Ayurveda – Indische Lieblingspflanzen

Heilpflanzen und Gewürze haben im Ayurveda einen besonderen Stellenwert. Die Vorzüge von Kurkuma sprechen sich langsam herum, aber was wissen Sie über Tulsi?

 

Ayurveda – wörtlich übersetzt: das Wissen vom Leben – umfasst als ganzheitliches Konzept viele Bereiche: Bewegung und Entspannung, Schlaf, Ernährung und Medizin. Ziel des traditionellen altindischen Lebensstils ist die Gesunderhaltung auf körperlicher und seelischer Ebene. Ein grundlegender Aspekt besteht darin, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv zu unterstützen. Ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten, können Heilpflanzen helfen. Sei es bei akutem Unwohlsein, chronischen Beschwerden oder zur Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten.

 

Von Saskia Fechte

 

Phytotherapie auf Indisch

Gewürze und Kräuter haben nicht nur die Aufgabe, Speisen aufzupeppen, sondern erzielen laut Ayurveda- Philosophie bestimmte Effekte im Körper. In diesem Sinn nutzt die ayurvedische Küche viele Heilpflanzen sowohl vorbeugend als auch therapeutisch. Je nach Wirkung im Körper gelten sie als erhitzend oder kühlend. Feurige Pflanzen fördern die Verdauung, wirken schweißtreibend und aktivieren den Organismus. Darunter finden sich viele leichte, trockene und spitze Gewächse. Kühlende Pflanzen nähren den Körper und haben eine befeuchtende oder gelenkschmierende Wirkung. Sie sind oft schwer und ölig.

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Neem

Rinde, Blätter und Samen des Neembaums enthalten ätherische Öle und Gerbstoffe mit entzündungshemmenden und desinfizierenden Eigenschaften. Sie werden sowohl äußerlich als Bestandteil von Salben verwendet als auch innerlich in Form von Tropfen, Saft oder Auszug. Neem gilt als erhitzend, unterstützt den Stoffwechsel und die Zellerneuerung der Haut, beruhigt gereizte Stellen und stoppt Juckreiz. Es schützt und pflegt trockene Haut, klärt aber auch einen unreinen Teint. Da es Bakterien und andere Krankheitserreger vertreibt, hält Neem Entzündungen und Infektionen in Schach, beispielsweise in der Behandlung von Neurodermitis und Schuppenflechte. In Indien sorgen die Zweige als natürliche Zahnpflegemittel für ein strahlendes Lachen und eine gesunde Mundflora. Auch als biologischer Insektenschutz ist der Extrakt des Baums bekannt.

(Im Titelbild das eingebettete Foto oben links)

 

Tulsi

Das Indische Basilikum gilt in seinem Heimatland als heilig. Die Blätter werden gern gegessen oder als Quelle für frischen Saft benutzt. In Europa findet man sie vorwiegend zu Pulver zerrieben oder nutzt ihr extrahiertes, ätherisches Öl. Bewährt hat sich die erhitzende Ayurveda- Pflanze bei grippeähnlichen Beschwerden: Ohrenschmerzen, Schnupfen und Husten. Das spezielle Basilikum reguliert die Körpertemperatur, wirkt bei Fieber und fördert das Schwitzen. Störungen im Verdauungstrakt sind ein weiteres Einsatzgebiet, ein Aufguss aus den Blättern beruhigt den Magen, regt die Verdauung an und lindert Bauchschmerzen. Im Ayurveda gilt Tulsi zudem als Anti-Stress-Pflanze und soll den Geist stärken, die Belastungsfähigkeit erhöhen und das emotionale Gleichgewicht fördern.

(Im Titelbild das eingebettete Foto oben in der Mitte)

 

Süßholz

Die Pflanzenwurzel mit dem typischen Lakritzgeschmack enthält Saponine, die bei Husten, Heiserkeit, Bronchitis und Asthma für befreite Atemwege sorgen. Süßholz kann darüber hinaus Entzündungen im Verdauungstrakt bekämpfen und dient der Behandlung von Magengeschwüren, Schleimhautreizungen und zu hoher Säureproduktion. Die kühlende Heilpflanze kann Fieber senken; auch Harnwege, Leber und Kreislauf profitieren von den Inhaltsstoffen der stärkenden Wurzel. Da die Heilpflanze auf Dauer den Blutdruck erhöhen kann, sollte sie jedoch nur gezielt und kurzzeitig eingenommen werden. Äußerlich angewendet kann Süßholz die Wundheilung unterstützen und Hauterkrankungen lindern. Dazu wird es zu Pulver und in Salben verarbeitet.

PS: Süßholz – Glycyrrhizinsäure (Im Titelbild das eingebettete Foto oben rechts)

 

Kokosnuss

Die Frucht der Kokospalme liefert vornehmlich Milch und Öl, aber auch Fruchtfleisch, Kerne, Wasser und Blütensaft finden im Ayurveda Verwendung. Hierzulande eher für kulinarische Genüsse bekannt, genießt die Kokosnuss in Indien schon lange den Ruf als Schönheitselixier. Hochwertige ungesättigte Fettsäuren, Aminosäuren und Vitamine nähren Haut und Haar, spenden Feuchtigkeit und schützen vor Zellalterung. Gleichzeitig schützt Kokosöl vor Keimen, mindert entzündliche Hauterscheinungen und unterstützt die Wundheilung. Kokoswasser ist nicht nur ein köstlicher Durstlöscher, die harntreibende und ausschwemmende Wirkung kann bei Bluthochdruck und Harnwegserkrankungen hilfreich sein. Das geraspelte Fruchtfleisch der kühlenden Heilpflanze ist ein ayurvedisches Mittel gegen Magenschleimhautentzündung, Sodbrennen und andere Verdauungsbeschwerden.

(Im Titelbild das eingebettete Foto unten links)

 

Kurkuma

Die gelb färbende Wurzel ist ein Allroundtalent im Ayurveda. Sie wird meist zu Pulver zermahlen und dann entweder unter Cremes und Salben gemischt oder mit Flüssigkeit verdünnt getrunken. Die bedeutendsten sekundären Pflanzenstoffe sind Terpene und Antioxidanzien. Kurkuma ist eine typische Zutat der indischen Küche und beugt Beschwerden im Verdauungstrakt wie Blähungen, Aufstoßen, Völlegefühl und einem trägen Darm vor. Ihm wird eine schützende Funktion für Leber, Bauchspeicheldrüse und Harnwege zugeschrieben. Positive Effekte auf den Blutzuckerspiegel machen Kurkuma für die Diabetestherapie interessant. Die innerliche Anwendung erfolgt außerdem bei Erkältungsbeschwerden, Husten und Heiserkeit. Als „goldene Milch“ macht ein uraltes Ayurveda- Rezept derzeit Furore in der modernen Trendküche. Die antientzündlichen und wundheilenden Eigenschaften machen Gelbwurz außerdem zu einem wirksamen Hautpflegemittel. Schnittwunden, Akne und akute Allergiesymptome, aber auch Gürtelrose und Neurodermitis, seien hier genannt. Die Inhaltsstoffe der erhitzenden Wurzel beruhigen die Haut und schützen vor neuen Irritationen.

PS: Curcuma / Kurkuma / Gelbwurz

(Im Titelbild das eingebettete Foto unten rechts)

 

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