Windeln – Gut gewickelt

Gesucht sind: Ökologische Alternativen zur herkömmlichen Wegwerfwindel.

Etwa 5.000 Windeln braucht jedes Kind in den ersten Lebensjahren – das ergibt eine Menge Müll. Die handelsüblichen Einwegprodukte sind aus verschiedenen Materialien wie Polyethylen, Folien, Gummi, Vlies und saugfähigen Kunststoffen zusammengesetzt. Ihre Herstellung verbraucht jede Menge Energie und Ressourcen, recyceln lassen sie sich nicht. 450 Jahre würde es dauern, bis eine Windel sich von allein zersetzt. Kein Wunder, dass immer mehr Eltern nach umweltfreundlicheren Alternativen suchen. Welche Möglichkeiten gibt es? Sind sie wirklich umweltfreundlicher?

Von Saskia Fechte

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Öko-Windeln

Die umweltschonendere Variante der konventionellen Wegwerfwindel besteht zu einem großen Teil aus biologisch abbaubaren Substanzen und nachwachsenden Rohstoffen, beispielsweise Kunststoffen aus Maisstärke sowie chlorfrei gebleichtem Zellstoff. Verschiedene Siegel wie der Blaue Engel und das FSC-Label bescheinigen Schadstoffprüfungen sowie Materialien aus nachhaltiger und umweltgerechter Waldbewirtschaftung. Die meisten Öko-Windeln verzichten auf Duftstoffe, stecken in recycelbaren Verpackungen und werden in Europa produziert. Sie verkleinern allerdings nicht den Müllberg, denn auch sie landen nach einmaligem Gebrauch im Restmüll. Öko-Windeln dürfen grundsätzlich nicht in die Biotonne, manche enthalten zudem wie ihre konventionellen Gegenstücke Sauggranulate, sogenannte Superabsorber, auf Erdölbasis. Einige Modelle sind laut Hersteller jedoch ganz oder teilweise kompostierbar.

Stoffwindeln

Bis in die 1960er-Jahre gab es nichts anderes; dann verschwanden sie, abgelöst von der modernen Version, in der Versenkung – und sind heute wieder im Kommen. Waschbare Windeln haben den Vorteil, dass sie vielfach verwendbar sind. Damit sparen sie definitiv Müll. Heute gibt es Stoffwindeln in sehr unterschiedlichen Formen. Manche Systeme sind vom klassischen Einwegprodukt kaum zu unterscheiden, andere arbeiten mit separaten Einlagen, Einsätzen oder Überhöschen. Die einzelnen Teile werden dann meist mit einem Klettverschluss oder Druckknöpfen miteinander verbunden. Sogar die traditionellen Mulltücher sind noch auf dem Markt. Damit immer frischer Nachschub vorhanden ist, empfehlen Hersteller etwa 20 Stoffwindeln für ein Baby. Wer die Anschaffung der vergleichsweise teuren Mehrwegwindeln scheut, kann sie vielerorts auch mieten und erst einmal ausprobieren.

Nicht immer besser

Sind Mehrwegwindeln automatisch umweltfreundlicher? Das ist nicht so einfach zu beantworten, Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Stark verschmutzte Papiereinlagen oder Innenvliese werden bei manchen Windelsystemen ebenfalls nach einmaligem Gebrauch im Restmüll entsorgt. Zudem kostet auch die Produktion von Bio-Baumwolle oder Hanf Energie und Rohstoffe. Der größte Nachteil: Stoffwindeln müssen ständig gewaschen werden – mit Wasser und Energie. Die Wäsche entscheidet daher über den Nachhaltigkeitseffekt: Nach Möglichkeit kommen eine energieeffiziente Waschmaschine, ökologisches Waschmittel und kein Weichspüler zum Einsatz. Gewaschen wird bei maximal 60 Grad, getrocknet wird an der frischen Luft, nicht im Wäschetrockner. Zu guter Letzt dienen die Windeln nicht nur einem Kind, sondern werden weiterverwendet. Wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, können Mehrwegwindeln die ökologischere Wahl sein.

Waschen lassen oder mieten

Windeln regelmäßig zu waschen und zu trocknen, bedeutet Aufwand. Wer die Grundidee unterstützt, aber die Mühen scheut, kann in manchen Regionen Windeldienste beauftragen. Dann holt ein Großunternehmer die schmutzigen Stoffwindeln ab, reinigt sie und liefert regelmäßig saubere nach Hause. Der Waschvorgang ist durch die großen Mengen und die Profimaschinen effizienter als daheim, allerdings muss die Wäsche regelmäßig abgeholt und geliefert werden. Je nach Entfernung und Fahrzeug kann der Transport die Umweltbilanz wieder verschlechtern.

Expertenrat: Empfindlicher Po

»Im Windelbereich treten häufig Hautirritationen auf«, sagt Cathrin Weller, PTA in Sindelfingen. »Wenn der Po wenig Luft bekommt und oft feucht ist, wird er schnell wund. Die Haut quillt auf, Bakterien oder Pilze können sich ansiedeln und Infektionen verursachen. Wechseln Sie die Windeln daher möglichst oft. Zur Reinigung eignen sich milde Babyöle, anschließend trocknen Sie den Bereich sanft, aber gründlich ab. Bei einem wunden Po empfehle ich Zinksalbe, sie absorbiert Feuchtigkeit und wirkt gegen Entzündungen.«

PS: Sollte dies nicht reichen, haben wir gute Erfahrungen mit ozonisierten Ölen gemacht, sogenannten Rizolen. Sie können der Zinssalbe beigegeben oder pur auf besonders betroffene Hautstellen aufgebracht werden.

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