unter Umständen zu stärkerer Ausbreitung bestimmter pathogener Bakterien kommen, fragen Sie also bei Kauf, ob dies im Einzelfall sinnvoll ist.

Bei Nasentropfen/-sprays sollte der Tropfer die Nasenschleimhaut nicht berühren. Zuviel aufgenommene Flüssigkeit nicht zurück in die Flasche geben und die Pipette/Sprühkopf nach der Nutzung reinigen, ggf. desinfizieren.

Bei Inhalationsarzneimitteln neben der Packungsbeilage auch die Bedienungsanleitung des Inhalationsgerätes genau lesen und stets ordentlich reinigen. Löst die Maske beim Kind Abwehrreaktionen aus, so hilft es evtl. dem Teddy die Maske anzulegen und es spielerisch vorzuführen oder bei größeren Kindern diese vorher an Ihrem Lieblingskuscheltier trainieren zu lassen. Manchmal reicht sogar ein kleiner bunter Sticker auf der Maske, um Ihr Kind zu überzeugen, diese anzulegen. Bei längerer Anwendungsdauer empfehlen wir, dem Kind eine schöne Geschichte begleitend vorzulesen oder ein Hörspiel vorzuspielen, fragen Sie dann aber nach, ob Ihr Kind unter den Strömungsgeräuschen auch alles versteht… Erkundigen Sie sich nach weiteren altersspezifischen Hilfsmitteln, wir sind Ihnen gern behilflich, auch wenn es um technische Fragen der Anwendung geht.

 

Hautcremes

Beachten Sie unbedingt die Gebrauchshinweise. Generell nie direkt (also z.B. aus der Tube) auftragen, um die verbleibende Masse nicht zu kontaminieren. Arbeiten Sie immer mit einem Zwischenträger. Sie nehmen ja auch einen Löffel für die Marmelade und gehen nicht mit den Fingern hinein. Ggf. muss sich der Eincremende mit einem Handschuh gegen den Wirkstoff „schützen“. Versuchen Sie, das Kind gerade bei chronischen Anwendungen, mit einzubeziehen. Bei intimeren Bereichen sollten Sie das Kind umso aktiver mit einbeziehen, ein Spiegel kann helfen, üben Sie ggf. vorher mit einer wirkstofffreien Babycreme, hier schadet es nicht, wenn mal ein Klecks danebengeht und es gibt eigentlich kaum ein Kind, dem selbst eincremen keinen Spaß macht. Zum Beispiel kann mit einem spielerisch aufgecremten Smiley fast jeder  Widerstand gemildert werden.

Bei Ölbädern unbedingt auf Wassertemperatur und Badedauer achten (viel hilft nicht immer viel!). Zudem nicht Trockenrubbeln sondern nur abtupfen, damit genügend Pflegeöle auf der Haut verbleiben.

 

Injektionen

Meist muss hier der Doktor ran. Eine große Ausnahme ist Diabetes. Hier sollten Sie dem Kind so früh wie möglich das selbständige Injizieren beibringen. Kleinkinder mögen keine Spritzen und zucken gern auch mal weg. Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, auch hier hilft der vorher „testbeimpfte“ Teddy meist über die Ängste hinweg. Im absoluten Notfall muss mit anästhesierenden oder beruhigenden Mitteln gearbeitet werden, fragen Sie dazu aber unbedingt vor Verwendung Ihren Arzt.

 

Wenn Sie Fragen zur Anwendung, Verabreichung oder zu Beipackzetteln haben (egal ob für das Kind oder für Erwachsene), einfach nur ein paar Tipps gebrauchen können oder auch nur ein verständnisvolles Ohr wenn Sie nicht weiter wissen, sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen gern…

 

 

Quelle: „Kein Kinderspiel“ aus DAZ Deutsche Apotheker Zeitung, 154. Jg, Nr. 8, S. 46 ff – mit vielen eigenen Ergänzungen