Wir gründen eine Katzen-WG

Was ist besser als eine Katze? Klare Sache: zwei Katzen! Ihre Katze ist Single und das soll sich ändern? Im Prinzip eine gute Idee. Damit es mit der tierischen Vereinigung reibungslos klappt, ist Ihre Unterstützung gefragt. Was gibt es zu beachten, wenn die zweite Mieze einzieht?

Das erklärt Ihnen Stefanie Happ.

Selten ist es Liebe auf den ersten Blick, wenn zwei wildfremde Katzen sich wie beim Blind Date gegenüberstehen. Schon gar nicht, wenn es eine samtpfotige First Lady im Haushalt gibt, die schon eine geraume Weile als Alleinherrscherin ihr Revier regiert. Jeder fellige Neuzugang gilt dann als Eindringling. Eher unwahrscheinlich, dass sich die beiden Stubentiger zur Begrüßung freudig um den Hals fallen. Trotz aller Startschwierigkeiten kann dieses erste Aufeinandertreffen der Beginn einer wundervollen Katzenfreundschaft sein. Sie als Tierfreund müssen den beiden Fellschnuten nur ein wenig unter die Tatzen greifen – und beiden gleich viel Liebe schenken. Damit Eifersucht gar nicht erst entsteht, verwöhnen Sie also beide Schnurrer stets mit gleich vielen Streicheleinheiten – Ihre Stammkatze anfangs sogar noch etwas mehr, damit sie sich nicht abgewiesen fühlt.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Für Ihre Erstkatze hat die Single-Ausstattung gereicht – jetzt nicht mehr. Daher brauchen Sie von nun an alles doppelt. Ganz nach dem Motto „jedem Tierchen sein Pläsierchen“, bekommt jedes seine eigenen Futter- und Wassernäpfe. Auch eine weitere Kuschelhöhle muss her, eventuell auch noch eine zweite Kratzgelegenheit sowie eine zusätzliche Bürste für seidiges Fell. Ein Extra-Spielzeug sollte selbstverständlich sein. Für die kleinen und großen Geschäfte gilt: Immer eine Toilette mehr anschaffen, als Katzen da sind. Manche feline Schnuppernase kann sehr pingelig sein. Sobald das neue Zuhause für die zweite Grande Dame hergerichtet ist, kann’s losgehen.

Tag 1

Ob die beiden dicke Freunde werden können, zeigt sich meistens schon in den ersten gemeinsamen Tagen. Um ihnen die Annäherung zu erleichtern, sollten sie die Chance haben, sich langsam aneinander zu gewöhnen. Ein eklatanter Fehler wäre, den Neuankömmling Ihrer Stamm-Mieze einfach vor die Nase zu setzen. Quartieren Sie ihn lieber direkt nach der Ankunft zunächst in einem separaten Zimmer ein, sodass sich die beiden erst mal gar nicht sehen. Katzen sind kluge Köpfchen, sie wissen ohnehin, dass sie nicht alleine sind, und riechen ihre Artgenossen selbst durch verschlossene Türen.

Schnupperstunde

Im Empfangszimmer darf sich der Neuling peu à peu mit der Umgebung vertraut machen. Eine erste Mahlzeit und ein gemütlicher Schlafplatz gehören zum Einstand dazu. Die Schmusedecke Ihrer Erstkatze können Sie dazugeben. Diese kann der neue Mitbewohner beschnuppern und seine eigenen Duftstoffe abgeben. Nach ein paar Stunden geben Sie Ihrer Erstkatze ihre Lieblingsdecke zurück, damit sie auf Tuchfühlung gehen kann. Noch besser: Reiben Sie beide Katzen mit dem Textil ein und verteilen Sie die Gerüche. Gruppenduft signalisiert: Wir sind eine Familie und können einander vertrauen. Katzen, die ähnlich riechen, finden in der Regel schnell Zugang zueinander – und zu ihrem Lieblingsmenschen.

Tag 2

Am zweiten Tag wechseln die Katzen für eine Weile die Räume. Ihr Liebling, der schon lange bei Ihnen wohnt, lernt so den Fremdgeruch besser kennen. Und der andere Stubentiger kann sein neues Zuhause intensiver erkunden. Um den beiden die Angst vor Neuem zu nehmen, können Sie ein Pheromon-Umgebungsspray aus der Apotheke einsetzen. Das beruhigt und soll ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben.

Ein erster Blick

Wenn sich der Stress spürbar gelegt hat, dürfen sich die zwei das erste Mal sehen. Öffnen Sie die Tür nur einen Spaltbreit, damit keiner entwischen kann. Aus einer gewissen Entfernung heraus gewinnen die Katzen einen ersten optischen Eindruck voneinander. Den Geruch kennen sie ja schon. Jetzt können sie sich über ihre Körpersprache miteinander „unterhalten“, ohne dass es zum Pfotengemenge kommt. Bleiben Sie gelassen, wenn gefaucht wird, das ist normal.

Tag 3

Wenn beide Miezen eine entspannte Nacht hatten, steht der große Auftritt kurz bevor. Um ihnen die Angst zu nehmen, können Sie den kleinen Salonlöwen vor der ersten hautnahen Begegnung ein wenig ätherisches Lavendelöl auf den Rücken streichen – sehr sparsam dosieren! Bleiben Sie auf jeden Fall dabei, wenn die zwei sich zum ersten Mal gegenüberstehen. Keine Panik bei harmlosen Tatzenhieben. Katzen sind per se zuerst misstrauisch und möchten sich anfangs auf Abstand halten. Greifen Sie nur ein, wenn sie sich ernsthaft prügeln und Verletzungen drohen.

Das Eis ist gebrochen

Die erste Woche ist entscheidend: Werden die beiden Schmusetiger dauerhaft ein Herz und eine Seele? Beschnuppern sie sich nach einer Weile und nähern sie sich mit ihren Näschen an, ist das Eis gebrochen. Künftig steht einem harmonischen Zusammenleben in der neuen Katzen-WG also nichts mehr im Weg. Dass sich das Pärchen wohlfühlt, können Sie deutlich hören und auch spüren: Ab sofort wird im Duett geschnurrt.

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