Therapie wird digital
Von der Gesundheits-App bis zur Virtual-Reality-Brille – digitale Anwendungen können analoge Schmerzbehandlungen clever ergänzen und Wartezeiten auf Termine überbrücken. Wir stellen die neuen Tools und Methoden vor.
Schon längst nutzen wir Apps als praktische Alltagshelfer. Jetzt machen sie sich auch als Therapie-Tools nützlich. Einige davon zahlt sogar die Kasse. Leider noch nicht auf Rezept gibt es die Virtual-Reality-Brille (VR-Brille), die derzeit in Studien erprobt wird und bei chronischen Schmerzen erstaunliche Erfolge bringt.
Apps auf Kassenrezept
Sie zählen zu den Digitalen Gesundheitsanwendungen, kurz DiGA, und sind als App auf Smartphone, PC oder Tablet jederzeit zur Hand. Mit Videos, Audios, Grafiken und Texten informieren sie über chronische Schmerzen im Allgemeinen, geben Tipps für einen beschwerdefreien Alltag und beinhalten physiotherapeutische sowie psychologische Trainingseinheiten, zum Beispiel Achtsamkeitsübungen. Schließlich entsteht der Schmerz ja auch im Kopf. Patienten geben ihre Daten ein, halten Fort- oder Rückschritte fest. Das Training wird von Ärztinnen und Ärzten, Psychologen und/oder Physiotherapeuten begleitet, die regelmäßig Feedback über die Nachrichtenfunktionen geben. Zu den verordnungsfähigen DiGA gehören etwa „HelloBetter Chronische Schmerzen“, insbesondere auch bei Fibromyalgie geeignet, oder „Selfapy“ speziell für Rückenschmerz-Patienten. Weitere Apps, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als erstattungsfähig anerkannt hat, finden Sie unter: diga.bfarm.de/de/verzeichnis
Freischalten und loslegen
Besprechen Sie mit den Behandelnden, welche App geeignet ist, und lassen Sie sich diese verschreiben. Rezept bei der Gesundheitskasse einreichen – alternativ genügt auch ein Nachweis über die entsprechende Indikation –, und die schickt dann den Zugangscode. Nun die App im Store herunterladen, freischalten und loslegen. In der Regel laufen die Programme 90 Tage, Rezepte können verlängert werden.
Eintauchen in eine „heile“ Welt
Eher futuristisch mutet es an, wenn etwa Rückenschmerz-Patienten mit einer VR-Brille auf dem Kopf beschwingt umherlaufen, springen, klettern und tun, was sie sich sonst nicht (zu-)trauen würden. Die Brille versetzt sie in eine virtuelle Welt, in der ihr Avatar sich leicht und schmerzfrei bewegt. Betroffene turnen Übungen nach, und der Avatar korrigiert Durchführung und Haltung. So lenkt die VR-Brille von den Beschwerden ab, Patienten werden wieder mobiler und vermeiden schädliche Schonhaltungen. Damit verändern sich Körper- und Schmerzwahrnehmung, und die Angst vor Bewegung wird aus dem Bewusstsein zurückgedrängt. Embodiment, einen Avatar als den eigenen Körper wahrzunehmen, nennen Wissenschaftlern diesen Wirkmechanismus. In die VR-Brille können auch Strategien zur Stress- und Schmerzbewältigung im Alltag sowie spielerische Elemente einprogrammiert werden.
Aussichten und Einschränkungen
VR-Therapien gibt es noch nicht auf Rezept, da die Brillen sehr teuer sind und individuell programmiert werden müssen. Bislang werden sie nur vereinzelt oder in Studien eingesetzt. Erste Daten, etwa aus der aktuellen Rückenschmerz- Studie des Zentrums für interdisziplinäre Schmerzmedizin an der Uniklinik Würzburg, sind jedoch vielversprechend! Vor allem jüngere, digital affine Patienten profitieren von der VR-Therapie, ältere brauchen meist mehr technische Anleitung. Für Kopfschmerz- und Migränepatienten taugt die VR-Brille möglicherweise nicht, da sie unter Umständen beim Tragen Kopfweh auslösen kann. Bis wir uns die VR-Brille verschreiben lassen können, wird es laut Fachleuten jedoch nicht mehr lange dauern.
Bei Fragen helfen wir Ihnen natürlich gern weiter und beraten Sie. Nicht nur digital, sondern gern auch ganz klassisch im persönlichen und individuellen Gespräch.

