Das beste Essen aller Zeiten

Danke, Corona. Endlich dürfen wir nach Herzenslust genießen. Stefanie Happ interviewt Uwe Knop, Diplom-Oecotrophologe, Buchautor, Medizin-PR-Experte und schonungsloser Ernährungsaufklärer. Er sagt: “Essen ist die schönste Hauptsache der Welt.”

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Herr Knop, in welcher Hinsicht haben sich unsere Ernährungsgewohnheiten seit Corona verändert?

In Zeiten von Homeoffice und geschlossenen Gastronomiebetrieben fanden wir uns in einer völlig neuen Lebenssituation vor. Mittags gab es kein Menü aus der Kantine. Abends ins Restaurant gehen – das war für eine Weile gestrichen. Jeden Tag den Lieferservice anrufen? Keine gute Idee. Wir waren also gezwungen, unseren Rhythmus zu verändern. Das hat der Shutdown bewirkt: Routinen wurden aufgebrochen. Der gesamte Alltag brauchte einen neuen Anstrich – so auch das Essen. Manch einer hat in dieser Corona-Phase den Hobbykoch in sich entdeckt und viel Neues ausprobiert. Das war eine gute Gelegenheit, sich mit Lebensmitteln näher zu beschäftigen – und mit sich selbst. Für viele ist in dieser Krise der Startschuss zu einer Ernährungsweise gefallen, für die ich schon lange plädiere: zum intuitiven Essen.

Was verstehen Sie darunter: intuitiv essen?

Intuitives Essen ist meiner Meinung nach die natürlichste und reinste Ernährungsform, die es gibt. Es geht darum, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und sich selbst diese Fragen zu stellen: Was schmeckt mir und was bekommt mir gut? Wie viel muss ich essen und zu welcher Tageszeit? Die Antworten kennt nur jeder selbst. Kein Personaltrainer und kein Diät-Berater kann je vorhersagen, welche Nahrungsmittel für uns richtig sind. Denn jeder Organismus tickt anders. Insofern gelten die allgemein gefassten Ernährungsregeln für den Einzelnen nicht. Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag können für die einen der pure Genuss sein. Für die anderen sind sie ein Graus, weil sie Rohkost nicht mögen, davon nicht satt werden oder vielleicht gar nicht gut vertragen. Zum intuitiven Essen gehört das Vertrauen in die ureigenen Körpersignale wie Hunger, Lust, Sättigung und Verträglichkeit. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass diese ursprüngliche Form der Ernährung uns mehr Zufriedenheit schenken und die Lebensqualität erhöhen kann. Sie hält sprichwörtlich Leib und Seele beisammen.

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Warum hat die Corona-Krise uns den Weg zum intuitiven Essen gezeigt?

Ganz einfach: Wir waren entschleunigt. Das Leben fand hauptsächlich zu Hause statt. Es wurde still um uns herum. In so einer Situation wird unsere innere Stimme laut, die uns klar und deutlich sagt, was wir wirklich brauchen. Der Shutdown in Corona-Zeiten hat uns die Möglichkeit gegeben, uns wieder mehr auf das Wesentliche zu besinnen: nämlich auf unsere ganz persönlichen Bedürfnisse – losgelöst von all den starren Korsetts, die uns die modernen Ernährungstrends auferlegt hatten. Vegan, Paleo, Clean eating und wie diese Hypes alle heißen, sind frei erfunden. Ich habe noch keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis gefunden, dass solche Maßregelungen beim Essen die Gesundheit fördern oder gar Krankheiten verhindern können. Insofern hat die Corona-Krise Ketten gesprengt. Vor allem zu Beginn der Pandemie sprach das Einkaufsverhalten der Deutschen Bände: Die Menschen haben tütenweise Nudeln und Mehl gehamstert. Wer interessierte sich also noch für Low Carb? Die leckeren Kohlenhydrate, die sich viele vor der Krise mit Bedauern verkniffen haben, standen plötzlich hoch im Kurs. Gut so! Wer Pasta gerne mag und gut verträgt, soll sie essen, bis er satt und rundum zufrieden ist. Das Gleiche gilt übrigens für alle anderen Lebensmittel auch. Intuitives Essen kennt keine Verbote. Im Gegenteil: Essen aus dem Bauch heraus erlaubt uns zum einen mehr Entscheidungsfreiheit, zum anderen ermöglicht es uns das beste Essen aller Zeiten.

Bedeutet intuitives Essen also das Ende aller Diäten?

Dieser Diätenquatsch ist ein Wohlstandsphänomen. Wir brauchen den Verzicht nicht, wenn wir uns vor Augen halten, wozu Ernährung eigentlich da ist: Sie dient der Lebenserhaltung. Essen soll den Hunger stillen, dem Körper Energie geben und gleichzeitig Genuss und natürliche Zufriedenheit schenken. Wer intuitiv isst und auf seine Instinkte hört, findet automatisch zu seinem biologischen Wohlfühlgewicht – ohne Diätstress. Sich rundum wohlfühlen ist wichtiger als eine nackte Zahl auf der Waage. Die Zeit ist reif, dass wir all die Zwänge vergessen, die uns die pseudowissenschaftlichen Abnehmregeln auferlegt haben. Weg von der Selbstkasteiung, hin zu mehr Vertrauen in uns selbst, zu mehr Genuss, Freude an der Nahrungsmittelvielfalt und größerer Lebensqualität. Dann wird Essen wieder zu dem, was es sein sollte: die schönste Hauptsache der Welt.

Intuitiv essen – So geht’s mit Uwe Knops 7 Tipps:

  1. Essen Sie nur dann, wenn Sie Hunger haben.
  2. Gönnen Sie sich das, worauf Sie Lust haben und was Ihnen schmeckt.
  3. Achten Sie auf Bekömmlichkeit und Verträglichkeit.
  4. Hören Sie auf zu essen, wenn Sie satt sind.
  5. Lesen Sie keine Kalorientabellen.
  6. Akzeptieren Sie Ihr biologisches Wohlfühlgewicht.
  7. Es gibt keine verbotenen Lebensmittel. Alles ist erlaubt.

 

Konstruktiv-kritische Fußnote unsererseits: „Alles ist erlaubt.“ – Klingt doch gut, oder? Sicherlich erfordert dieser Ansatz eine gehörige Portion Selbstreflexion und -disziplin. Er ist nicht als Erlaubnis zum maßlosen Essen zu verstehen! Übergewicht ist immer noch mit vielen negativen Einflüssen auf unseren Körper assoziiert. Andererseits ist dieser Ansatz aber auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen, da der Stressfaktor durch auferlegte Zwänge reduziert werden könnte.

Natürlich stehen wir Ihnen bei Fragen gern beratend zur Seite. Auf Ihre Persönlichkeit individuell abgestimmt. Sprechen Sie uns an.

 

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Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette “Naturheilkunde & Gesundheit” Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.