Das ABC der Gelenke

140 stecken im menschlichen Körper, und jedes Einzelne trägt zur Mobilität bei. Doch die Gesundheit unserer wichtigen Scharniere wird durch viele Faktoren bedroht. Experten verraten, wie wir Knochen und Knorpel optimal unterstützen – von A bis Z. – Von Stephanie Drönner

Fast jeder Zweite über 50 zeigt deutliche Anzeichen einer Arthrose.

Dr. Rinio

Ab jetzt aktiv

„Da der Gelenkknorpel nicht direkt durchblutet wird, ist ein Mindestmaß an Bewegung erforderlich, um ihn über die Gelenkflüssigkeit mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen – und somit am Leben zu erhalten“, erklärt Dr. Martin Rinio, Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Als gelenkschonender und effektiver Sport gilt etwa Schwimmen: „Das eigene Körpergewicht wird dabei verringert, die Gelenke werden entlastet“, erläutert der Facharzt für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie. Regelmäßiges Radeln ist ebenfalls empfehlenswert. Gehörten Sie bisher eher zum Team Couchpotato? Keine Sorge: Für einen sportlichen Start ist es nie zu spät – das Okay des Hausarztes vorausgesetzt. Regen und Co. fallen übrigens als Ausrede flach, denn auch daheim lässt sich prima sporteln. Ein Tipp des Fachmanns: Stellen Sie sich breitbeinig mit parallelen Füßen hin und lassen Sie Ihre Arme lang gestreckt nach unten baumeln. Schwingen Sie diese nun in den Schultern von vorne nach hinten. Gehen Sie bei jedem Schwung leicht und entspannt in die Knie, wenn möglich, mindestens zwanzigmal. „Das schmiert die Gelenke und aktiviert den Stoffwechsel – unabhängig vom Wetter.“

Essen nicht vergessen

Wer seinen Gelenken etwas Gutes tun möchte, der achtet auch bei der Ernährung auf die richtigen Zutaten. „Heutzutage wissen wir, dass sich eine basische Ernährungsweise positiv auf den Knorpel auswirkt“, betont Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde und Sportmediziner der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Besonders Omega-3-Fettsäuren, wie sie beispielsweise in Leinöl oder Fisch enthalten sind, beeinflussen nach neuen Erkenntnissen die Gelenksituation positiv. Veggies aufgepasst: Vegetarische Kost mit viel Obst und Gemüse, Salaten und Kartoffeln kann sich ebenfalls günstig auf eine Arthrose auswirken, so der Experte. Den Verzehr von Käse, Kaffee, rotem Fleisch, Alkohol sowie gesättigten Fettsäuren sollten wir dagegen im Hinblick auf die Gelenkgesundheit besser reduzieren.

PS: Interview mit Johann Lafer „Heute esse ich gesünder!“ und weitere Artikel zum Thema Ernährung.

Haltung bewahren

Ob im Job oder bei der Gartenarbeit: Um die Wirbelsäule zu schützen, sollten wir niemals in gebückter Position arbeiten, denn das strapaziert unsere Bandscheiben und Gelenke. „Am besten bei Haus- und Gartenarbeit Geräte mit einem langen oder, noch besser, ausfahrbaren Teleskop-Stiel verwenden“, rät Dr. Schneider. Auch permanentes Knien ist Gift für die Gelenke. „Lässt sich das nicht vermeiden, so sollte das Gewicht öfter von einem aufs andere Knie verlagert werden“, empfiehlt der Fuß- und Sprunggelenksspezialist. Dies beugt Arthrose ebenso vor wie das Tragen entsprechender Schoner bei häufigem Knien.

PS: Grüne Auszeit – Rückenfreundliche Gartenarbeit und Rückenfreundlicher Alltag und alternative Schmerztherapien

Läuft bei uns

Fußmärsche an der frischen Luft härten ab, kräftigen Herz und Kreislauf, wirken Depressionen entgegen – und versorgen die Gelenke mit neuer Lebenskraft. Das besondere Plus: Bänder, Sehnen und Gelenke werden gestärkt, aber geringer strapaziert als beim Joggen. Und: „Rund 70 Prozent aller Muskeln im Körper werden beim Laufen in Bewegung gesetzt“, weiß Dr. Rinio. Bei moderater Schrittgeschwindigkeit empfehlen sich regelmäßige Spaziergänge auch für Arthrose-Patienten. Selbst Wanderungen sind bei beginnender Kniearthrose empfehlenswert – nicht zu lange Wegstrecken vorausgesetzt. Damit es gesundheitlich auch wirkt, möglichst zweimal die Woche für mindestens 30 bis 60 Minuten losmarschieren.

PS: Fitness im Vorbeigehen

Muskeln machen mobil

Um unsere Beweglichkeit langfristig zu erhalten, ist neben Ausdauersport auch Krafttraining unerlässlich. „Ein guter Trainingszustand der umgebenden Muskulatur fördert die Gelenkgesundheit“, bestätigt Dr. Schneider. Ideal ist ein schonender Kraftsport, der die Gelenke entlastet. Intensives Aufwärmen gehört unbedingt dazu; bevor es an die Gewichte geht, sollten wir uns daher ein Weilchen beim Kardiotraining verausgaben. Doch es muss längst nicht immer das Power-Work-out sein: Entscheidend ist, regelmäßige Sporteinheiten in den Alltag zu integrieren und so Kraft und Ausdauer zu stärken. „Selbst bei Arthrose und im fortgeschrittenen Alter lassen sich so meist Gesundheit und Lebensqualität steigern“, betont Dr. Schneider.

„Der Gelenkknorpel darf und soll belastet werden, aber auf die richtige Weise.“

Dr. Thomas Schneider

Nährstoffe nutzen

Damit die Knochen bei einer Bewegung nicht schmerzhaft aufeinanderreiben, befindet sich in den Gelenken Knorpelgewebe, das wie ein Puffer wirkt. Das Problem: Es nutzt sich im Laufe des Lebens ab. Und mit dem langsam schwindenden Knorpel kommt der Schmerz. Neben regelmäßiger Be- und Entlastung ist zur Gesunderhaltung des Knorpels auch die Zufuhr gelenkaktiver Nährstoffe hilfreich. Knorpel-Bausteine wie Glucosamin, Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure und Kollagen können konzentriert als Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke eingenommen werden. Es gibt sie außer in Tablettenform auch unter anderem als Trinkgranulat und Ampullen. Das pharmazeutische Personal berät Sie gern dazu, was am besten für Sie geeignet ist.

PS: Nahrungsergänzungsmittel – Wer braucht eine Extraportion? und Gesünder mit Vitalstoffen

Pfunde purzeln lassen

Sicher, dass Bauchspeck und Hüftgold die Gesundheit belasten, ist nichts Neues. Unsere Knochen sind bei einem Zuviel auf der Waage jedoch doppelt in Gefahr: Einerseits drücken die Kilos selbst auf die Gelenke, setzen den Knorpel im wahrsten Sinne des Wortes unter Druck. Andererseits schüttet das Fettgewebe Hormone, sogenannte Adipokine, aus, die Entzündungen, unter anderem in den Gelenken, auslösen können. Diese wiederum begünstigen den Abbau des Knorpels. „Hauptursache für Gelenk-Verschleiß ist und bleibt Übergewicht“, fasst Dr. Rinio zusammen. Die gute Nachricht: Jedes Pfund, das wir abspecken, lohnt sich, denn damit reduzieren sich auch unsere Beschwerden.

PS: Kurvig und sportlich

Schmerzen abklären

Eine Arthrose, fachsprachlich für Gelenkverschleiß, bleibt lange beschwerdefrei. Häufig verursachen Knorpelabbau und der Verlust von Gelenkschmiere erst bei fortgeschrittener Krankheit Symptome. Es gibt jedoch ein typisches Warnsignal: Anlaufschmerzen. Nach längerer Ruhe fühlt sich das betroffene Gelenk steif und unbeweglich an, kann wehtun. Solche Beschwerden bitte keinesfalls ignorieren, sondern fachärztlich abklären lassen, empfiehlt Orthopäde Rinio. „Nur so lassen sich andere mögliche Ursachen, wie beispielsweise Sehnenentzündungen, ausschließen und im Falle einer Arthrose geeignete Behandlungsschritte einleiten. Dies eröffnet die Chance, sich trotz der Erkrankung weiterhin viele Jahre möglichst frei bewegen zu können.“

PS: Gesunde Gelenke (Rheuma) und Gicht – Kristalle in den Gelenken

Wärme wirkt Wunder

Wärmeanwendungen wirken wohltuend, regen die Durchblutung und somit den Stoffwechsel an. „Das Gelenk wird beweglicher, die Muskulatur lockerer“, erklärt Dr. Rinio. Als besonders angenehm empfinden viele Menschen Basenbäder aus der Apotheke, wenn Nacken, Schultern, Knie oder Füße schmerzen: Hitze macht uns locker, und die Basensalze neutralisieren die Säure im Bindegewebe – ein Hauptauslöser chronischer Schmerzen. Auch auf Wärmepflaster schwören viele Betroffene: Die Klebestreifen aus der Apotheke erzeugen mithilfe des Chili-Scharfstoffs Capsaicin ein Wärmegefühl auf der Haut oder wirken über Tiefenwärme, die sich durch Aktivkohle und Eisenpulver bildet.

PS: Heilsame Wärme & Tipps für warme Füße und Rückenschmerzen – Muskeln mögen Wärme

Zähne pflegen

Auch die Mundgesundheit wirkt sich auf unsere Gelenke aus. Denn bei chronischer Parodontitis, einer Entzündung, die den Zahnhalteapparat betrifft, gelangen Bakterien in den Blutkreislauf. Die Erreger können Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch Gelenkentzündungen auslösen. Ein Alarmzeichen ist geschwollenes und blutendes Zahnfleisch: Wer die Symptome entdeckt, sollte rasch handeln. Mit Zahnpflegeprodukten und Mundspülungen aus der Apotheke reduzieren Sie die bakterielle Belastung. Das schützt nicht nur die Beißerchen, sondern auch unsere wichtigen Scharniere.

PS: Weitere Artikel zum Thema Mundgesundheit und Zähne.

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special 8/21
Text mit freundlicher Genehmigung der S&D Verlag GmbH. Das komplette “special” bekommen Sie auch bei uns in der Apotheke als Beilage in der “Naturheilkunde & Gesundheit”.