Natur in der Tube – Naturkosmetik/Biokosmetik

Es gibt keine geltende Regelung für Natur- und Biokosmetik. Saskia Fechte erklärt, wie Sie trotzdem die Spreu vom Weizen trennen können.

Die rechtliche Grauzone nutzen einige Firmen, die mit vielversprechenden Formulierungen auf den grünen Zug aufspringen wollen. Um sich von solchen Blendern abzugrenzen, setzen sich unabhängige Organisationen und Hersteller von authentischer Naturkosmetik für grundlegende Standards ein. Grundsätzlich herrscht Einigkeit: Der Großteil der Inhaltsstoffe in Naturkosmetik soll natürlichen Ursprungs sein, bevorzugt aus kontrolliert biologischem Anbau. Zudem wird auf »unnötige Zutaten« wie synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe verzichtet. Auch Mineralprodukte wie Silikon oder Paraffin sind verboten. Leider geht es jedoch selten zu 100 Prozent natürlich. Denn nicht alle benötigten Substanzen können gesammelt, gepflückt oder gepresst werden. Um bestimmte Wirkungen zu erzielen, müssen Naturprodukte technisch oder chemisch verändert beziehungsweise Zutaten aus anderen Quellen ergänzt werden.

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Ist Naturkosmetik besser?

Das kommt auf den Blickwinkel an. Wie jedes konventionelle Kosmetikprodukt auch müssen Bio-Creme & Co. für den Anwender sicher sein und die beschriebene Wirkung erzielen. Allergiker können auch bei hochwertiger Naturkosmetik auf problematische Pflanzenauszüge oder ätherische Öle treffen. Dafür sind Unverträglichkeiten auf synthetische Zusatzstoffe so gut wie ausgeschlossen. Die Umwelt profitiert von grüner Kosmetik, denn hier sind grundwasserbelastende Substanzen und Mikroplastik selten. Zudem bescheinigen die meisten Qualitätssiegel auch Engagement bei Nachhaltigkeit, Schutz der biologischen Vielfalt und ethischem Handel. Unterschiede gibt es in der Anwendung: Shampoos schäumen nicht so intensiv, die Lotion braucht vielleicht länger zum Einziehen.

INTERVIEW mit Ana Ledesma

Sie ist Kommunikationsbeauftragte bei NATRUE und beantwortet die wichtigsten Fragen zu Naturkosmetik.

„Mit unseren Vorschriften wollen wir verhindern, dass Verbraucher in die Irre geführt werden.“

Wer steht hinter Verbänden wie NATRUE?

Die Wegbereiter und größten Hersteller authentischer Natur- und Biokosmetikprodukte in Europa erkannten die Notwendigkeit einer internationalen und unabhängig zertifizierten Norm. Sie wollten strenge und transparente Kriterien für die Kennzeichnung festlegen, um den Verbrauchern bei der Identifizierung von Natur- und Biokosmetik zu helfen und die Hersteller zu unterstützen. 2007 wurde NATRUE gegründet, ein Jahr später das NATRUE-Siegel geschaffen.

Welche Anforderungen garantiert so ein Siegel?

Verschiedene Aspekte eines Kosmetikprodukts: von der Zusammensetzung über die Verpackung bis hin zu den Auswirkungen auf die Umwelt. Die NATRUE-Kriterien umfassen 13 Produktkategorien mit je drei Zertifizierungsstufen. So werden alle zertifizierten Produkte aus 100 Prozent natürlichen, naturnahen und naturidentischen Substanzen produziert. Naturnah bedeutet: natürliche Substanzen, die durch erlaubte chemische Reaktionsprozesse aus natürlichen Inhaltsstoffen gewonnen werden. Naturidentisch sind: erlaubte Pigmente, Mineralien und Konservierungsstoffe, die im Labor reproduziert werden, aber in der Natur vorkommen. Außerdem sind keine genetisch veränderten Organismen, Mineralöle, Silikone, Mikroplastiken, synthetische Duftstoffe oder künstliche Konservierungsstoffe erlaubt.

Gibt es auch Schwierigkeiten?

Eine der Hauptschwierigkeiten ist die Verfügbarkeit von natürlichen Inhaltsstoffen. Rohstoffe aus Pflanzen unterliegen den Kreisläufen der Natur, dem Zugang zu Wasser, dem Klima und den Bodenbedingungen. Im Einklang mit einem natürlichen und nachhaltigen Gleichgewicht kann die Nachfrage das Angebot nicht übersteigen. Beim Produkt selbst ist die Identifizierung der Inhaltsstoffe auf der Verpackung von entscheidender Bedeutung, damit die Verbraucher eine gezielte Kaufentscheidung treffen können.

Was bedeutet das für die Kunden?

Weil es keine festgelegte Definition für natürliche und biologische Kosmetika gibt, können Kosmetikunternehmen behaupten, ihre Produkte seien »natürlich« oder »biologisch«. Dazu müssen sie keine Mindestqualitäten garantieren. Infolgedessen gibt es eine Zunahme von irreführenden Behauptungen im Kosmetiksektor, das sogenannte Greenwashing. Verbraucher müssen gegenüber solchen irreführenden Angaben wachsam bleiben. Bei der Beurteilung solcher Aussagen kann die Überprüfung der Inhaltsstoffe auf der Verpackung helfen. Und natürlich ein Siegel für zertifizierte Naturkosmetik.

Zertifizierte Naturkosmetik erhalten Sie in Ihrer Apotheke. Wir führen zudem eine eigene Linie mit naturbelassenen Produkten und entsprechendem Gehalt z.B. an ätherischen Ölen, die hier Ihre biologische Wirkung entfalten können.

Gern beantworten wir Ihre Fragen, sprechen Sie uns einfach an.

Naturheilkunde & Gesundheit
Text mit freundlicher Genehmigung der S&D Verlag GmbH. Das komplette “special” bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke als Beilage in der “Naturheilkunde & Gesundheit”.