Was steckt in der Pflanze

Ob Flavonoide, Bitterstoffe oder ätherische Öle – Heilpflanzen sind kleine Chemielabore. Ihre natürlichen Wirkstoffe schützen die Pflanze – und können auch uns helfen.

Heilpflanzen sind mehr als nur grüne Begleiter – sie sind wahre Schatzkammern der Natur. In ihren Blättern, Blüten und Wurzeln steckt eine Fülle wertvoller Inhaltsstoffe, fein aufeinander abgestimmt, um die Pflanze zu schützen, zu stärken und gesund zu halten. Genau diese natürlichen Substanzen machen Heilpflanzen auch für uns so wertvoll: Sie beruhigen, lösen, stärken oder lindern – auf ganz natürliche Weise.

Doch was genau steckt eigentlich in ihnen? Wir stellen Ihnen die wichtigsten pflanzlichen Wirkstoffe hier einmal vor und verraten Ihnen, was sie für Pflanze und Mensch so besonders macht. – Von Gabriele Hellwig

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Flavonoide – die farbigen Schutzengel

Die leuchtenden Gelb-, Rot- und Blautöne vieler Blüten, Blätter und Früchte verdanken wir den Flavonoiden. Für Pflanzen sind sie lebenswichtig – sie schützen vor UV-Strahlung, wehren Pilze und Bakterien ab, locken jedoch Bestäuber an. Auch für uns sind sie von großer Bedeutung: Flavonoide wirken entzündungshemmend, gefäßstärkend und antioxidativ. Besonders viele Flavonoide stecken in Weinrebenblättern (Vitis vinifera), die sich bei Venenbeschwerden bewährt haben, Ginkgo (Ginkgo biloba), der die Durchblutung fördert, und Holunderblüten (Sambucus nigra), die bei grippalen Infekten wohltuend und immunstärkend wirken.

Gerbstoffe – die pflanzliche Abwehrkraft

Sie haben ein herbes Aroma und wirken stark: Gerbstoffe, auch Tannine genannt, schützen die Pflanze vor Pilzen, Bakterien und Fressfeinden. Auf der Haut oder den Schleimhäuten bilden sie einen feinen Schutzfilm, der Entzündungen lindert und die Heilung unterstützt. Besonders reich an Gerbstoffen sind Eichenrinde (Quercus robur), bewährt bei Hautproblemen und Magen-Darm-Beschwerden, Hamamelis (Hamamelis virginiana) bei Hämorrhoiden und kleinen Entzündungen sowie Salbei (Salvia officinalis), der Halsreizungen lindert und übermäßiges Schwitzen reguliert.

Bitterstoffe – kleine Muntermacher

Bitterstoffe schmecken – wie der Name schon sagt – bitter. In der Natur schrecken sie Fressfeinde ab, für uns wirken sie dagegen anregend und stärkend. Sie fördern die Bildung von Speichel, Magen- und Gallensaft, bringen den Stoffwechsel in Schwung und beugen Völlegefühl vor. Manche Bitterpflanzen wirken zudem leicht entgiftend und können Heißhunger zügeln. Besonders reich an Bitterstoffen sind Enzianwurzel (Gentiana lutea), ein Klassiker bei Appetitlosigkeit, Löwenzahn (Taraxacum officinale), der Leber und Galle unterstützt, und Wermutkraut (Artemisia absinthium), das traditionell bei Blähungen und schwer verdaulichen Speisen eingesetzt wird.

Ätherische Öle – die duftenden Alleskönner

Schon ein Hauch genügt: Ätherische Öle sind die Seele vieler Heilpflanzen. Sie locken Bestäuber an, halten Schädlinge fern und schützen vor Krankheitserregern. Auch im Körper entfalten sie vielfältige Wirkungen – je nach Pflanze antibakteriell, schleimlösend oder beruhigend. Besonders bekannt sind Thymian (Thymus vulgaris), dessen thymolreiche Öle bei Husten und Bronchitis helfen, Pfefferminze (Mentha × piperita), deren Menthol kühlt und Kopfschmerzen mildert, sowie Lavendel (Lavandula angustifolia), der Spannungen löst und den Schlaf fördert.

Schleimstoffe – sanfter Schutzfilm

Sie sind die Feuchtigkeitsspeicher der Pflanzenwelt: Schleimstoffe schützen Blätter, Samen und Wurzeln vor Austrocknung. Auch auf unseren Schleimhäuten entfalten sie eine wohltuende Wirkung: Sie legen sich wie ein beruhigender Film über gereizte Stellen, lindern Hustenreiz, Halsschmerzen oder Magenbeschwerden und unterstützen die Regeneration. Besonders reich an Schleimstoffen sind Eibischwurzel (Althaea officinalis), bewährt bei trockenem Husten, Malvenblätter und -blüten (Malva sylvestris), die Rachen und Stimme beruhigen, und Leinsamen (Linum usitatissimum), der Magen und Darm besänftigt.

Saponine – natürliche Schaummacher

Saponine verdanken ihren Namen ihrer Fähigkeit zu schäumen. Sapo ist Lateinisch und bedeutet „Seife“. Die Seifenstoffe schützen Pflanzen vor Pilzen sowie Schädlingen und helfen beim Transport wichtiger Nährstoffe. In unserem Körper fördern sie die Durchblutung, stärken das Immunsystem und erleichtern das Abhusten bei Infekten der Atemorgane. Besonders reich an Saponinen sind Efeublätter (Hedera helix), die bei Bronchialleiden helfen, Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), die Reizhusten lindert, und Primelwurzel (Primula veris), die festsitzende Sekrete löst. Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) wiederum stärkt die Gefäße und wird bei Venenschwäche eingesetzt.

Polysaccharide – die stillen Immunstärker

Polysaccharide sind pflanzliche Mehrfachzucker, die in der Natur als Energiespeicher und Schutzstoffe dienen. Im Körper aktivieren sie das Immunsystem, fördern die Abwehrkräfte und unterstützen die Heilung. Besonders reich daran sind Sonnenhut (Echinacea purpurea), Aloe vera und Isländisch Moos (Cetraria islandica) – bewährte Helfer in der Erkältungszeit, die die körpereigene Abwehr sanft anregen.

Sprechen Sie uns gern auf das Thema an und lassen Sie sich von uns ganz individuell beraten.

Bild vom Cover des "Naturheilkunde & Gesundheit" Heftes 02/26 mit Joey Kelly, aus dem der Text zu diesem Artikel stammt. Der Verlag hat uns die Nutzung freundlicherweise genehmigt.
Text mit freundlicher Genehmigung der S & D Verlag GmbH. Das komplette “Naturheilkunde & Gesundheit” Heft bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke.